Bloc Party - Silent Alarm Remixed - Cover
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Bloc Party Silent Alarm Remixed


  • Label: V2/Rough Trade
  • Laufzeit: 63 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Silent Alarm Remixed“ ist nicht die erhoffte Lückenfüllung zwischen dem Debüt und dem Nachfolger.

Die Vorfreude ist groß. Anfang dieses Jahres haben Bloc Party ihre Erwartungen als „The Next Best Thing“ in der Sparte Indie-Rock dermaßen gut erfüllt, dass Fanseiten und einschlägige Foren vor Begeisterung und Lob überschäumten und kaum Kritik an dem mit vielfältigen und eingängigen Melodien versehenen Erstlingswerk „Silent Alarm“ verlautbaren ließen. Verständlicherweise saugt die Fangemeinde jeden Fetzen über mögliches neues Material wie ein Schwamm auf. Als ein paar Monate nach Erscheinen des Debüts bekannt wurde dass ein Remix-Album auf den Markt kommen soll, waren die Haltungen eher skeptisch. Viel zu oft in der Vergangenheit enttäuschte eine elektronisch oder andersweitig aufgebretzelte Variante des vorhandenen Materials. Da wurden die Gerüchte über Arbeiten am neuen Studioalbum, das laut Bloc Party im Frühjahr 2006 bereit stehen soll, schon euphorischer aufgenommen. Zwanzig neue Songs sind angeblich schon geschrieben und zwei mögliche Singleauskoppelungen („Hero“, „Two More Years“) aus dem noch namenlosen Nachfolger verbreiten Hoffnung auf ein ebenfalls so inspiriertes Album wie das bereits erschienene.

Bis es dann endgültig so weit ist müssen wir vorerst mit dem ge-remixtem Debüt vorlieb nehmen, dessen Negativbild vom ursprünglichen Cover nicht nur düster wirkt, sondern auch programmatisch für den Verlauf des Albums ist. Denn nicht die (im Auge des Remixers) geeignetesten Stücke wurden genommen, sondern es wurde wert darauf gelegt, dass das ganze Opus ein neues Gewand übergestreift bekommt. Darunter befinden sich unter anderem auch Neuinterpretationen durch Bands wie Death From Above 1979 oder Mogwai. Das Resultat überzeugt leider nur stellenweise, weil die überarbeiteten Fassungen mitunter nicht zünden. Dem ehemals treibendem Opener „Like Eating Glass“ wurde mit dem „Ladytron Zapatista Mix“ zwar nicht der Elan genommen, aber mit der, mit Echo versetzten, Stimme Okerekes und den atmosphärischen Synthiebeats im Background schwebt der Song buchstäblich durch den Raum und wird dadurch bestenfalls Mittelmaß.

Wolfsgeheul, Junglegeräusche und eine Melodie, die einer Musicbox entsprungen sein könnte, eröffnen die „Whitey Version“ von „Helicopter“. Pause. Wolfsgeheul. Wieder Pause. Danach wird das Stück langsam aufgebaut bis es richtig in Fahrt kommt. Eine E-Gitarre setzt ein und spielt den für den Track markanten Part, bis sich das Schlagzeug virtuos dazugesellt und schlussendlich ist auch das zweite Saiteninstrument am Start und der Beat ist perfekt. Jetzt wird nur noch der Text eingearbeitet und fertig ist der minimalistisch gute Remix, der fast ohne elektronisches Geplänkel auskommt, sondern rein auf die Wirkung der Instrumente setzt.

Weiter geht’s mit „Positive Tension“ im „Jason Clark of Pretty Girls Make Graves Remix“. Der Gitarrist der Band aus Seattle hat sich das Cover wohl zu Herzen genommen und das Positive und die Spannung aus dem Song entfernt und ins Gegenteil gekehrt. Der spitzbübische Charme der im Original vorherrschend war ist nur mehr schwer zu erkennen und macht diese Angelegenheit dadurch zu einer recht lahmen Sache. Anders hingegen der „Phones Disco Edit“ von „Banquet“, der einfach mal hält was er verspricht und mit wunderbaren Discoklängen und den gesampelten Gitarrenlicks frische Energie in den schon ohnehin grandiosen Song bringt und starke Dancefloorqualitäten aufweist. Den Ruhepol, hüben wie drüben, bietet der „Engineers Anti-Gravity Mix“, der mit einem hauchdünnen Synthesizerteppich den Soundkörper von „Blue Light“ einhüllt und schwerelos durch den Raum gleiten lässt. Fast unaushaltbar laut erklingen dann die Effekte in „She´s Hearing Voices“ im „Erol Alkan´s Calling Your Dub“-Mix, dem längsten (über acht Minuten) und eindeutig langweiligsten. Mehr braucht man dazu nicht sagen.

Der „Dave Pianka´s Making Time Remix“ von „This Modern Love“ ändert den Track zwar nur leicht ab, aber genau deswegen bleibt das Ganze spannend, bringt aber auch nichts wirklich Neues. Im anschließenden „M83 Remix“ von „The Pioneers“ lässt man Kele Okereke einfach seinen Job machen und konstruiert um ihn herum eine sehnsuchtsvolle Melodie, die den Hörer magisch in seinen Bann zieht. Damit ist diese Erneuerung durchaus brauchbar und zeigt auch wie eine gute Nachbearbeitung alten Materials aussehen kann. Bei „Price Of Gasoline“ von „Automato“ vernimmt man nun einem basslastigem Beat und Keyboardklänge, die zwar anfänglich gute Laune verbreiten, aber auf die Dauer gesehen schnell abflachen. Im „Fourtet Remix“ von „So Here We Are“ befindet man sich dann wieder in einer Traumwelt wie zuvor in „The Pioneers“. Diesmal sind auch die sechseinhalb Minuten durchaus vertretbar, die nötig sind um das ganze Soundgerüst aufzubauen um es dann harmonisch in sich zusammenbrechen zu lassen. Mit „Luno“ beginnt dann die einzig richtige Coverversion, die von „Death From Above 1979“ ausgeführt wird. Wenn Sebastian Grainger den Text wiedergibt und sich äußerst emotional reinsteigert, hat man den Höhepunkt der Platte erreicht. Auch wenn das darauffolgende „Plans“, dass hier „Replanned By Mogwai“ vorliegt, ähnlich stark ihren Weg in die Ohrmuscheln sucht und findet, Death From Above 1979 erledigen deutlich den besten Job. Als Abschluss gibt es noch „Compliments“ im „Shibuyaka Remix By Nick Zinner“. Damit wurde wieder ein Gitarrist verpflicht, diesmal jener der „Yeah Yeah Yeahs“. Auch hier erfüllt der Rausschmeißer dieselbe ruhige Stimmung, die auch das Original auf „Silent Alarm“ brauchte, um die Platte perfekt ausklingen zu lassen.

„Silent Alarm Remixed“ ist nicht die erhoffte Lückenfüllung zwischen dem Debüt und dem Nachfolger, sondern eher ein Album für solche, die die Materie Bloc Party noch nicht erforscht haben und eher auf elektronische Musik stehen. Natürlich wird es auch einige Fans der englischen Band geben, die damit was anfangen können, aber im Großen und Ganzen wird dem sicher untergeordnetere Aufmerksamkeit geschenkt werden als den Vorbereitungen für das nächste Studioalbum.

Anspieltipps:

  • Banquet (Phones Disco Edit)
  • The Pioneers (M83 Remix)
  • Luno (Bloc Party vs. Death From Above 1979)
  • Compliments (Shibuyaka Remix By Nick Zinner)
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