Midnight Choir - All Tomorrow´s Tears: The Best Of - Cover
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Midnight Choir All Tomorrow´s Tears: The Best Of


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 135 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Midnight Choir war ein norwegisches Trio um Paal Flaata, Atle Byström und Ron Olson, welche in ihrer zehnjährigen Bandgeschichte so einige Meisterwerke melancholischer Art auf höchst musikalischem Niveau kreiert haben. Die Drei blicken auf fünf Alben und sechs Singles zurück, die bis auf das stark an Americana-Sounds orientierte, selbstbetitelte Debütalbum Epen an die von Schönheit entworfene Melancholie und tiefgreifende Sehnsucht aufweisen. Der Abschied von den Norwegern schmerzt, denn Midnight Choir standen für sich und boten stets eine herzerwärmende Reise in die von Trauer geplagte Seele. Diese Reise unternahmen sie nur sehr selten alleine. So wurde meist von Walkabouts-Chef Chris Eckman produziert und mitmusiziert. Seine Mitstreiter aus dem Walkabouts-Camp, Terri Moeller und Carla Torgerson, guckten ebenfalls desöfteren vorbei und halfen Midnight Choir, diesen nun zu einer Best-Of zusammengefassten Weg zu gehen.

Unterstützung fand sich bei vielen Musikern. Auch ein Großteil von Talk Talk erschien in den Studios. Streicher- und Chorarrangements kamen schon mal von Tim Friese-Greene, am Schlagzeug saß Lee Harris und als Engineer setzte sich Phill Brown in Szene.

Diese Doppel-CD enthält ein geschmackvolles Booklet mit allen Lyrics und Linernotes. Aber was noch viel wichtiger ist: 28 Songs, bei denen jeder einzelne Track dem stolzen Anblick unzähliger den Himmel erleuchtender Sterne gleicht. Das nahezu zehnminütige „Long Time Ago“ ist trotz opulenter Chorstimmen und höchst emotionaler Streicher keineswegs überfrachtet. In Zeitlupe schwebt man gen Unendlichkeit und Sänger Paal Flaata (der zum Glück solo weitermacht) schmachtet in bester Lonesome Man-Tradition, so dass die Gänsehaut nicht lange auf sich warten lässt. Sie ist gar eine logische Folge aus Songs wie „Will You Carry Me Across The Water?“, „Mercy Of Maria“ und vielen anderen manchmal reduzierten und sich dann in emotionale Höhen schraubenden Tracks. „Gypsy Rider“ bietet Country, ohne die Pfade der Melancholie zu verlassen. Durch die umschmeichelnde Stimme Paal Flaatas und sanfte Instrumentierung ist den Herren aus Norwegen die Verzauberung des Hörers gewiss, egal ob in Form von Americana oder zerbrechlichen Introspektiven.

Zwischen Schmerz und Trotzigkeit pendelt „The Ballad Of Emma DeLoner“, eine Ode an die Vergänglichkeit der Liebe. Die wunderbare Carla Torgerson (The Walkabouts) vervollständigt im Duett mit Paal den passionierten Schmerz. Herzerweichende Stringarrangements machen diesen Song dann endgültig zum Lebensretter. Es sind zu viele Perlen auf diesen zwei CDs, um sie hier alle zu nennen. Diese Best-Of macht ihrem Namen alle Ehre und ist dazu verdammt, nicht mehr aus dem Player verschwinden zu wollen. 28 Songs für Menschen, die ihre Seele noch nicht verkauft haben und echte Gefühle in der Musik über alles schätzen. Die eigentlich unabdingbare Höchstwertung bleibt nur aus dem Grund aus, weil die einzelnen Alben in sich geschlossen noch einen Tick besser wirken. Trotzdem sind die beiden CDs traumhaft kompiliert und gerade für Neueinsteiger eine ausdrückliche Kaufempfehlung.

Anspieltipps:

  • Jeff Bridges
  • Mercy Of Maria
  • The Ballad Of Emma DeLoner
  • Waiting For The Bricks To Fall
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