The Cure - Disintegration - Cover
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The Cure Disintegration


  • Label: Fiction/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 73 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem Album „Kiss me Kiss me Kiss me“ aus dem Jahr 1987, welches extrovertiert und mit vielen verschiedenen Stimmungen daherkam, gelang den Briten um Robert Smith zwei Jahre später eine wahre Superlative der Musikgeschichte. Auf höchstem Niveau ist „Disintegration“ eine Ode an die Melancholie in ihrer gesamten träumerischen Pracht.

Einer der definitiv besten Opener der Cure-Geschichte heißt „Plainsong“ und eröffnet eben dieses oben genannte Meisterwerk. Eine zauberhafte Synthesizermelodie, die für die Ewigkeit bestimmt ist, mündet in das mit markanten Effekten versehene Gitarrenspiel von Robert Smith. Träge bewegt sich das gedämpfte Schlagzeug neben einem berührenden und stilecht vorgetragenen Text, wie ihn nur ein Mr Smith melancholisch und doch klischeefrei inszenieren kann. „Pictures of you“ ist eine der vier Singles dieses Albums und spiegelt musikalisch wie auch textlich leidenschaftliche Sehnsucht wider. Man kann nicht anders, als in dieser herausragende Gefühle erzeugenden Musik zu versinken und diesen Gitarren sein Herz zu schenken.

„Closedown“ lässt Drummer Boris Williams zur Höchstform auflaufen, während man wieder diese exzellenten und Weite erzeugenden Keyboardmelodien vernimmt, die ohne Zweifel so manches Leben retten können, und sei es auch nur für einen Abend. Ebenfalls eine Single und im Tempo beschleunigt ist „Love song“, das textlich so direkt eben auf ein Liebeslied zielt, dass man an dieser Stelle auf die manifestierte Ironie eines Robert Smith hinweisen sollte. Wie dem auch sei, „Love song“ ist genau so ein Evergreen wie die restlichen elf Songs des Albums, nur ein wenig verspielter und poppiger. Schwerer wiegt das darauf folgende „Last dance“. Der Zauber von Melancholie, die nicht depressiv zum Vorschein kommt, wohnt auch in diesem Song.

Die gruselige Ästhetik einer Spinne führte zu „Lullaby“ und einem schräg vereinnahmenden Video. Ästhetisch, aber weniger schräg, ist „Prayers for rain“. Dieses Stoßgebet gen Wolken macht die tristen Stunden an einem grauen Herbsttag viel wertvoller, als sie erscheinen mögen. Doch ganz losgelöst von der Jahreszeit fühlt und lebt man diese synthetisch erzeugten Streicher, das tröpfelnde Gitarrenspiel und ein aus dem Hintergrund kommendes Schlagzeug, welches der mit wundervollem Timing gesegnete Boris Williams bedient. Mit seinen gut 8 Minuten ist der Titeltrack aufgrund von zielstrebigen Drums und klavierähnlichen Synthies, die von einem Gitarrenteppich unterlegt sind, mit Kurzweile gesegnet. Mastermind Smith treibt die Messe mit seiner Stimme dann endgültig in den vor dem inneren Auge tanzenden Wahnsinn.

Dieser Wahnsinn erstrahlt auf „Disintegration“ in seiner positivsten Form. Dieses Album ist gar der Wahnsinn in Person. So wahnsinnig schön und berührend haben es nur wenige Musiker geschafft, auf dem Olymp zu erscheinen und sich von dort nie mehr vertreiben zu lassen. Es gibt viele sehr, sehr schöne Werke von The Cure, doch dieses ist durch seine zauberhafte Intimität und den eindringlichen Fluss der knapp 73 Minuten unerreicht.

Anspieltipps:

  • Plainsong
  • Closedown
  • Prayers for rain
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