Kyuss - Welcome To Sky Valley - Cover
Große Ansicht

Kyuss Welcome To Sky Valley


  • Label: Elektra/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
Kyuss - Welcome To Sky Valley
10 1 10/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Lange vor den „Desert Sessions” fanden in den 80er Jahren die „Generator Partys“ im Städtchen Palm Desert in der Wüste Südkaliforniens, zehn Autominuten von Palm Springs entfernt, statt. Ausrichter waren die Highschool-Freunde Brant Bjork (Drums), Chris Cockrell (Bass), John Garcia (Vocals) und Josh Homme (Gitarre). Unter dem Namen Sons Of Kyuss brachten die Jungs ihr erstes Demo heraus. „Kyuss“ ist eine Figur aus dem Fantasy-Rollenspiel „Dungeons & Dragons“, eine Art Helden-Gott und Meister der Untoten. Damit war eine der legendärsten Bands der modernen Rockmusik geboren.

1990 nimmt das Independentlabel Dali Records die Band unter Vertrag, die sich ab da nur noch Kyuss nennt. Vor Schreck wirft Bassist Chris Cockrell das Handtuch und wird von Nick Oliveri ersetzt. Mit einem lächerlichen Budget spielt die Band ihr Debüt „Wretch“ ein, das noch nichts von der späteren Qualität von Kyuss verrät. Dazu wirken die Stücke einfach unausgegoren und skizzenhaft. Kein Wunder, dass die Platte nahezu unbeachtet bleibt. Mit dem Nachfolger „Blues For The Red Sun“ (1992) sieht das schon anders aus. Mit seinen epischen Songstrukturen und den nur schwer verständlichen Texten liefert das Werk erste Ansatzpunkte für den späteren Kultstatus der Band. Darüber hinaus können die Musiker ihre Affinität zu Halluzinogenen aller Art nicht mehr verbergen. Der Begriff des Stoner Rock macht erstmals die Runde…

Obwohl auch „Blues For The Red Sun“ kein kommerzieller Erfolg beschieden ist, bleiben die Wüstensöhne am Ball. Der Ex-Obsessed-Basser Scott Reeder ersetzt den zu den Dwarves abgewanderten Nick Oliveri. In der legendären Besetzung Josh Homme (Gitarre), Brant Bjork (Drums), Scott Reeder (Bass) und John Garcia (Vocals) nehmen Kyuss die Aufnahmen zu ihrem dritten Album in Angriff. Als Produzent ist Chris Goss dabei, der dem Vierer bei seinem Plan eines Konzeptalbums helfen soll. Direkt nach den Aufnahmen geht die Band mit Metallica auf Australien-Tour. Doch kaum sind Kyuss zurück, müssen sie feststellen, dass Dali Records pleite ist. Es dauert ein ganzes Jahr, bis das Album im April 1994 erscheint. Der Branchenriese Elektra (Warner Bros.) hat sich die Band geschnappt, die zwischenzeitlich den Verlust von Schlagzeuger Brant Bjork zu verschmerzen hat, der durch den Jazz-Drummer Alfredo Hernández ersetzt wird.

Das Album – eigentlich schlicht „Kyuss“ betitelt – ist der künstlerische Durchbruch für die Band. Aufgeteilt in drei Suiten, überfallen den Hörer zehn monumentale Brocken von Songs (die sich auf CD nicht direkt anwählen lassen), die mit den im Booklet abgebildeten, monströsen Windrädern auf metaphorische Weise kommunizieren. Der Brückenschlag zwischen Cover, Konzept und Kompositionen ergibt sich aus dem auf dem Cover abgebildeten Ortsschild mit dem Schriftzug „Welcome To Sky Valley“. Sky Valley ist ein Ort nahe des Joshua Tree Nationalparks in Kalifornien, der von der Bewirtschaftung durch Windmühlen lebt, indem man in großflächigen Windparks Strom für die umliegenden Wüstensiedlungen erzeugt. Die Gestaltung von Hülle und Booklet ist dabei formal an die Struktur der Platte angelegt.

