Slipknot - 9.0: Live - Cover
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Slipknot 9.0: Live


  • Label: Roadrunner/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 118 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist mal wieder Halloween. Wie, das ist nur in den Vereinigten Staaten von Bedeutung? Nun ja, durch die Überlieferung aus hundert Hollywoodfilmen und amerikanischen TV-Serien hält dieses Fest seit einigen Jahren in abgeschwächter Form auch bei uns Einzug. Man muss zugeben, es ist schon witzig, wenn man sieht, wie sich selbst die kleinsten als Vampir oder Dracula verkleiden und mit einem kleinen Kübelchen durch die Straßen ziehen um „Süßes oder Saures“ zu plärren. In Europa gibt es zwar nur vereinzelt wirklich einen bösen Streich, wenn mal keine Gummibärchen oder Zuckerstangen für die Kids rausschauen, aber amüsant ist es immerhin. Das mit dem Verkleiden ist allerdings so eine Sache. Die einen finden es total lächerlich, die anderen warten schon das ganze Jahr darauf sich endlich mal wieder außer an Fasching zu kostümieren.

Auf diese Wartezeit wollten allerdings neun Kerle aus Des Moines, Iowa nicht warten und haben kurzerhand beschlossen, sich jeden Tag, wenn sie gemeinsam unterwegs sind, abscheuliche Masken über den Gehirnkürbis zu ziehen. Zusätzlich kommen sie noch auf die aberwitzige Idee, sich anstatt ihrer normalen Namen Nummern zu geben und gleich mal eine Band zu gründen. Die Jungs veröffentlichen aus eigener Tasche die Platte „Mate.Feed.Kill.Repeat“, limitieren sie auf wenige Kopien, bekommen dadurch mehr und mehr Aufmerksamkeit (vor allem durch den Auftritt mit den Masken) und landen bei Roadrunner Records. Dort veröffentlichen sie 1999 das Album „Slipknot“, das doppelt Platin erhält und zugleich ihr Bandname sein sollte. „Iowa“ (2001) und „Vol.3: (The Subliminal Verses)“ (2004) folgen und werden ebenfalls mehrfach veredelt.

Sid (Turntables, #0), Joey (Schlagzeug, #1), Paul (Bass, #2), Chris (Schlagzeug, #3), James (Gitarre, #4), Craig (Mischpult, #5), Shawn (Schlagzeug, #6), Mick (Gitarre, #7) und Corey (Gesang, #8) legen mit „9.0: Live“ einen Querschnitt der letzten drei Alben vor, den sie auf der Welttournee zum letzten Album aufgezeichnet haben. Eine DVD zu dieser Veröffentlichung würde nur wenig Sinn machen, da ein Großteil der Songs, die hier vertreten sind, auf der Live-DVD „Disasterpieces“ zu finden ist. Einzig und allein von den neuen Stücken war dort noch nichts zu sehen. Die Auswahl der Tracks hält sich ziemlich die Waage, lediglich eine kleine stärkere Gewichtung auf das erste Album ist ersichtlich, was wohl an der Kompromisslosigkeit des Frühwerkes und der möglichen, kraftvolleren Umsetzung liegt.

„Wenn wir auf der Bühne sind, die Akkorde dröhnen und das Schlagzeug prügelt, wenn wir uns gegenseitig ansehen – ungefähr so muss es sich anfühlen, wenn du stirbst. Es gab nicht eine Show, bei der ich auf die Bühne ging, ohne mir zu sagen, dass dies mein letzter Tag in dieser Welt sein könnte“ erklärt Nummer 6 und vorhergehende Aussage des Redakteurs verliert an Aussagekraft. Und tatsächlich, wenn man sich „9.0: Live“ am Stück anhört, merkt man, dass die Jungs alles geben. Zumindest fünf davon. Wirklich aus dem Vollen schöpft der Neuner nämlich nicht, die Überbevölkerung auf der Bühne ist für das Ohr nicht hörbar. Da muss man dann schon einen Videomitschnitt (z.B. „Disasterpieces“) zu Rate ziehen, um beurteilen zu können, wer wann was macht. Und auch mit Bild fragt man sich, was das Gescratche von Nummer 5 soll. Auf CD ist es mitunter nämlich ziemlich fehl am Platz, wenn das Schlagzeug gerade wie eine Maschinengewehrsalve abgeht und plötzlich an einer Vinylscheibe herumgespielt wird.

Kommt zwar nicht oft vor, verstärkt daher aber umso mehr die Frage, wieso Mr. DJ nicht außen vor gelassen wird und Slipknot zukünftig als Octopus auf den Maskenball gehen. Nichts aussetzen kann man an der Songauswahl. Für den richtigen Fan muss es schließlich kein „My plague“ sein, dem ist ein vor Energie und Schnelligkeit strotzendes Stück sowieso lieber, deswegen bemühen sich die Jungs ihre härteren Songs, die sie noch nie live gespielt haben, zum ersten Mal zu performen wie z.B. „Skin ticket“. Es darf sogar ein Schlagzeugsolo vernommen werden, das als Brücke zwischen den Tracks eine Abwechslung zum sonstigen Kreischen der Fans oder Geplapper von Nummer 8 ist. Über die Qualität mancher gewaltverherrlichender Songs der Band lässt sich streiten, rein musikalisch gesehen auch, eins muss man ihnen aber lassen: Sie wissen es wie man die Menge anheizt, die Masse zum Toben bringt und selber Spaß daran hat.

Anspieltipps:

  • Purity
  • Wait And Bleed
  • The Heretic Anthem
  • Pulse Of The Maggots
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