Chimaira - Chimaira - Cover
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Chimaira Chimaira


  • Label: Roadrunner/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit der Antike schlagen an einem Platz in Lykien (Kleinasien, Türkei) an mehreren Stellen Flammen aus dem felsigen Boden heraus. Diese sogenannten „Chimaeren“ (türk.: „Yanartas“ – brennender Stein) sollen das ewige Feuer der Chimäre darstellen, ein Geschöpf aus der griechischen Mythologie, bestehend aus drei Köpfen, den eines Löwen, im Nacken den einer Ziege und als Schwanz den Kopf einer Schlange. Solch ein, im wahrsten Sinne des Wortes, fabelhaftes Tier schmückt in Skelettform, das Cover des selbstbetitelten dritten Studioalbums der „Helden der New Wave Of American Heavy Metal“.

Anno 1998 fand Jason Hager keinen ordentlichen Namen für eine eigene Band, wurde letztendlich aber in „Chimaira“ fündig. Seither steht das Sextett, das mitunter schon einige Wechsel vollzogen hat, für kompromisslosen Heavy Metal im Stile von Metallica, Fear Factory und ähnlichen Metalbands dieser Zeit mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass die Lyrik nicht schön gesungen, sondern größtenteils ins Mikro gebrüllt, geschrieen oder gekreischt wird. Ruhige Passagen gibt es selten, ständig passiert etwas und wenn nur die Bassdrum gefoltert wird. Das erste Lebenszeichen nach der Gründung wurde mit der EP „The Present Darkness“ Anfang 2000 gesetzt, ein erstes Studioalbum folgte ein Jahr später mit „Pass Out Of Existence“. Der zweite Longplayer „The Impossibility Of Reason“ häufte nicht nur die Fangemeinde an, sondern brachte auch Fans in den eigenen Reihen hervor wie etwa Slipknot, die den harten Sound der sechs Mannen aus Cleveland / Ohio besonders schätzen.

Was allerdings nun mit dem selbstbetitelten „Chimaira“ in die Läden kommt, ist alles andere als der Versuch einen Neuanfang zu starten oder etwa neue Gefilde zu erforschen. LP Nummer drei unterscheidet sich nämlich nur sehr minimal von den vorhergehenden Veröffentlichungen. Da wäre zu einem mal die Länge der einzelnen Tracks. „The Impossibility Of Reason“ versammelte zwölf knallharte Reißbretter in knapp etwas unter einer Stunde auf dem Datenträger, wobei das Schlussepos „Implements Of Destruction“ mit dreizehneinhalb Minuten als einziger Song im sonst Vier-Minuten-Takt heraussticht. Der Nachfolger hält zwar auch kurz vor der Stunde, beinhaltet aber nur zehn verschiedene Schwermetallgeburten, lediglich „Comatose“ bleibt unter fünf Minuten. Mit der daraus resultierenden Länge der einzelnen Lieder wollte man ihnen wohl Zeit geben sich zu entfalten und auszubreiten. Wenn man dann allerdings trotzdem ständig Druck macht und den einzelnen Stücken kaum Zeit lässt zum Verschnaufen kann es mitunter schon recht eintönig und langweilig werden.

Das andere Novum wäre die schon erwähnte durchgehende Härte. „Man muss zugeben, dass die Drums auf dem Album eine einzige Abrissbirne sind. Unglaublich intensiv“. Leider schafft man es dadurch fast nicht das Album am Stück zu hören, dass bei den Vorgängern problemlos möglich war. Das Schlagzeug ist im Dauereinsatz und bei den nicht seltenen schnelleren Parts wird die Bassdrum dermaßen brutal zum Einsatz gebracht, dass es schon weh tut. Dieser Umstand liegt wohl daran, dass endlich ein Drummer gefunden wurde, der die Band nicht sofort wieder verlässt, aber bis jetzt im Bereich Death Metal unterwegs war und wohl nicht aufhören kann sein Gerät sanfter zu behandeln. Das macht eben nur bedingt Spaß, wenn das Schlagzeug nur noch wie eine Maschinengewehrsalve klingt wie in „Everything You Love“. Live sieht das sicher sehr nett aus, gepresst macht es in diesem Fall wenig Sinn.

Trotzdem gibt es einige strahlende Erscheinungen unter den grauslichen Biestern, die auf „Chimaira“ enthalten sind. Der Opener „Nothing Remains” ist einfach mitreißend und zeigt die Qualitäten der Band als Heavy Metal Hoffnung. „Inside The Horror“, das geprägt ist durch die Shout-Qualitäten von Mark Hunter und einem abwechslungsreichen Aufbau, bietet ebenfalls einen Höhepunkt. Ansonsten darf noch der Schlusspunkt „Lazarus“, der nichts mit der biblischen Gestalt am Hut hat, sondern von einem vor Jahren verstorbenen Freund der Band handelt, erwähnt werden, der einen Ruhepole des Albums darstellt. „Es ist der persönlichste Song, den ich je geschrieben habe, und ich bin froh, dass ich es auf die Art und Weise verarbeiten konnte“ merkt Hunter an und, das hört man auch definitiv. Schade eigentlich, dass man bis zum Schluss warten muss um ein richtig innovatives Stück Metal zu hören.

Anspieltipps:

  • Inside The Horror
  • Lazarus
  • Nothing Remains
  • Salvation
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