Joyce Hotel - Joyce Hotel - Cover
Große Ansicht

Joyce Hotel Joyce Hotel


  • Label: Make My Day/ALIVE
  • Laufzeit: 58 Minuten
Artikel teilen:
10/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Warum Dänemark mit überaus talentierten Bands wie Kashmir, Saybia oder Tiger Tunes beim allgegenwärtigen Skandinavien-Hype irgendwie zu kurz kommt, ist eines der ungelösten Rätsel des Music Biz. Immer nur Schweden und Norwegen wird doch irgendwann langweilig. Ein Quartett aus Kopenhagen startet nun einen neuen Anlauf, um die Vormacht von Mando Diao, The Hives, Turbonegro und wie sie alles heißen, zu brechen.

Die Band heißt Joyce Hotel, bestehend aus drei alten Freunden (Sänger Kristian Funder, Bassist Jacob Clemmensen und Gitarrist Bo Karlsson), die sich verstärkt um Schlagzeuger Lars Wraa vor ungefähr fünf Jahren zusammengetan hat. Sie erarbeitete sich einen sehr guten Ruf im dänischen Rock-Untergrund und spielte nun ihr erstes Album ein. Zusammen mit Produzent Claus Bergman entstand dabei nicht mehr und nicht weniger als ein süchtig machendes Meisterwerk progressiver Rockmusik, das sich hinter den Großtaten von Radiohead nicht zu verstecken braucht!

Damit ist auch schon die einzig wahre Hausnummer genannt, mit der sich Joyce Hotel vergleichen lässt. Denn wer sich für Werke wie „OK Computer“, „Kid A“ und „Hail To The Thief“ begeistern kann, der wird auch das selbstbetitelte Debüt der vier Dänen lieben! Mit scheinbar einfachen Mitteln erzeugen Joyce Hotel eine unglaublich dichte Stimmung, die sich frei von Zwängen in bittere Moll-Töne ergießt. Der Spannungsbogen funktioniert dabei von der ersten bis zur letzten Minute, was an der Kombination von rockigen Gitarrenwänden („Sisher“), tanzbaren Uptempotracks („Wpapa“) und bittersüßen Pianosongs („Out only“) liegt.

„Rid (Multitasking)” ist ein wunderschöner Zeitlupensong, der nur von der Stimme Kristian Funders und seinem Pianospiel lebt. Das ist Gänsehaut pur! „European Amphetamine“ schleicht sich mit trockenen Bass-Grooves und schepperndem Schlagzeug an den Hörer heran, während Kristian Funder gleich für zwei leidet. „Blood monsters“ kommt mit bedrohlichen Orgelklängen daher, über die sich eine langsam aber sicher eine Wall of Sound aus Gitarre und Bass legt und „Ships“ ist ein pumpender Schrammelsong mit dunklen Stimmen – quasi The Pixies im Avantgardekostüm. Hier passt wirklich alles zusammen. Joyce Hotel verlieren zu keiner Zeit den roten Faden und steigern die Stimmung bis zum großen Finale, das den Hörer mit der gruseligen Mörderballade „Take me home and kill me“ aus der Umklammerung dieses wahrlich herausragenden Albums entlässt.

Anspieltipps:

  • Rid
  • Sisher
  • Blood monsters
  • European Amphetamine
  • Take me home and kill me
Neue Kritiken im Genre „Art-Rock“
7.5/10

Is This The Life We Really Want?
  • 2017    
Diskutiere über „Joyce Hotel“
comments powered by Disqus