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Diverse SZ Diskothek: 1969


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 73 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Woodstock! Kein anderes Ereignis des Jahres 1969 ist dermaßen in den Köpfen von Musikfans verankert wie das viertätige Musikfestival vor den Toren New Yorks. „Sex, Drugs & Rock & Roll“ und „Peace, Love & Unity“ waren die Wahlsprüche, die zur Mythenbildung beitrugen. Die Auftritte von Richie Havens, Santana, Joe Cocker und Jimi Hendrix wurden zu Legenden des „Summer of Love“, auch wenn für viele bereits der Ausverkauf des Hippietums begonnen hatte. So stellte sich die im Oktober 1967 gegründete Zeitschrift Rolling Stone als das perfekte Organ heraus, um das zu schaffen, was man heute den Woodstock-Mythos nennt. Im Gegensatz zum zwei Jahre vorher stattgefundenen Monterey-Festival, traten in Woodstock viele etablierte Bands mit gut dotierten Plattenverträgen auf, die es jetzt zu promoten galt. Und tatsächlich: Nach dem Festival fanden sich fast alle teilnehmenden Künstler auf den oberen Rängen der Charts wieder.

Doch was passierte noch in diesem Jahr? Die Amerikaner landeten am 20. Juli auf dem Mond. Willy Brand wird am 21. Oktober neuer Bundeskanzler und Yassir Arafat neuer Vorsitzender der PLO. Die Schauspielerin Sharon Tate wird von der Charles Manson Family ermordet und Yoko Ono und John Lennon halten ihre „Bed Ins“ ab, in denen sie vom Frieden auf Erden erzählen und es für Kunst halten.

Im Kapitel „Fundstück“ befasst sich die SZ Diskothek des Jahres 1969 mit Klaus Voormann, der als Bassist in der Plastic Ono Band (Alan White, Eric Clapton, Yoko Ono, John Lennon) spielte. Er berichtet in einem Aiszug aus dem Buch „Warum spielst du ‚Imagine’ nicht auf dem weißen Klavier, John“ auf ungeheuer witzige Weise vom damaligen Zusammentreffen mit John Lennon und seiner Frau, die sich für neuzeitliche Apostel hielten, die Kunst und Musik nur dazu nutzten, um ihre „Love & Peace“-Botschaft in die Welt zu tragen. Sie führten ihren persönlichen Kampf gegen die Sinnlosigkeit des Vietnamkrieges, gegen Machtgier, Korruption und Völkermord. Voormann wurde damals spontan für ein Konzert in Toronto verpflichtet. Ohne vorherige Proben stolperte die Band auf die Bühne und gab einen verstörenden Auftritt, an dem Yoko Ono nicht ganz schuldlos war…

Die 20 ausgewählten Songs entsprechen einem repräsentativen Querschnitt dieses ebenso aufregenden wie herausragenden Musikjahres. So zeigen sich Canned Heat mit „Change my ways“ auf dem Höhepunkt ihres elektrifizierenden Blues ’N Boogie, Erma Franklin (die Schwester von Aretha Franklin) interpretiert den Doors-Klassiker „Light my fire“ als wäre dieser schon immer ein Soulstück gewesen und die Temptations feuern mit „I can’t get next to you“ einen harten Vierviertelbeat mit rauen Funkgitarren ab. The Band sorgen mit ihrem zweiten Album für einen scharfen Kontrast zum Hippierock („Whispering pines“), während Acts wie Jimmy Cliff („Vietnam“) und John Lee Hooker („I don’t wanna go to Vietnam“) ungewöhnliche politische Statements abgeben.

Auch Musiker aus der DDR trugen zum Sound dieses Jahres bei. Die Theo Schumann Combo liefert dabei mit „Derby“ einen skurrilen Mix aus Beat, Surf, Jazz und Easy Listening ab, der westdeutsche Konkurrenten wie die Rattles oder Lords locker abhängt. Taj Mahal bediente mit „Take a giant step“ die Country-Fraktion, während Fairport Convention („Who knows where the time goes?”) gleich drei Alben in einem Jahr herausbrachten, die sich mit britischem Folkrock befassten. 1969 war aber auch die Geburtsstunde einer Band, die ihrem Label Motown die höchsten Produktionskosten in seiner Geschichte bescherte: The Jackson 5. Der Song „I want you back“ (eigentlich für Gladys Knight geschrieben) löst eine Jacksons-Hysterie aus, in deren Zuge der kleinste der Brüder (Michael) ca. 20 Jahre später zum größten Popstar aller Zeiten werden soll. Nachzulesen in der Ausgabe des Jahres 1982 der SZ-Diskothek…

Anspieltipps:

  • Jimmy Cliff – Vietnam
  • The Jackson 5 – I want you back
  • The Stooges – I wanna be your dog
  • The Velvet Unterground – Pale blue eyes
  • Fairport Convention – Who knows where the time goes?
  • Jane Birkin Avec Serge Gainsbourg – Je T´aime… Moi non plus
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