It´s Not Not - No Time For Jokes - Cover
Große Ansicht

It´s Not Not No Time For Jokes


  • Label: Defiance/Rough Trade
  • Laufzeit: 38 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nein, das ist wirklich kein Spaß mehr. Auf einmal muss jede zweite Band von der britischen Insel nach 80er Jahre Wave-Punk-Pop klingen. Das kann nicht mehr lange gut gehen. Es dürfte deshalb nur eine Frage der Zeit sein, bis auch diese Welle von der Plattenindustrie an die Wand gefahren worden ist, weil einfach viel zu viele Bands unter Vertrag genommen werden, die höchstes B-Klasse-Niveau besitzen. Freuen wir uns also letztmalig über Acts wie The Stands, Editors, The Futureheads, Maximo Park, Kaiser Chiefs und andere gehypte In-Bands, die gerne Schampus und Lachsfisch vertilgen. Spätestens wenn die genannten Combos ihre nächsten Alben an den Start bringen, ist der Hype nämlich gestorben. Na ja, dann muss halt das nächste große Ding her…

Zuvor geben sich noch It’s Not Not die Ehre, die, man ahnt es schon, ebenfalls auf den Dance-Wave-Punk-Pop-Zug aufgesprungen sind, aber – Achtung! Achtung! – nicht aus England kommen. Damit wird das Hype-Potenzial der Band glücklicherweise massiv reduziert. It’s Not Not stammen aus Spanien. Um genau zu sein aus Barcelona. Die Band rekrutiert sich aus den Mitgliedern der Gruppen Tokyo Sex Destruction und Standstill und macht auf ihrem Zweitwerk „No Time For Jokes“ gepflegten BritRock mit besagten Stileigenschaften, die im Augenblick so angesagt sind. Dazu kommen ein paar scharfe Ecken und Kanten, die den Pop-Faktor erheblich in die Schranken weisen. Da dürfen Songs auch mal nur 22 Sekunden lang sein, aber dafür einen bandwurmartigen Titel tragen („Which language is it? I recognize some words but I don’t know what it means“). Hauptsache es rockt!

Joel (Vocals), Piti (Drums), Rubén (Gitarre), und Raúl (Bass) legen nach einem eigentümlichen Intro („Be quiet, only the whispers will be understood”) furious los und poltern mit „Sailing the night” durch den Indie-Irrgarten. Franz-Ferdinand-Gitarren werden mit einem treibenden Disco-Beat gekoppelt, hyperventilierende Vocals reagieren mit Endzeittexten. Wer bei diesem grandiosen Sound nicht auf eine englische Band tippen würde, ist ein Hellseher oder ahnungslos! Auch „Push with the rhythm“ geht verschwenderisch mit galoppierenden Rhythmen und schrammelnden Gitarren um. Ein Derwisch von Song, der nur mühsam mit dem bereits erwähnten „Which language is it? I recognize some words but I don’t know what it means“ ausgebremst werden kann.

Dann drücken die Katalanen wieder aufs Tempo („Say more! Say more!“). Die Gitarren kreischen noch aufgeregter und der Beat poltert rau und etwas ungelenkt durchs Unterholz des Punk- & Wave-Pop, bis der mit 5 Minuten längste Song des Album („The citiy lies“) eine kleine Verschnaufpause bietet. Dennoch: Auf „No Time For Jokes“ geht es zügig zur Sache. Länger als drei Minuten muss schließlich kein Song der Welt sein. Kein Wunder, dass die Burschen sich auf die klassische LP-Länge beschränken und bereits nach 38 Minuten fertig sind. Doch das reicht, um mindestens ein halbes Dutzend Rohdiamanten auf die Welt loszulassen, die zusammen mit den übrigen der insgesamt 15 Tracks ein stimmiges und energiegeladenes Rockalbum ergeben.

Anspieltipps:

  • Sailing the night
  • The midnight jewel
  • Push with the rhythm
  • The dance of the laughing masks
  • The knight with my knife to fight
Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
6.5/10

Niente
  • 2017    
Diskutiere über „It´s Not Not“
comments powered by Disqus