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Diverse SZ Diskothek: 1994


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 79 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Techno-Welle schwappt über Europa. Jedes Wochenende finden wilde Raves befeuert von der Designerdroge Ecstasy statt. Die Hitparaden bleiben vom echten Techno gottlob weitgehend verschont. Nur Marusha kann einige Top-10-Erfolge feiern. Doch die Industrie entdeckt schnell die Markt-Power der neuen Musik und kombiniert Pop mit Techno. Grottenschlechter Mist vom Milka-Mann („It’s cool man“) oder Edelweiß („Raumschiff Edelweiß“) bringen Unruhe in die Szene, ja machen sie streckenweise unglaubwürdig. Der Begriff des „Deppentechno“ macht die Runde. Die Credibility sinkt. Techno wird genau wie Grunge zur Marke, die 100.000 Loveparade-Besucher auf dem Berliner Kurfürstendamm abfeiern. Die Rockfans haben dagegen ganz andere Sorgen, denn im April begeht Kurt Cobain (Nirvana) Selbstmord. Eine ganze Generation verliert ihr Idol. Sie soll sich schon bald umorientieren müssen. Das Punkrockrevival steht vor der Tür. Green Day und The Offspring sollen dabei zu Superstars werden.

In England beginnt der Battle der BritPopper von Oasis („Definitley Maybe“) und Blur („Parklife“). Fast wird übersehen, dass BritPop nicht nur aus diesen beiden Bands besteht. Da gibt es ja noch die rockigeren Manic Street Preachers („The Holy Bible“), die androgynen Jungs von Suede („Dog Man Star“) und einen gewissen Paul Weller („Wild Wood“). In Deutschland nervt die Kelly Family („Over The Hump“) und die H-Blockx („Time To Move“) läuten den germanischen Crossover-Boom ein. Auf der Leinwand schockiert „Natural Born Killers“ als blutrüstiges Roadmovie und John Travolta feiert ein grandioses Comeback in „Pulp Fiction“. Die Neuauflage von Woodstock wird eher zwiespältig aufgenommen.

Ganz neue Sitten herrschen im Sport: Die Eiskunstläuferin Tonya Harding lässt ihre schärfste Konkurrentin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange verprügeln. Michael Schumacher holt seinen ersten Titel als Formel-1-Weltmeister und der Kaufhaus-Erpresser „Dagobert“ (alias Arno Funke) hält Polizei und Presse auf Trapp. In Südamerika erlebt Nelson Mandela seine Amtseinführung als Präsident, James Hewitt, der Reitlehrer von Prinzessin Diana, plaudert die Affäre mit der „Prinzessin der Herzen“ sehr zum Verdruss dieser aus. Im Magazin „Der Spiegel“ kommt es zum Aufeinandertreffen von Ministerin Angela Merkel und Punkrocker Campino (Die Toten Hosen), der die junge Politikerin in die Enge zu treiben versucht. Nachzulesen in „Das Fundstück“ der vorliegenden Ausgabe.

Für die CD der SZ-Diskothek des Jahres 1994 hat die Redaktion wieder eine repräsentative Songauswahl getroffen. Beck gibt dabei den „Loser“, Tori Amos erklärt uns, was ein „Cornflake girl“ ist, die Slacker von Pavement ordnen an „Cut your hair“ und Gangsta-Rapper Warren G. feiern mit „Regulate“ einen Welthit. Soundgarden waren zwar nie so berühmt wie Nirvana oder so erfolgreich wie Pearl Jam. Ihr Track „Black hole sun“ ist trotzdem ein Klassiker. Das Duett des Jahres kommt von Neneh Cherry und >Youssou N’Dour („7 Seconds“). HipHop wird von Ini Kamoze („Here comes the hotstepper“), OutKast („Player’s ball“) und den Fugees („Vocab“) vertreten. Das vielleicht schönste Stück Musik des Jahres kommt aber von einem jungen Singer/Songwriter, der nur drei Jahre später stirbt, als er nachts in den Mississippi steigt. Der Name: Jeff Buckley. Das Album: „Grace“. Er wurde 30 Jahre alt und hinterließ nur einen Longplayer. Seine Mutter suchte später die Rohaufnahmen des in Arbeit befindlichen Zweitwerk heraus, die 1998 als „Sketches For My Sweetheart The Drunk“ auf den Markt kamen.

Anspieltipps:

  • Beck – Loser
  • Jeff Buckley – Grace
  • Suede – Stay together
  • Pavement – Cut your hair
  • Tori Amos – Cornflake girl
  • Soundgarden – Black hole sun
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