Apoptygma Berzerk - You And Me Against The World - Cover
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Apoptygma Berzerk You And Me Against The World


  • Label: Gun/SonyBMG
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
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Wenn eine Band zu einem Major-Label wechselt, hat das viele Gründe, aber vor allem finanzielle. Mit einem Major im Rücken bekommt man mehr Aufmerksamkeit = mehr Leute kennen dich = mehr Leute kaufen deine Platten. Das muss sich auch Stephan Groth gedacht haben und wechselte zu Gun Records, die im Vertrieb von SonyBMG sind. Erstaunlicherweise ändert sich bei solchen Wechseln auch gleich die Qualität. Früher musste man auffallen, um Geld zu machen, nun hat man’s gerade bekommen und muss sich keine Mühe mehr geben. Ob sich Groth, der hinter Apoptygma Berzerk steckt, das auch gedacht hat, sei mal dahingestellt. Auffällig ist auf jeden Fall, dass das, was wir auf „You And Me Against The World“ hören, nicht mehr viel mit dem zu tun hat, was man früher von Apoptygma Berzerk hören durfte.

Wie bereits beim 2002er-Album „Harmonizer“, wird auch hier der Weg in die Charts angestrebt. Nur diesmal versucht man sich wieder dem Debüt „Soli Deo Gloria“ und dem Hit-Album „Welcome To Earth“ anzunähern. Das Intro „Tuning in again“ hält, was der Titel verspricht und ist eine Einleitung in das Album. Mit dem ansteigenden Tempo des Synthesizers und dem verzerrten Gesang von Groth wird angedeutet, was der Fan hier zu erwarten hat. Leider bekommt er dann bloß die Single „In this together“ zu hören. Die Musik ist wie eine handelsübliche Synthesizer-Hymne gestrickt, herausstechend ist jedoch der Gesang, der eine schöne Melodie hat. Auch „Love to blame“ ist eine Hymne, die aber nur im Refrain ihre Stärken entfalten kann und es fällt auf, dass das Album weiter abbaut. Das nachfolgende „You keep me from breaking apart“ ist endgültig der Tiefpunkt. So langweilig, wie zu der uninspirierten Musik gesungen wird, ist es kaum zu ertragen.

Dann geht die Sonne geht auf. Zwar nur kurz, aber es reicht. Die lustigen Synthies und die vorantreibenden Drums in dem Kim-Wilde-Cover „Cambodia“ gehen voll auf und geben dem Hörer zum ersten Mal das Gefühl, dass da jemand Spaß an seiner Musik hat. Zumindest ist der Gesang nicht mehr so bemüht oder sogar langweilig, sondern lebt zum ersten Mal dem fünften Album des Norwegers auf. Auch das nachfolgende „Back on track“ ist mit seinen Frauenstimmen-ähnlichen Synthie-Sound eine Bereicherung für die Pop-Welt. Doch genug der frohen Worte.

Meistens fehlt den Songs der gewisse Mut, auch mal Effekte, die länger als 3 Sekunden lang sind, einzubauen („Tuning to the frequency of your soul“). Aber vermutlich wäre dieses Unterfangen ein zu großer Schritt in Richtung Electronica. Der Schritt in Richtung Rock war dem Künstler anscheinend wichtiger. Klassisch rockt Groth durch „Maze“ mit verzerrten Gitarren, entzündbaren Riffs und wuchtigen Drums. Ebenfalls störend: Der übertriebene Pathos, der allenfalls kitschig wirkt. Natürlich zitiert der Künstler die unvermeidlichen Depeche Mode und denkt auch mal an The Cure. Vorsichtig sollte man bei „Mercy kill“ sein. Ein Lied, das man sich durchaus schön hören kann.

Absolute Fans werden von dem Album ebenso begeistert sein, wie bei den vorigen Werken. Alle anderen sollten sich zweimal überlegen, ob sie sich „You And Me Against The World“ wirklich antun wollen oder doch lieber ihr Geld für sinnvolleres aus dem Fenster schmeißen sollen.

Anspieltipps:

  • Cambodia
  • Back on track
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