Emmerhoff And The Melancholy Babies - Electric Reverie - Cover
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Emmerhoff And The Melancholy Babies Electric Reverie


  • Label: DevilDuck/SOULFOOD
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie stellen Sie sich einen typischen Tag im Leben eines norwegischen Songwriters vor? Er sitzt an der Küste und lässt seine Blicke über das Meer am Horizont streifen oder er sitzt an einem kleinen Fluss mit seiner Angel und schaut einem Troll zu, wie er über die Landschaft wandert, während der Songwriter seine ganze Melancholie auf Papier kritzelt. Gunnar Emmerhoff schreibt seine Lieder bestimmt nicht so, aber es wäre interessant, wenn wenigstens eines dieser Klischees für irgendjemanden zutreffen würde. Emmerhoff hingegen arbeitet intensiv mit seiner Band The Melancholy Babies zusammen, was die unglaubliche musikalische Dichte seiner Musik erklärt. Der aus Bergen stammende Norweger hat sich 1996 mit einigen Musikern zusammengesetzt, um sein Soloalbum „The Joy Of Mourning“ live umzusetzen. Seit 1998 nennt sich das Line-Up nun „Emmerhoff & The Melancholy Babies“ und hat 2005 bereits das vierte Album fertig, das nun nicht nur in ihrer Heimat gefeiert werden soll, sondern auch endlich in Deutschland den Respekt bekommen soll, den es verdient.

„Electric Reverie“ beginnt mit der bodenständiger Led-Zep-Hommage „Meltdown“. Emmerhoffs Stimme singt und akzentuiert in feinster Robert-Plant-Manier, während die Gitarristen Arild Vikane und Inge Joakim Rypdal kleine Jimmy-Page-Riffs einstreuen. Auch das nachfolgende „Sticks & stones“ trabt vorwärts, ohne zurück zuschauen und weiß sich erst bei „Afterglow“ zu bremsen. Die leichte Gitarrenmelodie und der Gesang, der im Refrain sogar an Travis-Frontmann Fran Healy erinnert, lassen den Hörer erst mal in sich zusammensacken und dem verträumten Bottleneck-Slide zuhören.

Mit „Cowboys“ ist eine Portishead-Coverversion vertreten, die sich perfekt in die rockige Melancholie der Norweger einlebt, obwohl der Song die einzige Elektronik-Offensive auf „Electric Reverie“ ist. In den restlichen Liedern wird mit elektronischen Elementen eher sparsam umgegangen („Black mark“, „New silence“). Dennoch ist „Cowboys“ eine würdige Coverversion, in der die Band den Aspekt des Songwritings hervorhebt. Dass Emmerhoff das Songwriting ebenso beherrscht wie seine englischen Kollegen, zeigt er dann in Stücken wie „Major/minor“, die durchaus genauso tragen wie die neuen Nick-Cave-Stücke. Dennoch ist eine gewisse Eintönigkeit in der Musik nicht vollkommen auszuschließen, obwohl gerade Schlagzeuger Iver Sandoey sein möglichstes tut, um dieses stilvoll zu überbrücken.

Highlight des Albums ist das unglaublich schöne „Into the black, towards the within“. Zunächst besticht das Stück nur durch Emmerhoffs ruhigen Gesang, den geradlinigen Drums, einer kleinen Gitarrenmelodie und einer Effekt-Gitarre. Im instrumentalen Refrain verwandelt sich die Melodie-Gitarre in eine Slide-Gitarre, die ihre sechs Akkorde so bezaubernd spielt, wofür eigentlich nur Jimmy Page bekannt war. Wer „Rain song“ kennt, weiß was hier gemeint ist. Nach dem zweiten Refrain bereitet sich das instrumentale Spektrum aus und mit dezenten Effekten und kleinen Melodien wird eine ganze musikalische Landschaft geschaffen, wie sie die Band selbst nur rezitieren kann.

Alles in allem ein respektables Album einer guten Band, die noch etwas daran arbeiten muss, dann man ihre Lieder nicht vergisst.

Anspieltipps:

  • Meltdown
  • New Silence
  • Into the Black, towards the within
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    6.5/10

    Islands
    • 2018    
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