Queensryche - Operation Mindcrime II - Cover
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Queensryche Operation Mindcrime II


  • Label: Rhino/WEA
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Klassiker-Revival die Zweite: nach Helloween versuchen nun auch Queensryche an ihr opus magnum anzuknüpfen. Dass dies gelingen kann, zeigten die Kürbisköpfe ja auf eindrucksvolle Art und Weise. „Operation: Mindcrime“ ist für sich genommen natürlich noch ein paar Nummern größer als die beiden originalen Keeper-Scheiben zusammen, gilt das Werk doch völlig zu Recht als eines der besten Konzeptalben aller Zeiten, welches Lyrik und Musik in nie da gewesener Perfektion miteinander verbindet.

Diesem Meisterstück eine würdige Fortsetzung zu geben ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Und deswegen versuchten es die Mannen um Geoff Tate auch gar nicht erst. Selbst wenn sich ein paar subtile Reminiszenzen (etwa der Anfang von „The Hands“) eingeschlichen haben, klingt das Album doch völlig anders, eigenständiger, als man das erwartet hätte. Wäre man böswillig, könnte man fast unterstellen, der Stil sei bewusst so gewählt wurden, um direkten Vergleichen mit dem Vorgänger aus dem Weg zu gehen. Aber dieser Vergleich ist unausweichlich. Schließlich steht „Operation: mindcrime“ auf dem selbstbewusst gestalteten Cover. Und wo „Operation: mindcrime“ drauf steht, muss auch „Operation: Mindcrime“ drin sein. Die Story knüpft natürlich unmittelbar an Teil 1 an. Unser lieb gewonnener Antiheld Nikki wird aus dem Gefängnis entlassen und begibt sich auf die Suche nach Erklärungen für sein verkorkstes Leben. Die Geschichte ist einmal mehr mit Anspielungen auf den politischen Zeitgeist versehen. Wie im Veröffentlichungszeitraum des ersten Teiles heißt der Präsident George Bush, welcher sich wie sein Vater mit gewaltigen außen –und innenpolitischen Problemen konfrontiert sieht. In diesem Klima sinnt Nikki auf Rache an den Mördern seiner Geliebten, was zwangsläufig auf die Konfrontation mit dem geheimnisvollen Dr. X hinauslaufen muss…

Jener Dr. X wird anders als beim Vorgänger von niemand geringerem als Ronnie James Dio verkörpert, der seine Aufgabe mit Bravour meistert. Selbiges gilt auch für den restlichen Stab. Geoff Tate, der sich in ausgezeichneter Verfassung präsentiert, gebührt ebenso Hochachtung wie Pamela Moore, die abermals in die Rolle der Schwester Mary schlüpft. Nur die Produzenten haben bei der Aufnahme wohl gerade einen schlechten Tag erwischt, denn der etwas dünne Sound klingt nicht unbedingt so, wie man das von einer Band dieses Kalibers erwartet. Vom im Vorfeld prophezeiten Garagensound ist die Klangqualität aber Gott sei Dank weit entfernt.

Wie oben angedeutet schlägt „Mindcrime II“ einen gänzlich anderen Weg ein, ohne jedoch ähnlich ziellos umherzuirren wie seine Hauptfigur. Trotz seiner unkritisierbaren Klasse hatte man beim Vorgänger stets den Eindruck, dass die Musik den Anforderungen eines Konzeptalbums etwas zuwiderläuft, da fast alle Lieder lupenreine Instant-Hit-Qualitäten aufwiesen, was für ein durchgängiges Konzeptalbum relativ untypisch ist, vor Allem wenn es dem progressiven Sektor zuzurechnen ist. Andererseits ist natürlich genau das einer dieser Faktoren, die „Mindcrime I“ zu etwas ganz besonderem machen. Dennoch: in Sachen Konzeptionalität hat Teil 2 so gar die Nase vorn, was sich schon an der einfachen Tatsache festmachen lässt, dass man die CD nach den ersten Hördurchgängen am liebsten postwendend zurückschicken will, da man groovende Gitarrenriffs ebenso vermisst wie die den ersten Teil auszeichnende Eingängigkeit. In Einzelteile zerlegt funktioniert Teil 2, anders als Teil 1, eben überhaupt nicht.

Folglich erschließt man sich den zweiten Teil der Operation getreu dem Motto „Gut Ding will Weile haben“ erst nach und nach. Man kennt das ja: Hördurchgang folgt auf Hördurchgang, in der Hoffnung, das Album möge noch zulegen. Und zack, auf einmal macht es klick. Ja, „Operation: Mindcrime II“ ist ein typisches Klick-Album. Sobald der Groschen gefallen ist, ist man vor Ehrfurcht ganz benommen. Die Kirche bleibt dennoch im Dorf. Auch wenn all die vielen Spielereien, die wohl dosierten Orchestereinsprengsel und herausragenden Sangesdarbietungen eine tiefgehende, intensive Atmosphäre erzeugen und auch wenn Queensryche mit diesem modernen, frischen Werk eine Art Wiedergeburt gelungen ist, so verliert es im unverzichtbaren Vergleich mit dem Vorgänger doch deutlich.

Fakt ist letztendlich, dass die Band dieses Album dringender gebraucht hat, als ihre Fans. Es bleibt also zu hoffen, dass „Operation: Mindcrime II“ mehr ist als das letzte Aufbäumen vor den Absturz in die totale Vergessenheit und dass die Band ihre neu entdeckten Fähigkeiten auf zukünftige Werke übertragen kann. Das Potenzial ist zweifelsfrei vorhanden.

Anspieltipps:

  • The hands
  • Signs say go
  • Re-arrange you
  • One foot in hell
  • If I could change it all
  • An intentional confrontation

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