Sigur Rós - Takk - Cover
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Sigur Rós Takk


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 65 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Als sich Sigur Rós 1994 in Reykjavik gründeten, ahnte kaum jemand von der Faszination und der allerorten liebevollen Zuwendung seitens der Fans und Kritiker. Die Isländer Jonsi Birgisson (Gesang, Gitarre), George Holm (Bass) und Agust Ovar Gunnarsson (Drums) benannten sich nach Jonsis kleiner Schwester, welche ins Deutsche übertragen soviel wie „Siegende Rose“ heißt. Auf dem isländischen Label Smekkleysa folgte das Debüt „Von“, das schon die Epik und den charismatischen Gesang Jonsis enthielt und dem dennoch das Anfangsstadium anzumerken war. Kjarri Sveinsson vergrößerte die Band am Keyboard und spielte mit ihnen das spätere Erfolgsalbum „Ág"tis Byrjún“ ein. Danach nahm alles, im Einklang zur unfassbar bewegenden Musik, seinen unglaublichen Verlauf. Sigur Rós gewannen Video-Awards, schufen Soundtracks und brachen ganz nebenbei mit den Vorstellungen, dass nur einfach gegliederte Musik wirklich erfolgreich sein kann.

Fast exakt drei Jahre nach der Veröffentlichung von „( )“ wird die Sehnsucht der weltweiten Fangemeinde mit dem neuen Werk „Takk“ („Danke“) gestillt. Die immensen Erwartungen, soviel sei schon mal vorweg genommen, werden mit dem Wissen um eine der interessantesten Bands der letzten Jahre erfüllt.

Unzählige Traumlandschaften werden durch das Instrumental „Takk...“ eröffnet. Ein monoton schwebender Keyboardsound mündet in zarte, nur angedeutete, Melodien. Das folgende „Glósóli“ erstrahlt im gewohnten Schein aus übereinander gelegten Sounds, Glockenspiel und der hellen Stimme Jonsis. Ein gleichförmiger Rhythmus deutet hypnotische Eskapaden aus der uns bekannten Welt an und wandelt sich im Laufe des Songs in Verbindung mit wuchtigen Drums zu einem Ausbruch des Wahnsinns. Überhaupt haben heftige Eruptionen einen etwas größeren Anteil als noch bei den vorigen Alben. Der von der Band proklamierte Rock ´n´ Roll-Longplayer und die damit verbundene Wendung zu straighteren Tracks ist allerdings nur vereinzelt auszumachen.

Die Liebe zum Detail und der wunderbare Umgang mit orchestralen Elementen sind in großem Ausmaße vorhanden. Der Entdeckungstrieb lässt uns umwerfende Harmonien und eine Stimmung der Einzigartigkeit finden. „Gong“ ist für isländische Verhältnisse mit seinem gar poppigen Klavier und dem beschwingten Drumming einfach gehalten. Ein Beweis dafür, dass sich die als schwierig geltenden Jungs nicht hinter gezwungener Avantgarde verstecken müssen und auch die Klarheit eines Popsongs umsetzen können.

Sigur Rós halten das Album kompakter und zielstrebiger, ohne ihre träumerischen Attribute abzulegen. Man kann sich fallen lassen und der unendlich scheinenden Klangwelt Islands lauschen, sich verwundert die Augen reiben und begreifen, dass die Wiederholung im Sound der Traumtänzer ein größerer Feind als angenommen ist. Waren die beiden vorigen Alben absolut faszinierend und mit dem Aufschwung von etwas Neuem versehen, so bietet „Takk“ „nur“ noch Faszination. Man sollte aufpassen, die Vorhersehbarkeit, in einem komplexen Kontext wie diesem, nicht zu etablieren.

Anspieltipps:

  • Glósóli
  • Gong
  • Andvari
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