Timid Tiger - Timid Tiger And A Pile Of Pipers - Cover
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Timid Tiger Timid Tiger And A Pile Of Pipers


  • Label: L´Age d´Or/Rough Trade
  • Laufzeit: 36 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Stets frisch, fröhlich und fidel gebärden sich die Melodien und perfekt in Szene gesetzte Hooklines machen die neuesten Geschichten von Timid Tiger zu einem immer wieder hörenswerten Erlebnis.

Er ist einfach süß, knuddelig und erlebt, obwohl er schüchtern ist, die wildesten Abenteuer. Die Rede ist vom gestreiften Leitmotiv der Kölner Band Timid Tiger, die sich nicht nur einfach so nennen, sondern dem putzigen Kerl, der von jedem Cover der Band den Käufer anblinzelt, Geschichten an den Leib schreiben und diese mit knallbunter Popmusik untermalen. Die Entstehung des Quintetts ist keine neue. Keshav Purushotham (Gesang) und Christian Voß (Gitarre) treffen sich, bemerken ihre gemeinsame Zuneigung zur Musik und beschließen gemeinsame Sache zu machen. Einige Zeit später stoßen Evgeni Kouris (Keyboard), Thilo Schmelzer (Bass) und Felix Günther (Schlagzeug) dazu und zusammen erfinden sie gleich mal ein neues Genre: den Cartoon Pop. Jetzt stellt sich natürlich die Frage was die Jungs von herkömmlichen Pop-Bands unterscheidet und das Ganze zur besagten neuen Sparte macht.

Allem voran muss das Kriterium erfüllt werden eine Hauptfigur zu haben, die im Mittelpunkt des Geschehens steht und eine oder mehrere besondere Charaktereigenschaften hat (in diesem Fall ein schüchterner Tiger). Danach kommt die musikalische Umsetzung des Stoffes an die Reihe. Diese muss sich im Stil von Tom & Jerry und ähnlichen Zeichentrickuntermalungen bewegen und bestimmte Bösewichte, sonstige andere wichtige Personen oder Situationen wie Kämpfe oder Liebesbezeugungen müssen musikalisch als solche erkennbar sein, zu jedem Mittel darf gegriffen werden, die zur Umsetzung nötig sind. Am besten wohl vergleichbar mit den Themen der klassischen Werke „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew oder Camille Saint-Saens „Karneval der Tiere“. Das die heutigen Möglichkeiten bei weitem nicht so eingeschränkt sind wie damals ist auch absehbar. Da werden Handclaps, Vocoder-Stimmen und etliche andere elektronische Spielereien ins Repertoire genommen um das bestmögliche Thema oder Klangsymbol zu erzielen. Zu guter letzt darf man sich in seinen Texten nicht allzu ernst nehmen, politisches oder anstößiges sollte tunlichst vermieden werden.

Ob überhaupt Bedarf an dieser neuen Art von Musik besteht hat sich schon erübrigt. Nachdem die ersten Geschichten des getigerten Maskottchens der Kölner als Episode 1 zusammengefasst auf der EP „Timid Tiger & The Electric Treasure Box“ am 03.06.2004 zusammengetragen und veröffentlicht wurden, war die Nachfrage groß. Vor allem ein Song hat es auch britischen Radiostationen angetan. „Miss Murray“ wurde daher die erste wichtige Protagonistin für den Siegeszug des schüchternen Hauptdarstellers und eine weitere Episode ist mit der EP „Timid Tiger & Miss Murray“ am 28.02.2005 erschienen. Vom, noch sehr punkig anmutendem, auf der ersten Scheibe enthaltenem, „Headshakin´ Sing Song Girls“ wurde schnellstens Abstand genommen und der süßliche Cartoon Pop erstrahlt nun mit „Timid Tiger & A Pile Of Pipers“ als Episode 3 in satten Grelltönen und deren Nuancen.

Stets frisch, fröhlich und fidel gebärden sich die Melodien und perfekt in Szene gesetzte Hooklines machen die neuesten Geschichten aus dem Hause Timid Tiger zu einem immer wieder hörenswerten Erlebnis. Ständig fallen einem Kleinigkeiten auf, plötzlich hört man da ein Pfeifen, dort ein Klatschen, das man zuvor nicht wahrgenommen hatte und auch nie fehl am Platz klingt. Nein, das Quintett aus Köln macht seine Sache äußerst souverän und auf hohem Niveau, obwohl man auf den ersten Blick denkt, die Platte wäre der nächste Marketingstreich der Produzenten von Schnappi, den Schlümpfen oder ähnlichen nervtötenden Geschwüren wie das zurzeit kursierende „Dubi Dam Dam“ von Banaroo. Schon allein der Opener „Combat Songs & Traffic Fights“, dessen Synthesizer-Melodie auch aus den 80-er Jahren eines Elton John stammen könnte, gibt die Richtung an und auch über die volle Länge bleibt das Album ständig in Bewegung und daher spannend.
Ruhige Songs fehlen zwar, vermisst man aber nicht – Cartoons sollen ja auch schließlich zur Unterhaltung dienen und nicht depressiv oder nachdenklich stimmen. Jeder Track bietet eine neue Facette, lädt zum Tanzen ein oder einfach nur zum Mitsummen. Die gesamte Produktion bietet Ohrwürmer der Güteklasse 1A und das Booklet, das mit den Zeichnungen des schüchternen Tigers aus der Feder Klaus Cornfields gespickt ist, lädt zum Durchblättern ein. Wer sich dieser Spielzeugkiste namens „Timid Tiger & A Pile Of Pipers“ mit zwölf erfrischenden Freudenspendern entziehen kann, hat wohl sonst auch nicht viel zu lachen.

Anspieltipps:

  • Tiger Is Not A Bird
  • Mississippi Dream
  • Pretty Saphire Cat
  • Miss Murray
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