Muse - Black Holes And Revelations - Cover
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Muse Black Holes And Revelations


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Beim nächsten Album sollten sich Muse wieder mehr auf ihre Arbeit, denn auf „schwarze Löcher und Enthüllungen“ spezialisieren.

Ein neues Album von Matthew Bellamy, Christopher Wolstenholme und Dominic Howard in all seinen Facetten zu beschreiben oder zu erklären ist angesichts der Komplexität und der weitgefassten Themen der Songs kein Ding der Unmöglichkeit, würde aber den Rahmen einer üblichen Kritik schlicht und einfach sprengen. Als Beispiel brauchen nur vereinzelt Stücke der bisherigen drei Alben „Showbiz“, „Origin of symmetry“ und „Absolution“ angegeben werden mit der Bitte sie kurz anzuspielen. Wer nach solch einer Kostprobe des Muse´schen Irren durch Klassik, Prog-Rock und Elektro-Hysterie noch nicht erschlagen wurde, den streckt spätestens Bellamys Falsettgesang nieder. Es soll aber auch vorkommen, dass der komplexe Klangkorpus, dem sich der Dreier immer stärker bedient, auf uneingeschränkte Zustimmung stößt und fassungslose Gesichter im positivem Sinne zurücklässt. Die Dynamikwechsel in „Citizen erased“, das wehmütige Säuseln in „Falling down“ oder die überzogene Theatralik in „Blackout“ sorgen dann bereits während der Tracks für gespitzte Ohren und gottgleiche Verehrung.

Solche ganz und gar nicht mehr spärlich gesäten Einzelfälle (das letzte Werk setzte rund 2 Millionen Einheiten ab) sollen nun im vierten Output „Black holes and revelations“ durch den entscheidenden Schritt nach vorne in ihrem Vorhaben bestärkt und ermutigt werden, weitere Anhänger zu rekrutieren. „Die vorangegangenen Alben wurden aus Notwendigkeit geboren. Eilig zusammengespielt angesichts der nächsten Dates, die auf die Band warteten, und zurechtgestutzt in der Perspektive, dass die Songs auch live schnell umgesetzt werden mussten. Dieses Mal gab es keine Beschränkungen. Keine anstehende Tour, keine zeitlichen Beschränkungen im Studio - endlich gab es auch mal Zeit und Ruhe, die Möglichkeiten eines Studios zu entdecken.“ schmeichelt der Pressetext über die vorliegenden „Schwarzen Löcher“, während sich der Opener „Take a bow“ allzu bekannten elektronischen Effekten aus dem restlichen Schaffen bedient und Synthie-Klaviaturläufe ein weiteres Mal zum Einsatz kommen. Kurz bevor Vermutungen über den schlechtesten Start in ein Muse-Album angestellt werden können, kratzt der Song mit einem geradezu technoiden Bass die Kurve, nur um eine halbe Minute später die Zerhackstückelung eines Bellamy-Vokal-Samples zu rechtfertigen.

Mit bedrohlicher Grundstimmung wankt „Starlight“ ins Gehör und gebärdet sich in weiterer Folge überzeugender als der Vorgänger, wirklich umwerfend ist das Stück aber trotzdem nicht. Danach die erste Single „Supermassive black hole“, der, ist er nun bei Prince oder bei „Do somethin´“ von Britney Spears angelehnt, eine Faszination ausstrahlt, die man an Muse kennt und liebt. Dasselbe Spiel bietet sich bei „Map of the problematique“, das sich anfänglich einfacher präsentiert als es im Endeffekt durch die hakenschlagende Inszenierung ist. „Soldier´s poem“ bemüht sich vergebens im Anschluss ein zähflüssiger „Unintended“ (von „Showbiz“) Klon zu werden und das träge „Invincible“ hat abgesehen vom aufbegehrenden Schluss praktisch gar nichts zu bieten, was nur annähernd einer Muse-Platte würdig wäre. Umso besser, dass „Assassin“ das Tempo wieder aufnimmt und Parallelen zu „Stockholm Syndrome“ aufreißt, obwohl der Song dann doch eine Spur zu hektisch ausfällt.

Ein regelrecht handzahmer Song ist „Exo-Politics“, der zwar eine nette Melodie mit sich bringt, diese aber zu schwachbrüstig in Szene setzt und ausbaut. Bei den nächsten zwei Songs hagelt es Einflüsse diversester Kulturen, die sich in „City of delusion“ durch verwendete Mariachi-Trompeten und durchscheinenden arabischen Flair bemerkbar machen und in „Hoodoo“ zu Beginn der amerikanischen Westernmusik angehören. Ein Stück im schlichten aber durchaus progressiven Stil beschließt „Black holes and revelations“, wenn die „Knights of Cydonia“ mit der längsten Laufzeit von 6 Minuten durch die Boxen reiten, einen mitreißenden Aufbau bewerkstelligen und letztendlich doch die Vorfreude auf ein Konzert der anstehenden Tour schüren.

Die Jungs von Muse machen es sich wahrlich nicht leicht, dabei wäre die wohl dosierte Einfachheit genau richtig um den Soundkosmos der Briten perfekt aufzuschlüsseln, anstatt sich an hoffnungslosen Übereinanderschichtungen zu vergehen, die, wie im Falle des neuesten Opus, für mehr Ratlosigkeit sorgt als dem Dreier wohl selber lieb ist. Da zauberten die Herren mit „Showbiz“ wunderbare Harmonien und Melodien aus dem Ärmel, verfielen auf „Origin of symmetry“ in Ekstase und verbanden diese beiden Merkmale trotz kleinerer Ausrutscher auf „Absolution“, doch „Black holes and revelations“ fehlt an vielen Ecken und Enden Herz (die elegischen Anwandlungen Bellamys oder die dazugehörige Melodie-Abteilung lassen stellenweise schwer zu wünschen übrig) und Hirn (selten gab es so wenige gelungene Kompositionen auf einem Muse-Werk). Beim nächsten Album sollten sich Muse dann wieder mehr auf ihre Arbeit, denn auf „schwarze Löcher und Enthüllungen“ spezialisieren. Das andere können sie nämlich wesentlich besser.

Anspieltipps:

  • City Of Delusion
  • Knights Of Cydonia
  • Supermassive Black Hole
  • Map Of The Problematique
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