Death Cab For Cutie - Plans - Cover
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Death Cab For Cutie Plans


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Dreht man das düstere Plattencover um, sieht man auf der Rückseite wie die Sonne aufgeht und sich die Strahlen durch die Fenster eines dunklen Raums kämpfen. Besser kann man die Wirkung von „Plans“ nicht einfangen.

Seth Cohen ist Schuld daran, dass der Verfasser dieser Zeilen gerade pleite ist. Wie, du kennst Seth Cohen nicht? Das ist der coolste Charakter der hippen Teenie-Serie „O.C., California“, die in den USA seit August 2003 das Leben von ein paar wohlhabenden Familien im vornehmen Örtchen Newport Beach schildert. Seth Cohen ist der schüchterne Sohn des erfolgreichen Anwalts Sandy und seiner Frau Kirsten, der toughen Geschäftsführerin der Newport Group, der Immobilienfirma ihres Vaters Caleb Nichol. Seth ist nicht gerade beliebt und hat keine echten Freunde – bis Ryan Atwood in sein Leben tritt. Ryan stammt aus ärmlichen Verhältnissen und wird von Seths Eltern quasi adoptiert. Seth und Ryan freunden sich schnell an und das Leben des verklemmten Seth Cohen wird plötzlich richtig aufregend.

Zu Seth Cohens Vorlieben zählen nicht nur Comics, Computerspiele und peinliches Kinderspielzeug, sondern auch Independent-Musik. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit lobt er dabei die Band Death Cab For Cutie über den grünen Klee. DCFC machen Musik, die wie geschaffen ist für einen Charakter wie den von Adam Brody verkörperten Seth Cohen: Introvertierte Songs für Weicheier, mit Melodien, zu denen man heimlich in die Bettdecke weint. Also „Emo“ ohne „Core“ – oder so. Jedenfalls ist der Autor jetzt erst mal pleite, weil er sich den gesamten Backkatalog von DCFC zugelegt hat. Bildung muss schließlich sein!

Nach fünf Independet-Releases zwischen 1999 und 2003 für das Barsuk-Label („Something About Airplanes“, „We Have The Facts And We’re Voting Yes”, „The Photo Album”, „You Can Play These Songs With Chords” und „Transatlanticism”) ist die 1997 gegründete Band aus Bellingham, Washington nun zum Major Atlantic Records (Warner Bros.) gewechselt. Damit besteht eine echte Chance, nicht nur über die zahlreichen Soundtracks von „O.C., California“ („Music From The OC Mix“) etwas bekannter zu werden, sondern auch mit ihrem neuen Studioalbum „Plans“. Die Platte wurde in einem Wintermonat in den Longview Studios auf einer umfunktionierten Farm in Massachusetts aufgenommen. Produziert hat wie schon den Vorgänger „Transatlanticism“ Gitarrist/Organist Christopher Walla. Weitere Bandmitglieder sind Benjamin Gibbard (Vocals, Gitarre), Nicholas Harmer (Bass) und Jason McGerr (Drums).

Trotz ihres Wechsels zu Atlantic machen DCFC keine großen Zugeständnisse an den Mainstreammarkt. Vielleicht mögen ihre Melodien etwas eingängiger geraten sein, was nicht heißen soll, dass sie den Hörer jetzt aufdringlich anspringen. Sie benötigen auch weiterhin ein paar Durchläufe, bis sie sich ins Gehirn des Hörers eingebrannt haben. Doch dann legt sich „Plans“ wie Watte um das Gemüt und lässt einen an der Schwermut von Benjamin Gibbards Texten teilhaben. Schwermut, die von schwebenden Orgelklängen, zarten Gitarrenriffs und samtigen Synthesizern eingefangen wird, wie im brillanten Opener „Marching bands of Manhattan“.

Die erste Singleauskopplung „Soul meets body“ ist ein feiner Popsong mit leicht treibenden Beats, akustischen Gitarren und luftig leichten Vocals. „Summer skin“ ist ein verhalten groovender Pianosong mit magischer Anziehungskraft. „Different names for the same thing“ verzichtet rund zwei Minuten auf jeglichen Schnickschnack und kombiniert lediglich Stimme und ein Piano. Mit ein wenig Hall und einem zarten Synthie-Teppich unterlegt, lässt hier eingewisser John Lennon grüßen. Dann zieht der Beat an, das Schlagzeug reiht sich poltern ein und der Song zieht in eine völlig andere Richtung weiter. Großartig!

Mit „I will follow you into the dark“ folgt eine minimalistische Folkpopnummer, die in „Your heart is an empty room“ ihren Gegenpart findet. Die Akkorde sind fröhlich und offen. Die Akustikgitarre erhält Unterstützung von einer E-Gitarre, das Keyboard perlt locker aus dem Hintergrund und Ben Gibbard wirkt um eines aufgeräumter. Die Stimmungslage ändert sich plötzlich von lähmender Melancholie in lebensbejahende Leichtigkeit. Hoffnung („Someday you will be loved“), Aufbegehren („Crooked teeth”) und Lebensmut („What Sarah said”) holen das Album aus der Dunkelheit und führen es ans Licht. Dreht man das düstere Plattencover um, sieht man auf der Rückseite wie die Sonne aufgeht und sich die Strahlen durch die Fenster eines dunklen Raums kämpfen. Besser kann man die Wirkung von „Plans“ nicht einfangen.

Anspieltipps:

  • Stable song
  • Summer skin
  • Soul meets body
  • I will follow you into the dark
  • Marching bands of Manhattan
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