Texas Lightning - Meanwhile, Back At The Ranch... - Cover
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Texas Lightning Meanwhile, Back At The Ranch...


  • Label: X-Cell Records/SonyBMG
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Obwohl es richtig gute Coverversionen gibt, die sogar die Originale übertreffen, hat das Nachspielen fremder Kompositionen nicht den allerbesten Ruf. Oftmals handelt es sich bei Coversongs nämlich um unnötige Ehrerweisungen, bzw. Füllmaterial, mit dem die eigene Ideenlosigkeit kaschiert werden soll. Noch schlimmer sind Tribute-Alben, auf denen sich verschiedene Künstler im Rudel dem Gesamtwerk ihres großen Vorbilds annehmen. Etwas wirklich Neues ist auch dabei noch nie herausgekommen, so dass in 9 von 10 Fällen einfach nur pure Langeweile verbreitet wird. Es bedarf also schon eines ganz besonderen Konzepts, um den willigen Plattenkäufer mit Coverversionen überhaupt noch hinter dem Ofen hervorzulocken. Ein Konzept, das das Quintett Texas Lightning entdeckt hat.

Die Band hat sich für ihr Debütalbum „Meanwhile, Back At The Ranch...“ 14 Klassiker der Pop- und Rockgeschickte geschnappt und diese mit viel Herzblut als Countrysongs neu eingespielt. Das hört sich schon auf Papier reichlich verrückt an und löst spätestens bei einem Blick auf die Trackliste ungläubiges Staunen aus. Hier kommt zusammen, was schon immer zusammengehörte. Nur hat bis heute keiner davon gewusst. Und so stehen Songs von AC/DC, Michael Jackson, Abba, Lou Reed, Burt Bacharach, Prince und Madonna in schönster Eintracht nebeneinander, als wäre dies das Selbstverständlichste auf der Welt. Dass man sich mit so einem Konzept richtig blamieren kann, muss nicht gesondert erwähnt werden. Außerdem: Wer Klassiker verunstaltet, wird mit „Modern Talking“ nicht unter drei Stunden bestraft.

Texas Lightning kommen nicht – wie der Name vermuten lässt – aus der heißen Wüste Texas’, in der sich bereits George W. Bush das Gehirn verbrannt hat. Die vier Jungs und das charmante Girl haben in Hamburg Station gemacht, denn bekanntlich fängt der Wilde Westen gleich hinter der Stadt an der Elbe an. Mediales Aushängeschild der Gruppe ist das Duo Olli „Ringofire“ Dittrich (Schlagzeug, Gesang) und Jon Flemming „The Flame“ Olsen (Gesang, Gitarre), auch bekannt als „Dittsche und Ingo“ aus der kongenialen TV-Comedy-Reihe „Dittsche - das wirklich wahre Leben“. Dazu kommen die Vollblutmusiker Markus „Fastfinger“ Schmidt (Gitarre, Banjo), Uwe „Friendly” Frenzel (Doublebass, Gesang) und Miss Jane Comerford (Gesang, Ukulele). Die fünf sind seit vielen Jahren musikalisch aktiv und haben sich vor einiger Zeit zur Countryband Texas Lightning zusammengefunden.

Mit „Meanwhile, Back At The Ranch...“ legt die Gruppe ein Album vor, das auf Anhieb für gute Laune sorgt. Schon der Opener – Robert Palmers „Bad case of loving you“ – bekommt einen mitreißenden Country-Groove verpasst, der sich durch eine Vielzahl der 14 Stücke zieht. Lediglich der treibende Prince-Song „Kiss” aus dem Jahr 1986 wird in eine schleppende Ballade umfunktioniert. Ansonsten wird entweder das Originaltempo beibehalten (z.B. „Norwegian wood“, The Beatles, „Blue bayou“, Roy Orbison, AC/DC „Highway to hell”), eine Schaufel draufgelegt („Walk on the wild side“, Lou Reed) oder schlicht und ergreifend auf die Tube gedrückt. Dabei wird Reinhard Meys „Über den Wolken“ kurzerhand in „Over the mountains“ umbenannt, Madonnas „Like a virgin“ ein ganz neuer Flair eingehaucht und Michael Jacksons Kitschnummer „Man in the mirror“ gänzlich von selbigem befreit. Da bleibt nicht viel mehr zu sagen als: Tolle Idee, schönes Album!

Anspieltipps:

  • Dancing queen
  • Highway to hell
  • Over the mountains
  • Walk on the wild side
  • Raindrops keep falling on my head
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