Hard-Fi - Stars Of CCTV - Cover
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Hard-Fi Stars Of CCTV


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Ding mit den Hypes ist immer eine lustige Sache. Aber nicht unter den Bands, sondern unter den Medien! Jedes Medium möchte am liebsten seine eigene Hype-Band haben, nur um hinterher als großer Held dazustehen. Für den derzeitigen Hype, für den man schon keinen Namen mehr finden möchte, durften sich die Schnellsten wieder die Leckerbissen aussuchen. Ziemlich hinten in der Reihe stand der Spiegel, der leider nur noch Hard-Fi abbekommen hat und diese in seiner Online-Ausgabe mächtig abfeiert. „Eine der besten Singles des Jahres“ wird dort der Song „Hard to beat“ beschrieben. Immerhin machen sie nicht den Fehler und vergleichen Hard-Fi-Sänger Richard Archer mit Mike Skinner von The Streets! Doch ist diese Band wirklich ihren Ruf wert? Die Antwort ist anscheinend ‚Ja’ und auch gar nicht so unglaubwürdig. Zwar ist Archer niemals der musikalische Bruder von Skinner, doch die Debüt-CD „Stars Of CCTV“ gibt wesentlich mehr her als nur heiße Luft, auch wenn sie leider nicht so oft zündet, wie sie gerne würde.

Die aus Staines stammende UK-Band präsentiert sich in einem sehr ungewöhnlich klingenden Mix aus Rock, Pop, House, Dub und HipHop, der leider erst aufgeht, wenn sich die Band ganz dem Pop verschreibt. Die Pianoballade „Move on now“ bietet mit seinem inflationären Gebrauch von „Babe, babe“ und der unregelmäßigen Bassdrum am Ende des Stückes zwar keine Gänsehaut, leitet aber die zweite Hälfte des Albums ein, die durch und durch hörbar ist. Im ersten Teil musste man sich durch Sprechgesang („Cash maschine“), dem Dub-ähnlichen „Middle eastern holiday“ und dem Disco-Hit „Hard to beat“ arbeiten, um mit „Better do better“ die Belohnung zu bekommen. Ein nettes kleines Gitarrenriff am Anfang, Bläsern in der Bridge und mit dem vollen Einsatz von Ross Philips (Gitarre), Kai Stephens (Bass) und Steve Kemp (Drums) im Refrain singt Archers von einem Mädchen, wegen dem er ziemlich leiden musste. In „Living for the weekend“ wird von dem harten Arbeiten in der Woche erzählt. Erst am Wochenende könne man zum Leben kommen. Archers kommt zu der ernüchternden Aussage „I’ve been working all week for what? Just living für the weekend“.

Dass Staines genauso ein Arbeiter-Ghetto wie beispielsweise Berlin ist, wissen wir durch den UK-Komiker Ali G. Hard-Fi finden sich also in einem ähnlichen Pseudo-Gelaber wie Sido wieder. Die Musik von „Living fort he weekend“ unterstützt dies: Auch wenn hier der Mix aus Disco und Rock mit leichten House-Einflüssen wesentlich besser funktioniert als auf anderen Songs der Band, klingt es dennoch nicht so, als sei die Band wegen ihrer Situation wirklich frustriert. „Living for the weekend“ ist allerdings kein einmaliger Versuch politische Texte zu verfassen, auch der Rest des Albums ist in höchstem Maße politisch korrekt und Archers kritisiert die steigende Überwachung („Stars of CCTV“) und den Krieg („Middle eastern holiday“). Dass dem Sänger leider die nötige Rhetorik zum Herstellen von guten Texten fehlt, ist sehr bedauernswert, weil auch die Lyrics mit den interessantesten Inhalten nur sehr schwach rüberkommen, wenn es nur desire-fire-Reime gibt.

Die eigentliche Hymne des Albums ist der titelgebende Song „Stars of CCTV“, eine schöne kleine Akustiknummer mit E-Gitarre im Hintergrund und einer guten Hookline, die sich schnell zum Ohrwurm entwickelt und damit beweist, dass die Band großartig wäre, würde sie sich nicht in diesen Stilmixen aus der ersten Hälfte des Albums verirren, sondern einfach ihren Popsongs vertrauen!

Anspieltipps:

  • Better do better
  • Stars of CCTV
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