Willie Nelson - Countryman - Cover
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Willie Nelson Countryman


  • Label: Lost Highway/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 36 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mein Gott, Willie! Wie konntest du dir und deinem Publikum das nur antun? Hattest du es als Country-Legende wirklich nötig, zusammen mit dem debilen Blondchen Jessica Simpson eine grottenschlechte Version von „These boots are made for walking“ für den „Dukes Of Hazzard”-Soundtrack aufzunehmen? Hast du keinen Berater oder Manager, der dir sagen konnte, dass hier lupenreiner Schrott produziert wurde? Und findest du den dazugehörigen Videoclip nicht auch merkwürdig, wo eine als prüde bekannte Jessica Simpson mit kaum etwas an durchs Bild tänzelt? Mein lieber Willie, da ist etwas faul im Staate Dänemark! Denn jetzt kommst du auch noch mit einem zehn Jahre altem Album an, auf dem du Country und Reggae in einen Topf schmeißt.

„Countryman“, so der Titel, basiert auf einer Idee aus dem Jahr 1995, als Top-Produzent Don Was (Rolling Stones, Iggy Pop, Hootie & The Blowfish, The Black Crowes) den Vorschlag eines von Reggae Music durchtränkten Country-Albums machte. Willie Nelson und Island-Records-Chef Chris Blackwell fanden die Idee toll, doch aufgrund anderer Projekte und chaotischer Umstrukturierungen um das Island-Label wurden die Aufnahmen immer wieder verschoben und verschwanden nach ein paar Sessions zwischen 1995 und 1997 schließlich in der Schublade.

Nach seinem Wechsel zum Lost-Highway-Label im Jahr 2001 kehrte die längst vergessene Reggae-Platte wieder zurück auf den Plan von Willie Nelson. Zusammen mit Richard Feldman (No Doubt, Belinda Carlisle, Joe Bonamassa) wurden die alten Tracks entstaubt und 2004 auf Jamaika mit ein paar zusätzlichen Nummern zu einem Album kompiliert. Darauf verneigt sich Nelson vor dem Off-Beat-Sound Jamaikas und tritt eine ungewöhnliche Reise in das Land des Dub-Sound und der Dreadlocks an. Er schnappte sich dazu ein paar Klassiker des Reggae, wie Jimmy Cliffs „The harder they come“ und „Sitting here in Limbo“, sowie ein paar seiner eigenen Stücke, denen er einen sanften Country-Einschlag verpasste, in dem er neben Akustik- und Steel-Gitarren die Schlagzeug- und Bassparts in der Vordergrund stellte.

Das klingt in der Tat ganz nett, wenn Nelson sich z.B. zusammen mit Reggae-Legende Toots Hibbert einen Johnny-Cash-Klassiker wie „I’m a worried man“ vornimmt und die Grenzen zwischen Reggae und Country gänzlich verwischt oder wenn er sich durch einen Track wie „How long is forever“ croont. In Albumlänge klingt das Ganze aber zu harmlos, als dass man von einer besonderen Magie sprechen könne, die die als verloren geglaubten Aufnahmen umgeben würde. „Countryman“ ist ein nettes, kleines Spaß-Projekt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Anspieltipps:

  • Undo the right
  • The harder they come
  • I’ve just destroyed the world
  • Do you mind too much if I don’t understand
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