Blind Guardian - A Twist In The Myth - Cover
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Blind Guardian A Twist In The Myth


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Kürsch, Olbrich, Siepen und der neu eingesetzte Ehmke machen ihre Sache ausgesprochen gut.

22 Jahre sind vergangen, seitdem sich eine Hälfte der Band, die sich heute Blind Guardian nennt, gefunden und zusammengeschlossen hat. Hansi Kürsch (Gesang) und André Olbrich (Gitarre) nannten sich anfänglich zwar Lucifer´s Heritage, als dann gemeinsam mit Thomas Stauch (Schlagzeug) und Marcus Siepen (Gitarre) ein endgültiges Line-Up feststand, hielt man es allerdings für notwendig einen Namenswechsel zu vollziehen. Acht Studioalben später (das letzte „A night at the opera“ liegt bereits vier Jahre zurück) gibt es in Form von „A twist in the myth“ nun neues Futter für alle Hobbits, Fantasyfanatiker und solche, die der Musik von Blind Guardian verfallen sind. Die Stelle hinter dem Drumkit wurde in der Zwischenzeit von Frederik Ehmke besetzt, der für den ausgestiegenen Stauch einspringt, da dieser sich mit seinem neuen Projekten Savage Circus, mit dem an die Zeiten von „Follow the blind“ oder „Tales from the twilight world“ angeschlossen werden soll, und Coldseed Sporen im Musikgeschäft verdienen will. Ansonsten halfen ein weiteres Mal Michael Schüren an den Keyboards und Oliver Holzwarth am Bass aus, produziert hat das Ganze Charlie Bauernfeind (Hammerfall, Primal Fear, Rage).

Vorweg muss erwähnt werden, dass die Entwicklung zu einem druckvolleren und kompakteren Klang und weniger orchestralen Elementen auf „A twist in the myth“ ihre Fortsetzung findet, auch wenn vereinzelt Chöre und schlachtrufähnliche Refrains auftauchen. In diesem Sinne brettert der Opener „This will never end“ getrieben durch scharfe Riffs und treibendes Drumming durchs Unterholz und offenbart einen kurz gehaltenen, wiederkehrenden Teil, in dem hymnenhafter Gesang in den Vordergrund tritt. Eine Verschnaufpause wird zu Beginn von „Otherland“ gewährt, der außerdem den stimmigen Chorus des Songs aufgreift, der sich in weiterer Folge an die Geschwindigkeit des Tracks anpasst und zu einem furiosen Finale führt. Ein wenig mittelalterlich wird es in „Turn the page“, Gefangene macht der Track ebenfalls keine, obwohl das Tempo im Vergleich zu den beiden Vorgängern ein wenig gedrosselt wurde. Im Anschluss erklingt das bereits unter Fans der Wächter viel diskutierte „Fly“, das zwar sehr untypische Facetten aufwirft, zum Headbangen aber vorzüglich geeignet ist.

Das vorerst wohl interessanteste Stück für Freunde des alten Sounds ist wohl „Carry the blessed home“, das vermehrt auf musicalähnliche Klänge setzt und vor allem im Refrain Parallelen zu „Les Misérables“ aufwirft. Das kraftvolle „Another stranger me“ überzeugt durch ein Wechselbad aus ruhigen und aufbegehrenden Passagen, das in das leicht über dem Durchschnitt angesiedelte „Straight through the mirror“ und das kompromisslose „Lionheart“ mündet, bevor mit „Skalds & shadows“ in bester Spielleute-Manier der Ruhepol von „A twist in the myth“ ausgemacht wird. Im Gegensatz dazu wird in „The edge“ die Double-Bassdrum in all ihren drückenden und peitschenden Spielweisen zum Einsatz gebracht, sodass angenommen werden kann, dass dieser Track live nichts anderes als eine Wucht ist. „The new order“ verhält sich ruhig und gemäßigt, bricht nie wirklich aus sich heraus und hätte ein wenig mehr Pep vertragen, weiß als Rausschmeißer dann doch einigermaßen zu befriedigen.

Nun, was bleibt zu „A twist in the myth“ zu sagen? Kürsch, Olbrich, Siepen und der neu eingesetzte Ehmke machen ihre Sache ausgesprochen gut, verstricken sich an einigen Stellen allerdings in überambitionierte Spielweisen und Übereinanderschichtungen von Tonspuren, sodass das Hörenswerte erst herausgefiltert werden muss. Abgesehen davon ist die Weiterentwicklung von einer Metal Band mit klassischen Elementen zu einer Metal Band mit melodisch durchsetzter Harmonie ausgesprochen gut gelungen, wird bei den alten Anhängern aber mit ziemlicher Sicherheit auf Dissonanz stoßen. Für diese Fraktion bleibt wohl nichts anderes über, als sich Thomas Stauch und seinem Savage Circus zuzuwenden, der weiterführt, wovon sich Blind Guardian langsam aber sicher abgewendet haben.

Anspieltipps:

  • The Edge
  • Otherland
  • Skalds & Shadows
  • Carry The Blessed Home
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