Mike Oldfield - Light + Shade - Cover
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Mike Oldfield Light + Shade


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 82 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Light-Techno und Trance-Tracks. Das ist der neue Mike Oldfield.

Mike Oldfield ist vor allem für ein Album berühmt: „Tubular Bells” aus dem Jahr 1973. Es ist ein imposantes Meisterwerk der frühen Elektromusik, bestehend aus über 2.300 Overdubs, die auf geniale Art zu sphärischen Instrumental-Klangwolken zusammengebastelt wurden. Mike Oldfield ist allerdings auch dafür berühmt, dass der Erfolg eben jenes Albums in einer geradezu lächerliche und noch nie da gewesenen Form ausgeschlachtet wurde.

Im Verlauf von Oldfields Karriere erschienen die Röhrenglocken in folgenden Variationen und Fortsetzungen: „The Orchestral Tubular Bells“ (1975), „Tubular Bells II” (1992), „Tubular Bells III” (1998), „Tubular Bells - 25th Anniversary Edition” (1998), „Best Of Tubular Bells” (2001) und „Tubular Bells 2003” (2003). Und wer mag, kann auch noch „The Millennium Bell” (1999) dazuzählen.

Diese „Tubular Bells“-Flut war für den Ruf des Künstlers sicher nicht förderlich, auch wenn die Orchesterversion und „T.B. II“ ganz in Ordnung waren. Doch wer sich nicht gerade zu den treuen Fans des Engländers zählte, machte sich über die simple Vermarktungstechnik („nenn es ‚Tubular Bells’ – und es verkauft sich) lustig und schrieb den 52-Jährigen ab. Dabei waren zwischen den zahlreichen Veröffentlichungen der 80er und 90er Jahre immer wieder Perlen zu finden. „The Songs Of Distant Earth“ – die gleichnamige Umsetzung des Science-Fiction-Romans von Arthur C. Clarke – aus dem Jahr 1994 war zum Beispiel ein sehr gelungenes Album, auch wenn es von den Verkaufszahlen nicht an die Vorgänger herankam.

Kommerziell sehr erfolgreich, aber künstlerisch nicht so wertvoll, waren die 80er Jahre, in denen sich Mike Oldfield auf eingängige Popsongs wie „To France“, „Arrival“, „Moonlight shadow“ und „Shadow on the wall“ verlegte. Später kehrte er wieder zur Instrumentalmusik zurück, z.B. auf „Tres Lunas“ (2002), einem Album mit integriertem PC-Spiel. Drei Jahre danach kehrt Mike Oldfield auf neuem Label (Mercury/Universal) und mit einem Doppelalbum zurück. „Light + Shade“ soll „die beiden Seiten meiner musikalischen Persönlichkeit darstellen“, erklärt der Meister persönlich. Auf der „Light“-CD hat Mike Oldfield acht Tracks im Chill-Out-Sound eingespielt, während die „Shade“-CD acht Uptempo- und Trance-Titel versammelt.

Entstanden in Oldfields Heimstudio in Chalfont St. Giles in Buckinghamshire, basiert das Gerüst von „Light + Shade” auf am PC programmierten Sounds und Stimmen, denen im Nachhinein die markanten Gitarren- und Pianoklänge beigemischt wurden. Zudem betätigt sich Oldfield einmal mehr als Trendsetter, indem er die Software U-MYX, mit der man eigene Mixe der Songs erstellen kann, dem Album hinzufügte.

„Light“ spiegelt die ruhige Seite Oldfields wider. Sanfte Trance-Tracks („Angelique“, „First steps“, „Our father“) stehen neben puristischen Pianostücken („Blackbird“, „Rocky“) und erdigen Folk/Blues-Songs („Closer“). Das ist typisch für den Mike Oldfield der 90er Jahre, dagegen dürften die Fans nicht viel einzuwenden haben. Dabei sei es dem Künstler sogar gestattet, ab und an etwas über das Ziel seiner hohen Ambitionen hinauszuschießen – wie beim peinlichen Ethno-Gejodel in „The gate“, das eher zum Davonlaufen als zum Träumen animiert.

Auf „Shade“ taucht der Meister dann in die Welt des Light-Techno ein. Das spacige „Quicksilver“ vereint die bekannten Gitarrensounds mit stampfenden Beats und sphärischen Pianoparts, „Resolution“ pluckert und bollert ebenfalls. Dazu trällert eine etwas hysterische, weibliche Stimme. Das klingt in etwa so wie bei Michael Cretus Enigma-Projekt, das auch schon aufregendere Tage hinter sich hat. „Romance“ schockiert durch ein billiges Euro-Trash-Gerüst, über das eine mittelprächtige Melodie gelegt wurde. Auch „Slipstream“ dem nichts Positives hinzufügen. Zu mechanisch und unpersönlich klingt der leicht an das „Twin Peaks“-Thema erinnernde Song. Richtig schlimm wird es dann bei „Surfing“, das nur durch das schneidige Gitarrensolo vor der absoluten Katastrophe bewahrt werden kann. Dennoch: die hier verwendeten Drum-Sounds aus dem Computer und die schlurfigen Vocals sind eine Frechheit.

Der angenehme Eindruck der „Light“-CD wird mit den „Shade“-Songs fast völlig zerstört. Bis auf drei Ausnahmen („Tears of an angel“, „Ringscape“ und „Nightshade“) verzettelt sich Mike Oldfield in zweitklassigen Trance- und Techno-Tracks, die einfach nicht nötig waren. Das Konzept des Albums hätte es nämlich durchaus zugelassen, die Anzahl der Songs auf 10 bis 12 zu reduzieren. Dann wäre die Endnote locker um zwei Punkte höher ausgefallen. So hinterlässt „Light + Shade“ einen zwiespältigen Eindruck und das Verlangen nach „Tubular Bells IV“. Nein, das war jetzt nur Spaß...

Anspieltipps:

  • Sunset
  • Blackbird
  • First steps
  • Nightshade
  • Tears of an angel
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