The Pineapple Thief - 10 Stories Down - Cover
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The Pineapple Thief 10 Stories Down


  • Label: Cyclops Records
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Selbstmord ist ein stets vorhandener Notausgang“ schrieb Hermann Hesse einst im „Steppenwolf“. Im Falle des neuen Albums von „Pineapple Thief“ befindet sich dieser Notausgang im 10. Stock eines anonymen Wohnhauses in einer anonymen Stadt. Einmal gesprungen zieht es den Todessüchtigen unerbittlich nach unten. Vorbei an der grauen Fassade rauscht er dem asphaltierten Boden entgegen, wo es ihn unweigerlich zerschmettern wird. Bis zu diesem unschönen Ende eines lebensunwerten Lebens zieht die Welt in rasender Geschwindigkeit vorbei. In wenigen Sekunden ist es vorbei. Das subjektive Zeitempfinden indes dürfte allerdings weit länger sein. Wenn man sich seines bisherigen Lebens erinnert und die Stationen seiner Existenz vorbeiziehen sieht, trennen sich Wirklichkeit und Wahrnehmung in parallele Welten. In den wenigen Sekunden seiner verbleibenden Zeit auf Erden fühlt man sich befreit. Die tonnenschwere Seelenlast ist im freien Fall längst unten angekommen. Ein Gefühl, als schwebe man in einer Blase sanft Richtung Himmel. Der depressive Nebel lichtet sich und für einen kurzen Moment umfängt einen Glückseligkeit, bis man in die Ewigkeit Einzug erhält.

Die Welt von Pineapple Thief lässt wenig Platz für Hoffnung. In ihrem psychedelischem Meisterwerk „Variations on a dream“ gaben sie sich hemmungslosen Träumereien hin um den Ausbruch aus der tristen Wirklichkeit zu schaffen. Die Träume gingen nicht in Erfüllung. Auch auf „10 stories down“ genügen wieder wenig Worte um den Zustand gebrochener Seelen auf den Weg zur Erlösung zu beschreiben. Worte sind ohnehin unangebracht. Worte sind ineffizient wenn es um den Ausdruck von Gefühlen geht. Man ringt um sie und sagt am Ende doch das falsche. Pineapple Thief sagen das, was sie zu sagen haben, vorrangig mit Musik. Jene kommt zu Beginn einer kleinen Enttäuschung gleich. Die faszinierenden Klänge von „Variations on a dream“ noch im Hinterkopf, klingt das Ganze zunächst doch recht beliebig.

Der Stil, der sich unverkennbar wegentwickelte von den Wurzeln im Prog-Genre (wobei hier zu allererst Porcupine Tree zu nennen wären – zumal die Namensähnlichkeit nicht von Ungefähr kommt) hin zu New-Artrock mit Brit-Rock-Anleihen von Coldplay bis Radiohead, dürfte eine breitere Käuferschicht ansprechen. Pineapple Thief blasen Trübsal. Und das findet seinen Ausdruck in der Musik. Wer das falsch versteht, könnte jetzt denken, das Album sei unglaublich öde. Viel mehr ist es aber der Fall, dass hier eine adäquate Vertonung todtrauriger Stimmungen gelungen ist. Das Album weist eine große Nachhaltigkeit auf und ist damit der richtige Soundtrack für die dunklen Zeiten des Lebens. Bedauerlicherweise kommen die Melodien im Vergleich zu „Variations on a dream“ zu kurz. Da können auch sanfte Violinenklänge (wie zum Beispiel „The world I always dreamed of“) oder Auflockerungen im Soundgewand in Form härterer Gitarrenriffs (etwa „Wretched soul“) wenig dran ändern. Alles in Allem bleibt ein für Freunde dieses Stils bemerkenswertes Album, welches seinem Vorgänger aber nicht das Wasser reichen kann.

„10 stories down“ erschien auch als Fanclub-Fassung mit zwei zusätzlichen Liedern. Außerdem ist die Single-Variante namens „4 stories down“ erhältlich. Jedoch leider nicht hierzulande. Wie schon bei „Variations on a dream“ muss man wohl oder übel zur teueren UK-Import-Version greifen.

Anspieltipps:

  • Clapham
  • Prey for me
  • Light up your eyes
  • It’s just you and me
  • The world I always dreamed of
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