The Walkabouts - Acetylene - Cover
Große Ansicht

The Walkabouts Acetylene


  • Label: Glitterhouse Records
  • Laufzeit: 53 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Carla Torgerson und Chris Eckman brachten beide im letzten Jahr ihre ersten Solo-Alben heraus. Zu dieser Zeit hörte man einige Mal auch das Gerücht, sie hätten die Walkabouts aufgelöst. Die Band dementierte und bringt nun den musikalischen Beweis unter das Volk. Nach unzähligen Alben, die in letzter Zeit oft melancholischen Epen glichen, ist Michael Wells nach 1996 zum ersten Mal wieder im Line-Up der fünfköpfigen Band. Zusammen mit Produzent Tucker Martine verabschieden sich die Walkabouts größtenteils von träumerischer Eleganz und reichen krachigen Gitarren die Hand, wie sie es seit „New West Motel“ nicht mehr getan haben.

Nie war ein Abschied so schön und der Neubeginn so wütend. Im ersten Moment macht sich Verwunderung breit, doch schon kurz danach freut man sich über die wilde Frische, die kaum einer erwartet hätte. Es scheint fast, als wenn die Walkabouts ihre persönliche Antwort auf die sozialen Missstände und größenwahnsinnige Kriegszustände geben wollen. Für Plakativität ist zum Glück keine Zeit, denn es wird nur selten gerastet in diesen 10 Songs.
Der Opener mit dem Titel „Fuck Your Fear“ sagt schon so einiges. Mit schwerem Rhythmus und dröhnender Gitarre im Hintergrund, hat Chris Eckman leichtes Spiel, um mit dieser Vorlage und seinem beschwörenden Organ zu punkten. „Coming Up For Air“ wird ab sofort jedes Walkabouts-Konzertpublikum verzücken und zum Mitsingen einladen. Doch was ein echter Hit ist, funktioniert genau so gut in den heimischen vier Wänden. Magische Melodien, gespielt von einer sägenden Gitarre, und ein tolles Timing von Schlagzeuger Terri Moeller, sind ungeschönter Rock mit Ohrwurm-Charakter.

Mehr Pop als Rock hat „Devil In The Details“ zu bieten. Carla greift sich das Mikro, während die anderen vier Walkabouts ihr den Rücken frei halten und sie mit ihrer wahrhaft schönen Stimme Begeisterung hervorruft. Trotz der Kanten ist der Track sehr eingängig und sollte schon jetzt in die persönliche „Ewig schön“-Liste aufgenommen werden. In „Kalashnikov“ tauchen dem Titel entsprechend feingeistige Sätze zu politischen Themen auf, die, obwohl nur angedeutet, zum Nachdenken anregen. Mit unterschwelliger Verachtung gibt sich Chris Eckman rauen Sounds hin, die von eindringlichen Gitarren und einer satten Rhythmussektion angeführt werden. Auseinander genommene Polizeisirenen beenden einen Song, der mit gehaltvoller Kritik und erdigem Rock in den Ohren nachhallt. „Northsea Train“ ist neben „Whisper“ und „The Last Ones“ ein ruhigerer Vertreter der Walkabouts-Gegenwart. Sanftmütig singt Carla Torgerson und berührt damit auf unnachahmliche Weise den Hörer, wobei das schwebende Cello ebenso verzückt.

Die Walkabouts überzeugen in jeder Minute dieses Longplayers und zeigen deutlich auf, dass mit ihnen immer noch und vielleicht mehr denn je zu rechnen ist. In den druckvollen Arrangements, die mitunter krachig klingen, erreichen uns glanzvolle Melodien, die nichts von ihrem betörenden Charme eingebüßt haben. Man hat einiges gewagt und wird die Früchte ernten. Selten waren diese so frisch und belebend.

Anspieltipps:

  • Northsea Train
  • Coming Up For Air
  • Devil In The Details
  • Before This City Wakes
Neue Kritiken im Genre „Rock“
6.5/10

Mental Jewelry (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „The Walkabouts“
comments powered by Disqus