Ashlee Simpson - I Am Me - Cover
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Ashlee Simpson I Am Me


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt so etwas wie das ungeschriebene Gesetz des Musikbusiness, das besagt, dass man etwa alle zwei, spätestens drei Jahre etwas Neues auf den Markt werfen muss, um im Gespräch zu bleiben und weiterhin ganz oben mitmischen zu können. Dummerweise ist den meisten Solisten oder Bands ziemlich egal, wie das Endprodukt aussieht und ein Album wird veröffentlicht, ohne eine wirkliche Weiterentwicklung oder Innovation aufzuzeigen. Das kann an Einfallslosigkeit, Unwollen oder einem schlechtem Produzenten liegen. Wie dem auch sei, solange die Kohle stimmt, die aufgrund der gut geölten Promotion die Verantwortlichen um eine beträchtliche Stange Geld bereichert, da die Fans bedenkenlos zugreifen, ist natürlich alles in Ordnung.

Da verblassen Vorwürfe über Ausverkauf und Kundenverarsche im Angesicht der Moneten schnell. Doch es gibt auch Lichtblicke im knallharten Geschäft mit der populären Musik. Sonnenstrahlen, bei denen man es, wegen der schlichten Genialität einer Band oder eines Künstlers, kaum erwarten kann, bis das nächste Oeuvre erscheint. Dazu zählen unter anderem Ryan Adams, der es trotz eines durchschnittlichen 8-Monatsrhythmus schafft, ausgezeichnete Alben hervorzubringen, Bright Eyes bzw. Conor Oberst, der mit den Doppelmeisterwerken „Digital Ash In A Digital Urn“ und „I´m Wide Awake It´s Morning“ für Entzücken sorgte oder Black Rebel Motorcycle Club, die in weniger als vier Jahren drei richtungsweisende Platten abgeliefert haben. Ashlee Simpson, die nach der „Autobiography“ im letzten Sommer nun ihre Fassung des kleinen „Ich bin Ich“ präsentiert, kann bestenfalls als Negativbeispiel herhalten. Sie macht es genauso, wie man es mit ihren „Fähigkeiten“ nicht machen sollte.

Ihr Debüt war zwar ausnehmend rockig und gefiel als seichtes Popscheibchen ganz gut, vermisste aber an vielen Ecken und Enden wirklich zündende Ideen und Einfallsreichtum. Mit Output Nummer zwei verhält es sich nicht nur genauso, nein, Miss Simpson legt noch eine Schippe Untalentiertheit drauf und bringt Strophen, die so nicht mal in der Volksmusik ihre Berechtigung hätten: „I give in“ - „You will win“; „It´s friday night“ -„I´ll fell alright“; „You know I wanna play” – „Take me on a holiday”. Wem angesichts dieser Phrasen schon schlecht ist, sollte sich das nicht aushaltbare Gestöhne in „Burning up“ gar nicht erst antun. Überhaupt fragt man sich, warum Ashlee dermaßen ungehalten herumjault. Liegt es am drogenschwangeren Inhalt („I see diamonds in the sky / Touch my hand and I can fly“) oder am fehlenden Liebesleben, das aufgrund vom vielen Touren praktisch gar nicht vorhanden ist?

Ebenfalls grauenvoll ist der pseudomelancholische Text in „Catch me when I fall“. Wen kümmert schon, wenn man zum 149. Mal „Who will be the one to save me from myself / Who will be the one who's there / And not ashamed to see me crawl / Who's gonna catch me when I fall” vernimmt? Genau, niemanden! Denn schließlich weiß die Dame wohl nicht mehr, was sie will. Auf der einen Seite („L.O.V.E.“) schickt sie (vor allem die Männer) zum Teufel („Grab my bag / Got my own money / don´t need any man in this room“) und auf der anderen („Catch me when I fall“) jammert sie, dass niemand mehr da ist? Glücklicherweise war der Song nicht auf „Autobiography“ enthalten, sonst müsste man sich angesichts eines möglichen Bezugs zur Realität ernsthaft Sorgen um Ashlee machen.

Dennoch blitzen ein paar Mal kleine Hoffnungensschimmer auf, wie zu Beginn der Platte, wenn in „Boyfriend“ für 12 Sekunden der Eröffnungsgitarrenlick direkt ins Ohr geht und Spaß macht oder bei „Coming back for more“, der als einziger Track die volle Länge überzeugen kann. Die Mehrheit besteht aber aus Stücken, die durch die Bank austauschbar und uninspiriert klingen, wie „Beautifully broken“, bei dem man gar nicht erwarten kann, bis es endlich vorüber ist. Da hilft auch keine subtile Überredungskunst („Say you love me / Oh say you love me“ – aus „In another life”) oder selbstbewusste Statements („I am me / And I won´t change for anyone“ – aus „I am me“). Der letzte Song, der mit weinerlichem Gesang durchzogen ist, trägt nicht umsonst den Titel „Say goodbye“. Gemeint ist in diesem Fall die CD, die den Weg in die heimische Audioanlage, den Discman oder alles, womit man die kleine, runde Scheibe betreiben könnte, wohl nie wieder finden wird.

Anspieltipps:

  • Boyfriend
  • Coming Back For More
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