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  • Label: Noise/SOULFOOD
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mittlerweile ist die niederländische Formation um Anneke van Giersbergen (Gesang), René Rutten (Gitarre), seinen Bruder Hans (Schlagzeug), Marjolein Kooijman (Bass) sowie Keyboarder Frank Boeijen bei ihrem neunten Album angekommen. Die Anfänge gehen bis ins Jahr 1989 zurück und fanden nach dunklen Doom/Gothic-Werken mit der Hinzunahme der ausgebildeten Jazz- und Klassik-Sängerin Anneke zu gemäßigter metallischer Härte, die durch ihren lieblichen Gesang versüßt wurde. „Mandylion“ (1995) und „Nighttime Birds (1997) sind bis heute Klassiker des Gothic-Metal.

Doch das sich The Gathering nicht stilistisch und szenemäßig festlegen wollten, bewiesen sie mit dem komplexen, von Trip Hop durchzogenen „How To Measure A Planet“ (1998) und allen weiteren Alben. Atmosphärischer Rock mit einer emotionalen Komponente und elektronischen Klangexperimenten brachte den Niederländern vor allem außerhalb der Metal-Szene großen Respekt ein. Die mittlerweile konstant weiter verfolgte Richtung lässt sich nur noch grob einordnen und sollte ganz simpel mit „seelenvoller Musik ohne Dogmen“ beschrieben werden.

Und hier ist es nun also vollbracht: „Home“ steht zum Kauf und Genuss bereit. Nach einer kurzen Pause, in der sich die Mitglieder dem Privatleben und Nebenprojekten widmeten, staunt man nicht schlecht. Fragmentarisch angelegte Songs gestalten es schwierig, Anknüpfpunkte zu finden, die einen sofort fesseln und in den Bann ziehen. Sollte man nach ausschließlich hochkarätigen Alben vielleicht doch enttäuscht werden? In der Gewissheit, dass das Feuer der Leidenschaft beim Hören noch aufflackern wird, dreht sich der Longplayer geduldig und spätestens nach vier bis fünf Durchgängen wird man die Frage mit einem beherzten „nein“ beantworten können.

Spärlich angesiedelte Details offenbaren sich deutlicher, entfalten Glücksgefühle und bestätigen Anneke als emotional betörende Vokalistin. Mit psychedelischen Effekten versehen sind es zarte und doch markante Gitarrenläufe, die sich an zurückhaltende Drums schmiegen und im Opener „Shortest Day“ eine perfekte Einleitung finden, wie es der durchdachten Dramaturgie dieser Scheibe gebührt. Jeder Song entwickelt sich aus der Fragilität heraus zu einem Lebensretter, welcher mal verstört und im nächsten Moment das Licht am Ende des Tunnels heller denn je erscheinen lässt.

Obwohl es sich um minimalistische Arrangements handelt, laden einen immer wieder Entdeckungsreisen ein, welche man mit voranschreitender Spielzeit nicht mehr ausschlagen möchte. Lässt man sich fallen, ist die Schönheit greifbar. Egal ob „Alone“ als hypnotisierende Wohltat mit elektronischen Ausflügen und dem Mut, durch Disharmonien anzuecken oder das schwebende, mit bezaubernden Keyboardmelodien ausgestattete „Forgotten“ – The Gathering machen das Kunststück wahr, erneut ein hochklassiges, eindringliches Album abzuliefern, an dem man nur schwer vorbeikommt.

Anspieltipps:

  • Shortest Day
  • Waking Hour
  • Forgotten
  • Your Troubles Are Over
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