Kieran McMahon - Falling Deeper Under A Spell - Cover
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Kieran McMahon Falling Deeper Under A Spell


  • Label: Lasso/SOULFOOD
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Kieran McMahon ist gebürtiger Ire und wuchs mit seinen acht Geschwistern in der konfessionell gespaltenen und von Anschlägen heimgesuchten Stadt Belfast auf. Es liegt auf der Hand, dass ihn diese Situation prägte und wohl auch einen Grund für die Liebe zur Kunstform Musik darstellte. Diese Liebe ließ ihn nicht los, war die Musik doch die nahezu einzige Flucht aus den Trümmern und dem Frust. Kieran war und ist stets auf der Suche und fand seine Passion in Kollaborationen und gemeinsamen Konzerten mit den unterschiedlichsten Künstlern. Doch der Mittdreißiger strebte nach Eigenständigkeit. So landete sein Demo in den Händen des Managers von David Gray und der zeigte sich begeistert. Der Glaube an sich selbst und die gewonnenen Kontakte ließen Kieran McMahon nach Berlin umsiedeln. Dort kam er zu seinem Produzenten Guy Sternberg (Maximilian Hecker, 2Raumwohnung) und arbeitete voller Leidenschaft an seinem Debütalbum „Falling Deeper Under A Spell“, welches nun das Licht der Welt erblickt.

Das mit befreundeten Musikern aufgenommene Werk startet mit „Everybody´s A Fool Sometimes“ und luftigem Folkpop. Die Harmonien vergnügen sich und bleiben doch etwas blass. Wirklich ergreifend ist dagegen der Titelsong: Ein melancholisches Glanzlicht mit dem Mut zur Reduziertheit. Kierans leidenschaftlicher Gesang und umtriebige Akustikgitarren nebst Streichern gleichen einem Hauch innigster Gefühle. Das Niveau der Songs schwankt und beschert uns in „Getting Lost Inside Myself“ einen kleinen Tiefpunkt. Zuckrige Orchestersounds und eine schwülstige Stimmung meinen es etwas zu gut mit dem zarten Songwriting und tragen eine viel zu dicke Schicht über den tollen Arrangements auf, so dass diese nicht anders können, als erdrückt zu werden.

„Thinkers Don´t Sleep“ ist dagegen ein echter Ohrwurm, der mit angenehmer Rhythmik daherkommt und gar groovt. Dunkler Charme und das betörende Organ lassen verspielter Eleganz den nötigen Raum, um sich ohne Umwege in das Herz des Hörers zu spielen. Bedächtig offenbart „Do You Think I´m Blind” eine zerbrechliche Note, die man gar nicht nahe genug an sich herankommen lassen mag. Die sensible Stimmung erreicht im Laufe des Songs direkt die Seele und schenkt ihr Wohligkeit.

Gerade die zurückgenommenen Tracks, wie auch das Schlusslicht „Don´t Want The Night To End“ überzeugen und beinhalten ein gewisses Suchtpotenzial. Dieses wird leider durch aufdringliche Momente reduziert, in denen das Stringorchester kitschig agiert und einem die Opulenz förmlich aufzwingt. Die naturbelassene Essenz des Folks rückt manchmal in den Hintergrund, obwohl gerade die charmanten, leisen Töne am besten herüberkommen und Kieran McMahon durch den konsequenteren Umgang damit ein wirklich tolles Werk geschaffen hätte. So bleibt es nur knapp über dem Mittelmaß. Ein Album mit betörenden Höhepunkten und ernüchternder Landung.

Anspieltipps:

  • Falling Deeper Under A Spell
  • Thinkers Don´t Sleep
  • Do You Think I´m Blind
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