„Welcome To Sky Valley“ ist ein psychedelisches Donnergrollen, das in seiner Intensität unerreicht bleibt und artverwandte Bands wie Monster Magnet weit hinter sich lässt. Man muss die Platte noch nicht mal laut hören, um das ekstatische Dröhnen von Scott Reeders Bass und die an einen Bassverstärker gekoppelte Gitarre Josh Hommes in der Magengrube zu spüren. Das manische Gewinsel und ultra-coole Grummeln von Sänger John Garcia, der auch durch den Gebrauch von Kraftausdrücken phasenweise an Jim Morrison erinnert, tut dabei ein Übriges.

Der alles niederwalzende Opener „Gardenia“ fungiert als perfekter Einstieg in die Riff-Hölle von „Sky Valley“, die nach rund sieben Minuten in die progressiven Bahnen von „Asteroid“ gelenkt wird. Langsam fließen die Noten zu einem ekstatischen Riff-Unwetter, das mit „Supa scoopa and mighty scoop“ beendet wird. Die zweite Suite wird mit den funkigen Licks von „100°“ eröffnet, die schon bald in kongeniale High-Speed-Riffs übergehen. Nach dem akustischen (Fast-)Instrumentalstück „Space cadet“ – eine Hommage an die frühen Pink Floyd mit verstörenden Lyrics („I'm standing alone on the cliffs of the world. No one ever tends to me. Sitting alone, covered in rays. Some things are so my mind can breath. Waiting is hard Fucking takes so long Draped in sun - hands in sand Earth acid cleanses me, cleanses me clean. But the world, it never comes) – folgt mit „Demon cleaner“ der Klassiker dieses Albums. Angetrieben von gegen den Takt gespielten Drums, einem wummernden Bass und präzise gespielten Gitarrenriffs, türmt sich vor den Ohren des Hörers ein frühes Meisterwerk des Stoner Rock auf.

Die Schluss-Suite, die mit fast 20 Minuten die längste des Albums ist, wird mit dem furiosen Track „Odyssey“ eröffnet. Die Band baut geschickt Breaks ein, verzögert das Tempo, bis der Song fast zum Stillstand kommt und zieht dann langsam wieder an, bis die Heavy-Riffs aus den Boxen platzen. Richtig irre zeigt sich das Riffing in „N.O.“ und ganz besonders in „Conan Troutman“, das im Husarenritt nach vorne prescht. Garcia schreit, flucht und flüstert – lässt den Wahnsinn einfach aus sich heraus („Feed my lungflower seed. You are gone and now I'm free (I'm free - yeah). Strip me down to nothing, fuck me will free the vulture (make it fly). Burning my brain and burning my teeth (in the sun), 100ø and burning my need (make it fly). Live the love that I have for you. Taking you life for want you (free)” aus „Conan Troutman“ und „I awake up tomorrow today. Just help me burn my head. I could be dead. What to go, what to say when you're crossin my line. Oh, give me time, oh, give me time, oh, just like they said. I live my life alone, never going home, just like they said. It's just a song the same, it's just a song the same” aus „N.O.”. Mit dem total bekloppten 57-Sekunden-Kirmeslied „Whitewater” endet ein 50-Minuten-Ritt durch die kalifornische Wüste, den es in dieser Form später nicht mehr geben sollte.

Bei den Aufnahmen zum nächsten Album ging es bei den Wüstensöhnen deutlich gemäßigter zu. „And The Circus Leaves Town“ (1995) zeigte, dass es bei Kyuss um mehr ging, als immer monströsere Heavy-Riffs und bekiffte Texte zu schaffen. Der Titel nahm dabei in prophetischer Weise das wartende Schicksal der Band vorweg. Ende 1995 trennten sich Kyuss aufgrund persönlicher Differenzen für immer. Die Musiker gingen fortan getrennte Wege und spielten später in Bands wie Slo-Burn (John Garcia), Unida, Hermano (Scott Reeder, John Garcia), Mondo Generator, The Dwarves (Nick Oliveri), Fu Manchu (Brant Bjork) und Queens Of The Stone Age (Josh Homme).

Ein spannendes Kapitel in der Rockgeschichte war beendet. Das Kapitel einer kultisch verehrten Band, die in Amerika weniger Platten verkaufte als in Europa. Doch „The next big Thing“ stand mit Queens Of The Stone Age schon in den Startlöchern.

Anspieltipps:

  • Conan Troutman
  • Demon cleaner
  • Gardenia
  • Asteroid
  • Odyssey
Neue Kritiken im Genre „Stoner-Rock“
Diskutiere über „Kyuss“
comments powered by Disqus