Nickelback - All The Right Reasons - Cover
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Nickelback All The Right Reasons


  • Label: Roadrunner/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Opus Nummer fünf bietet wieder etwas für die Fans der ersten Stunde.

Roadrunner Records ist 25! Gratulation! Denn damit wird eines der im wahrsten Sinne des Wortes härtesten Labels ein Viertel Jahrhundert alt. Auf der in den Vereinigten Staaten gegründeten Plattenfirma versammelten sich über die Jahre mehrere Bands, die keinesfalls Musik für zartbesaitete Gemüter produzierten. Biohazard, Coal Chamber, Fear Factory, Killswitch Engage, Machine Head, Sepultura, Slipknot, Soulfly oder Type O Negative sind wohl die bekanntesten „Haudrauf“-Bands, die Roadrunner unter Vertrag nahm. Bekam man eine CD der vorher genannten in die Finger, durfte man sicher sein, dass früher oder später Geschrei, Gekreische oder donnerartiges Gedresche der Instrumente zu hören war.

1998 kam ein weiterer vielversprechender Act dazu: Nickelback. Bevor es allerdings soweit war produzierten Chad (Gesang, Gitarre), Mike (Bass) und ihr Cousin Brandon Kroeger (Schlagzeug) zusammen mit Ryan Peake (Gitarre) ein Demo namens „Hesher“, die, aus eigener Tasche finanziert, auf 4.000 Stück limitiert erschien und nur regional Erfolg hatte. Das eigentliche Debüt „Curb“ erschien dann bei Shoreline Records (später als Re-Release noch einmal bei Roadrunner). Darauf konnte man sich schon ein gutes Bild davon machen, in welche Richtung Nickelback steuern werden. Der charismatische Chad gab als Sänger alles und auch seine Kollegen standen ihm in nichts nach. Sie lieferten harten, bodenständigen Rock mit einem Schuss Grunge ab, ohne künstlich oder zielgruppenorientiert zu wirken.

Richtig durchstarten konnten sie allerdings erst mit Platte Nummer zwei „The State“, auf der Cousin Brandon durch Ryan Vikedal am Schlagwerk ersetzt wurde. Mehrere kanadische Musikpreise und eine goldene Schallplatte später war klar: von den Herren wird man noch einiges hören, denn nicht nur die Mitglieder, sondern auch das Songmaterial war deutlich gereift. 2001 war es dann soweit und „Silver Side Up“ erhält im Sog der Single „How you remind me“ sechsfach Platin und wird in den Himmel gelobt. Doch das gezügelte Tempo ist auffällig am neuesten Output. Waren die ersten Platten mit Tracks versehen, die konsequent vor sich hin rockten und nur sehr selten – und wenn, dann nur kurz leisere Töne anschlugen –, beinhaltete „Silver Side Up“ gleich drei, für Nickelback-Verhältnisse, ruhige Songs. „Too bad“, „How you remind me“ und der Schlusstrack „Good times gone“.

Zwei Jahre später erschien der von einigen Tausend auf mehrere Millionen angestiegenen Fangemeinde fieberhaft erwartete Nachfolger „The Long Road“. Eigentlich wurde hiermit aber nur ein „Best Of“ der besonderen Art veröffentlicht. Der Aufbau der bis dato bekanntesten und erfolgreichsten Stücke des Vierers wurde weitgehend eins zu eins übernommen und mit anderen Texten versetzt. Als innovativ konnte man dieses Album daher nicht bezeichnen. Es erhielt auch „nur“ dreimal Platin. Einzig und allein die ruhigeren Parts bekamen mehr Spielraum, schließlich kam der Soloausflug des Frontmanns mit der Powerballade „Hero“ (im Duett mit Josey Scott von Saliva) verdammt gut an. Warum sollte man diesen Sound nicht auch in Nickelback integrieren? „Someday“ und „Should´ve listened“ heißen die Vorboten der „Verballadisierung“ von Nickelback. Langsam fragte man sich, wo die kompromisslosen Rocksongs mit den teils klaren, teils rauen Vocals hingekommen sind und ob das Ganze überhaupt noch in das übliche Sortiment von Roadrunner Records passt?

