Huah! - Was Machen Huah Jetzt - Cover
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Huah! Was Machen Huah Jetzt


  • Label: L'Age d'Or/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 61 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Rahmen der LADO Classix-Reihe erfahren wichtige Werke der vielseitigen deutschsprachigen Musik aus den frühen Neunzigern (als ’Hamburger Schule’ durch Bands wie Tocotronic, den Sternen und Blumfeld bekannt geworden) eine Wiederveröffentlichung. So auch die vorliegende und 1990 im Original erschienende Huah! LP „Was machen Huah! Jetzt?“. Dass nach zwei LPs schon die Trennung folgte, ändert nichts an der Relevanz der Musik, die von Knarf Rellöm, Hauke Evers, Claudia Bollig, Nixe und Bernadette Hengst unter dem Namen Huah! erschaffen wurde.

Mit betontem Bass-Sound, Bläsern und luftigen Arrangements ertönt das augenzwinkernd flehende „Ich möchte ein Mädchen kennen lernen“, welches vom swingenden Lady-Chor im Refrain in die dritte Person singular umgeformt wird und so netter Zwiegesang zum Tragen kommt. Leicht rumpelnd und mit „Sieh nach vorn“-Gesängen erzählt „Wie funktioniert das?“ vom Deutschlandquatsch und präsentiert am Ende gar ein mundgepfiffendes Solo. Mädchennamen in Rocksongs machen sich immer gut, das beweist auch „Angela“ wieder einmal. Nicht ohne mit Eselsohren versehende Bravo-Lovestories im Hinterkopf zu haben, hört man vom Ende der vermeintlich ersten richtigen Liebe.

„Die 10-Uhr-Show“ rockt sich mit Hilfe von Handclaps durch die Mentalität von zweifelhaften TV-Sendungen und hat einen zauberhaft präsenten Bass an Bord, der nur am Ende vom röhrenden Gitarrensolo übertönt wird. Seelenvoll wird „Gib mir meinen Mann zurück“ intoniert, der sich durch Bluesrock und Country kämpft, ohne den Swing draußen zu lassen. Kraftwerks „Autobahn“ wird in der Coverversion von Huah! neu geteert, um sie bei der gebotenen Möglichkeit mit räudigen Riffs und intensivem Schlagzeuggebrauch zu versehen. Die drei Songs der ersten Single von 1987 leiten das Bonusmaterial ein, wobei der Titelsong „Warum ich und mein Mädchen so gern katholisch wären“ sich schon lustvoll lesen lässt. Anhören sollte man ihn bei dieser Gelegenheit allerdings auch, verpasst man doch sonst rasanten Rock, der sich für zackige Breaks nicht zu schade ist und punkig ins Ziel hetzt. „35 Stunden“ vom 1989 veröffentlichten Lado-Sampler „Dies ist Hamburg (nicht Boston)“ glänzt mit Zutaten aus der elegant tanzbaren Rockabilly-Schule, während „Mein Platz“ von einer 91´er Splitsingle, besonders durch die stimmliche Präsenz der wunderbaren Bernadette Hengst verfeinert, von dem Buhlen um die Gunst eines jungen Mannes erzählt.

Nicht nur für Musikhistoriker wertvoll ist diese Wiederveröffentlichung, denn in dem umtriebigen Umfeld der sog. Hamburger Schule entstanden so essentielle Tonträger wie das vorliegende erste Album von Huah! Es sind die Zutaten aus Punk, Soul und Rockmusik sowie die spritzigen Texte, die diesem charmant rohen Werk das lächelnde Gesicht geben.

Anspieltipps:

  • Wie funktioniert das?
  • Die 10-Uhr-Show
  • Mein Platz
  • Was soll ich mit der Welt, wenn ich Dich nicht hab?
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