Evanescence - The Open Door - Cover
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Evanescence The Open Door


  • Label: Epic/SonyBMG
  • Laufzeit: 54 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Obwohl es erst dreieinhalb Jahre her ist, kommt einen der immense Erfolg von Evanescence heute nahezu unvorstellbar vor. Das mit Hits gespickte Majordebüt „Fallen“ (04/2003) verkaufte sich weltweit 14 Millionen Mal und ließ die Band 18 Monate am Stück auf Welttournee um den Globus rotieren. In den USA hielt sich „Fallen“ gut zwei Jahre in den Billbord Charts und sackte zwei Grammys ein. Auch die Live-CD/DVD „Anywhere But Home“ (11/2004) wurde über eine Million Mal über die Ladentische gereicht.

Solche Absatzzahlen in so kurzer Zeit sind inzwischen wie ein Märchen aus 1000 und einer Nacht und wohl auch mit dem sehnsüchtig erwarteten Nachfolger „The Open Door“ nicht zu erzielen. Im Prinzip ist da ein Flop vorprogrammiert, denn besser kann es nicht werden. Zumal Evanescence auch den abrupten Ausstieg von Hauptsongwriter und Gitarrist Ben Moody im Oktober 2003 verkraften müssen. Dieser bastelt lieber an einer Solokarriere und versorgt Kolleginnen wie Avril Lavigne und Anastacia mit Hits. Außerdem lieferten sich die Musiker einen heftigen Rechtsstreit mit ihrem ehemaligen Manager, Gitarrist Terry Balsamo (Ex-Cold) erlitt einen Schlaganfall und Sängerin Amy Lee trennte sich von ihrem Freund Shaun Morgan, dem Sänger der Band Seether. Es gibt gewiss bessere Rahmenbedingungen, um an einem Album zu arbeiten...

Nun ja, irgendwie haben es Evanescence dann doch geschafft. Alleiniger Boss ist nun Amy Lee, die die meisten Stücke komponierte und auch die Texte schrieb. Gitarrist Terry Balsamo fungiert als Co-Komponist und der ehemalige „Ugly Kid Joe“-Gitarrist Dave Fortman (Bif Naked, Mudvayne, 12 Stones, BoySetsFire) war als Produzent tätig. Dennoch thront über allem die Frage: Wie meistern Evanescence den ersten Longplayer ohne Ben Moody? Die Antwort lautet: Anfänglich geht es noch gut, dann kippt das Album total ins Belanglose weg.

Natürlich hat sich die Band ihre erfolgserprobten Markenzeichen erhalten. Der Songaufbau ist gewohnt dramatisch mit Pianoklängen, Streichern, großen Chören und reichlich Bombast. Und das markante, andere sagen auch nervtötende, Organ der 24jährigen Amy Lee, das mit Pathos nur so um sich schmeißt, ist selbstverständlich auch auf „The Open Door“ unverkennbar. Damit schippern Fräulein Lee, Herr Balsamo, John LeCompt (Gitarre), Will Boyd (Bass) und Rocky Gray (Drums) durch 13 poppige Pseudo-Goth-Metal-Tracks, die mit zunehmender Spieldauer erst langweilen und dann nur noch auf die Nerven gehen. Die Gitarren, die anfänglich richtig zu gefallen wussten („Sweet sacrifice“, „Call me when you’re sober“), spielen eine immer geringer werdende Rolle, während Amy Lee mit ihrem stimmlichen Schneidbrenner durch sinnlosen Orchesterquark („Lacrymosa“), nie auf den Punkt kommende Balladen („Like you“, „Lose control“) und mit einer Spur Industrial und TripHop versetzte Songs („Cloud nine“, „Snow white queen“, „The only one“) jodelt.

Mit „The Open Door” legen Evanescence ein ganz fieses Stück Musik vor. Nämlich ein seelenlos vor sich hin dudelndes Album mit klinisch reinem Gothic-Pop, der wiederum mit ein paar harmlosen Nu-Metal-Gitarren angereichert wurde, um so auf die Suche nach ein paar Millionen Käufern zu gehen. Im Vergleich zum Vorgänger ist das einfach nur bitter enttäuschend und künstlerisch ziemlich limitiert. Schade.

Anspieltipps:

  • Cloud nine
  • Sweet sacrifice
  • Call me when you’re sober
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