Jet - Shine On - Cover
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Jet Shine On


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Jahr 2003 schaute der NME und zahlreiche andere Magazine nach Australien und sie sahen die salonfähig gewordene Rückkehr von Spandex-Hosen, die zwei Brüder mit ihren Kollegen in Form von dreckigem Rock´n Roll flächendeckend initiiert hatten. Jet hatten gerade „Get Born“ veröffentlicht und es wurde wieder Zeit für den großen Aufschrei, der durch zahlreiche Preisverleihungen, dem Live 8-Auftritt mit Neil Young und gemeinsamen Shows mit den Rolling Stones (deren Nachfolge Jet laut diversen Medien schon angetreten haben) sowie Oasis nicht leiser wurde.

Doch der zwischenzeitliche Fall ließ nicht lange auf sich warten: Nic (Gitarre, Gesang) und Chris Cester (Schlagzeug, Gesang) verloren während der Welttournee mit oben genannten Bands ihren Vater und fanden schließlich Trost in Drogen und Alkohol. Dieser Umstand brachte das Bandgefüge in Schieflage, bis sie schließlich zu der Erkenntnis kamen, dass allein Musik sie wieder auf den richten Weg bringen würde und zur Heilung der brüchigen Struktur im Hause Jet beitragen wird. Auf Barbados begannen die Aufnahmen vom spannungsvoll erwarteten Zweitling „Shine On“, der in Los Angeles vereint mit „Get Born“-Produzent Dave Sardy (Oasis, Dirty Pretty Things, Primal Scream) innerhalb von sechs Monaten zur finalen Größe heranreifte.

Allerdings muss man gleich am Anfang festhalten, dass nur selten mehr als Durchschnittskost auf dem Album Platz gefunden hat. „Holiday“ gestaltet den Auftakt noch richtig gut und überzeugt mit bluesigem Rock, der wuchtig aus den Boxen drängt und erdig den Hörer erreicht. Die erste Single „Put Your Money Where Your Mouth Is“ markiert jedoch sofort danach eine Ernüchterung, die während der gesamten Spielzeit von „Shine On“ oft anzutreffen ist. Uninspiriert und vor allem kraftlos ziehen die Vier ihr Programm durch und vergessen dabei völlig ihre einst so lieb gewonnene wilde Unbekümmertheit.

Halbgare Semi-Balladen oder auf Sparflamme agierende Rocker lassen, hervorgerufen durch dünne Gitarrensounds und rhythmisch dahinsiechende Schlagzeugarbeit, den Ruf nach der Stop-Taste lauter werden. Das es soweit nicht kommt, verdanken wir z. B. „That´s All Lies“, das richtig die Sau raus lässt und mit seiner Sixties-Orgel keine Gefangenen macht. So beherzt und mitreißend hätte das Zweitwerk werden können, doch stattdessen zünden nur wenige der schwungvolleren Songs und von den Balladen kann man nur, im besten Fall gar nicht mal so üblen („Shine On“), Durchschnitt erwarten, wenn nicht schon längst jegliche Stimmung durch triste Arrangements und dem Fehlen von einer klaren Hookline zerstört wurde. Lediglich die sparsam auftretenden, erfrischend und zielstrebig rockenden Songs bewahren das Follow-Up zum Megaseller „Get Born“ vor einem Reinfall, so dass sich langsam auch die große Vergleiche aufstellenden, englischen Magazine beruhigt haben sollten.

Anspieltipps:

  • Holiday
  • That´s All Lies
  • Rip It Up
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