Sufjan Stevens - Come On Feel The Illinoise - Cover
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Sufjan Stevens Come On Feel The Illinoise


  • Label: Rough Trade
  • Laufzeit: 50 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer denkt, Rufus Wainwright sei der innovativste Künstler dieses Jahres, sollte sich fragen, ob dieser nicht einfach nur überschätzt ist. Wer denkt, dass Connor Oberst der Mann des Musik-Jahres 2005 ist, hat anscheinend seine Hausaufgaben nicht gemacht. Wenn jemand denkt, nur weil Ryan Adams in diesem Jahr vier CDs auf den Markt wirft, sei dieser sehr produktiv, hat anscheinend den Trend verpasst. Und wenn irgendjemand glauben sollte, dass Coldplay immer noch die gefühlvollsten Lieder schreiben, hat er noch nie etwas von Sufjan Stevens gehört.

Der Amerikaner hat bereits 2003 ein unglaubliches Album herausgebracht, dass zunächst nur als eine Hommage an seinen Heimatstaat Michigan zu verstehen war. Doch das Album „Greetings From Michigan: The Great Lakes State“ ist nicht nur ein Konzeptalbum mit klugen Arrangements und schönen Texten, es ist auch der Auftakt zu einer Reihe von Konzeptalben: Genauer gesagt erwarten uns noch weitere 48 Alben, denn Stevens möchte jedem amerikanischen Bundesstaat ein Album widmen. Zwischen der Arbeit an dem wohl größten Projekt der Musikgeschichte, findet der Amerikaner aber immer noch Zeit, weiter Alben zu veröffentlichen, wie er es 2004 mit „Seven Swans“ getan hat. Und dieses ist nicht von minderer Qualität.

Das zweite Album seines einzigartigen Projektes befasst sich mit dem Staat Illinoise. Genau wie auf dem „Michigan“-Album singt Sufjan Stevens auch auf „Come On Feel The Illinoise“ mit leiser Stimme über Hoffnung („Chicago“), Einzelschicksale („John Wayne Gacy, Jr“) und zeigt seinen Humor mit „They Are Night Zombies!! They Are Neighbours!! They Have Come Back From Dead!! Ahhhhh!“ und dem nachfolgenden 40-Sekunden-Track „ Let’s Hear That String Part Again, Because I Don’t Think They Heard It All The Way Out In Bushnell“. Auch eine Liebe zu langen Songtitel kann man bei Stevens erkennen, wenn man auf der Trackliste „The Black Hawk, or, How To Demolish An Entire Civilisation And Still Feel Good About Yourself In The Morning, or, We Apologize For The Inconvenience But You’re Going To Have To Leave Now, or ‚I Have Fought The Big Knives And Will Continue To Fight Them Until They Are Off Our Lands!’“ liest. Die Instrumentierung ist so üppig, wie man es nur von Rufus Wainwright kennt, aber längst nicht so pathetisch. Selbst die reduzierten Stücke wie „Casimir Pulaski Day“, die folkig angehaucht sind, enden mit einer kleinen Melodie, Bläsern und einen weiblichen Backgroundsängerin, was absolut großartig klingt.

Auf „The Man Of Metropolis Steals Our Hearts “ setzt der Komponist zum Beginn eine verzerrte E-Gitarre und verwandelt das Stück wie aus Zauberhand plötzlich zu einem schönen Folksong. Für ein Gastspiel kommt im zweiten Refrain die Gitarre noch mal zurück und definiert so den unwiderstehlichen Charme des Sounds von Sufjan Stevens. Dass der Mann bereits in experimentellen Gewässern Fuß gefasst hat, macht sich besonders im Opener „Concerning The UFO Sightning Near Highland, II“ indem er zwischen einem hoffnungserfüllten Klavierspiel gezielt Flöten so klingen lässt, als seien es fliegende Untertassen. Viele der Tracks sind auch in verschiedene Teile unterteilt, allerdings sind diese Teile so geschickt zusammenkomponiert, so dass man zum Beispiel auf „Come On! Feel The Illinoise“ nicht weiß, wann „Part 1: The World’s Columbian Exposition“ aufhört und „Part 2: Carl Sandman Visits Me In A Dream“ anfängt.
Wieder mal, wie schon die „Michigan“-CD, übersteigt die Platte die 70 Minuten-Marke, da macht es nichts, dass es zu Idaho wohl nur eine EP geben wird, die aber schon fast fertig sein soll. Die Arbeiten an Utah und Wisconsin haben bereits begonnen. Dummerweise wurde die „Illionise“-CD fürs erste gestoppt, weil DC Comics die Superman-Figur auf dem Artwork des Covers nicht frei gibt. Aber warten ist man als Deutscher ja gewöhnt: „Greetings From Michigan: The Great Lakes State“ erschien erst ein Jahr nach der Veröffentlichung in den USA. Aber das Warten macht nichts, denn man kann ja die Michigan noch mal in den CD-Spieler werfen, denn an einer Sache unterscheiden sich die beiden Alben nicht: Beide sind so detailverliebt, dass man immer wieder neues zwischen den Bläsern, Chören, Gitarren, Xylophonen, Streichern, und und und findet. Amerika darf sich geehrt fühlen, dass dieser Mann die Bundesstaaten vertont und wenn die nächsten Alben nur halb so gut werden, wie dieses Album, ist großartiges zu erwarten. „Come On Feel The Illionise“ ist ein so unbeschreiblich gutes Album, dass man es mit keinem anderen Album anderer Künstler vergleichen kann. Man weiß nur, dass, wenn man Sufjan Stevens hört, man eigentlich gar nichts weiß.

Anspieltipps:

  • Concerning The UFO Sighting Near Highland, II
  • John Wayne Gacy, Jr
  • Casimir Pulaski Day
  • Jacksonville
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