Egoexpress - Hot Wire My Heart - Cover
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Egoexpress Hot Wire My Heart


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 58 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mense Reents und Jimi Siebels sind umtriebige Männer um die Dreißig. Aus dem Umfeld der Hamburger Schule kommend, veröffentlichten sie 1995 als Egoexpress die erste Single „Egoexpress 2“. Ein Jahr später beehrte uns dann das Debütalbum „Foxy“. Man darf von Techno reden, auch wenn es diese Energie und die rauen Sounds nicht perfekt beschreibt. Egoexpress verstehen sich als Indie-Rocker, die von den Möglichkeiten der elektronischen Klangerzeugung mitgerissen wurden und einfach nicht anders konnten, als selbst die Dancefloors zu erobern. Wenn man sich die wilde Welt des Rockmusik ohne das klassische Bandgefüge und ausschließlich mit synthetischen Sounds vorstellen kann, wird man auch „Hot Wire My Heart“ lieben lernen. Eine Reise in die niemals endende Magie der drängelnden Bassdrum...

Diese besagte Reise beginnt liebäugelnd mit sanften Sonnenstrahlen und dem von Andreas Dorau inspirierten „Aranda“, welches von Bianca Gabriel intoniert wird. Soundscapes und eine Akustikgitarre bilden einen atmosphärischen Auftakt, in dem es Kraft zu sparen gilt. Denn dunkle Wolken ziehen auf und treiben uns bei „I´m in the army now“ in den verrauchten und doch anziehenden Club. Es braucht nicht mehr als einen monotonen Beat, aufwühlende Sequenzer und vereinzelte Soundcollagen, um die Beine nicht mehr stillhalten zu können. Man möchte eindringen in die Masse von Menschen, die sich dem Rhythmus der Nacht und dem unkontrollierten Endorphinaustritt verschreibt. Ob das nun House, Techno oder Intelligent Dance Music (kurz: IDM) ist, bleibt dem Hörer überlassen. Es ist vor allem gut, betörend und dringend.

Der seltsam komische Titel „Knartz IV“ gehört einem bahnbrechenden Clubfeuerwerk, welches sich in industriellen Geräuschen und knarzenden Beats niederschlägt. „Oh my god, it´s techno music” wird so einige Male in diesem Song skandiert und das auf so umschmeichelnde Art und Weise, die jeden mitnimmt auf den Dancefloor seines Vertrauens.
Selbst dem konservativsten Punkrocker wird es direkt in die Beine gehen, den Ohrwurmfaktor
noch nicht mal mitgerechnet. Progressivität und Ideenreichtum wird bei „Drehwinkel“ groß geschrieben. So manche Kante wurde hier erfolgreich eingebaut und wieder elegant umschifft. Die Beats werden durchgehend variiert und trotzdem nimmt sich der Song dem Charme des Pops an. Dieser wird vor allem durch ambientartige Sounds und luftige Melodien gestreift.

Es wird einfach nicht langweilig im Egoexpress. Dafür sorgen humoristische Zwischenspiele und klug angelegte Breaks, die kurzzeitig den 4/4-Takt pausieren lassen. Zwischen zielstrebigen Tracks, die jede Discokugel zur Verzweiflung bringen und dem tanzenden Volk einen bunten Abend bescheren, gibt es spannende Soundcollagen, die vom Ambient aus dem Pop entgegen gehen. Ein Album zwischen House und Techno, dessen Suchtfaktor jedoch gar kein Genre benötigt.

Anspieltipps:

  • Knartz IV
  • Hot wire my heart
  • Drehwinkel
  • Links eine Hand
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