Glücklicherweise kehrte nach dem Ausstieg von Ryan Vykedal mit Daniel Adair frischer Wind in die Combo ein. Auf keinem der vorigen Werke war das Schlagzeug dermaßen in Szene gesetzt worden (wahrscheinlich auch um auf den neuen Drummer hinzuweisen). Daher ist es eine wahre Freude, die ersten zehn Sekunden von „Follow you home“ zu hören. Dieser Auftakt könnte nämlich bedeuten, dass wieder alles besser wird. Nun gut, der Rest des Openers läuft dann doch wieder nach Schema F eines Nickelbackers ab. Das ist man aber durchaus gewillt hinzunehmen, schließlich wird endlich wieder richtig in die Saiten gehauen. Selbes Spiel bei „Fight for all the wrong reasons“.

Dann kommt es, wie es kommen muss. Akustikgitarrengeschrammel, dezentes Tempo, ein raunzender Chad Kroeger: Ballade! „Photograph“ hätte wenigstens lyrisch darauf hingedeutet, dass es ein Uptempotrack wird. Leider liegt die Betonung beim Konjunktiv, deswegen wenden wir uns lieber „Animals“ zu. Hier vereint sich die neue Frische mit alten Werten, ein Song auf den man stolz sein kann. Mit „Savin´ me“ und „Far away“ kommt einem wieder das Schaudern und Bon Jovi schaut zum Fenster hinein, da diese Songs auch vom Sonnyboy aus New Jersey stammen könnten.

Dann hört man, was Herrn Kroeger, außer einer perfekten Dauerwelle, sonst noch beschäftigt, und zwar wenn sich jemand an seinem Mädchen vergreift. „Next contestant“ artet zwar nicht in die Durchgedrehtheit eines „Get your hands off my woman“ (The Darkness) aus, besticht aber durch die Qualitäten, weswegen man das Quartett so gern hat und die liegen unumstößlich in einem bockigen Bass und saftigem Drumming.

Bei „Side of a bullet“ verneigen sie sich nicht vor dem Metal, sondern vor Dimebag Darrell Abbott (Pantera, Damageplan), der im Dezember 2004 auf offener Bühne von einem geistig verwirrten Fan erschossen wurde. Als die Band seinen Bruder Vinnie Paul um dessen Meinung zum Song bat, war dieser so ergriffen, dass er Chad alte Solo-Aufnahmen seines Bruders zur Verfügung stellte, die nun im Mittelteil zu hören sind. „If everyone cared“ ist dann Downtemposong Nummer vier, gefällt aber überraschend gut und kann ohne großes Murren unter „bemerkenswert“ eingestuft werden

Bevor es zum Showdown kommt, besorgt „Someone that you´re with“ noch einen souveränen Auftritt, bis in „Rockstar“ die Zeilen „'Cause we all just wanna be big rockstars / And live in hilltop houses driving fifteen cars / The girls come easy and the drugs come cheap / We'll all stay skinny 'cause we just won't eat / And we'll hang out in the coolest bars / In the VIP with the movie stars / Every good gold digger's gonna wind up there / Every Playboy bunny with her bleach blond hair / And we'll hide out in the private rooms / With the latest dictionary and today's who's who / They'll get you anything with that evil smile / Everybody's got a drug dealer on speed dial / Hey hey I wanna be a rockstar” erklingen. Vielleicht sollte uns Herr Kroeger irgendwann genauer erklären, wie er auf diesen Song gekommen ist! Eine schlichte scharfzüngige Beobachtung der High Society kann das nämlich nicht sein, denn umsonst holt man sich nicht Billy Gibbons von den legendären „Rübezahlbärten“ von ZZ Top hinzu, um ihn gesanglich zu unterstützen.

Fazit: Nach dem Komplettausfall „The Long Road“ bietet Opus Nummer fünf wieder etwas für die Fans der ersten Stunde, aber auch „Schmalzfetischisten“, die auf triefenden Pathos und Schmachtfetzen stehen, werden auf ihre Kosten kommen. Somit bietet „All The Right Reasons“ für alte und neue Anhänger etwas und lässt hoffen, dass danach nicht wieder eine laaaange, breite Straße folgt.

Anspieltipps:

  • Animals
  • Next Contestant
  • Follow You Home
  • If Everyone Cared
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