Bap - Dreimal Zehn Jahre - Cover
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Bap Dreimal Zehn Jahre


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 160 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Aufpolierte alte Bap-Stücke, wie man es schon in Teilen vom „Tonfilm“-Album kennt.

Es hätte zur lästigen Pflichtübung der Plattenfirma verkommen können, das Thema „30 Jahre Bap“. Schnell eine „Best Of“-CD nebst DVD auf den Markt geschmissen – und fertig! Doch das wäre zu einfach und Baps Bedeutung für die deutsche Rockmusik nicht angemessen gewesen. So hat sich Wolfgang Niedecken 28 Songs geschnappt und diese mit der aktuellen Besetzung (Werner Kopal, Helmut Krumminga, Michael Nass, Jürgen Zöller) neu arrangiert. Dazu lud er sich ein paar bekannte Gäste ins Studio ein, um einige Tracks als Duett-Versionen einzuspielen.

So erleben wir Xavier Naidoo („Dir allein“), Thomas D. („Verdamp lang her“), Nino Skrotzki („Fortsetzung folgt“), Meret Becker („Paar Daach fröher“), Marta Jandová („Lena“), Henning Wehland („Widderlich“), Laith Al-Deen („Kristallnaach“), Hubert von Goisern („Rita, mir zwei“), Culcha Candela („Time is cash, Time is money“) sowie Ray Davies von den Kinks („Hollywood Boulevard“) als Duettpartner. Daneben werden mit „Dreimohl zehn Johre“ und „Nähxte Stadt“ zwei ganz nette neue Stücke und von „Verdamp lang her“ noch eine weitere (vollkölsche) Version präsentiert. Dazu gibt Herbert Grönemeyer mit „Einmal nur in unserem Leben“ ein sehr persönliches Geburtstagsständchen zum Besten. Insgesamt kommen somit 32 Songs plus einer über 100-minütigen DVD zusammen, die neben ein paar Studioimpressionen auch Interviews und den obligatorischen Blick hinter die Kulissen bietet.

Das Aufpolieren alter Bap-Stücke kennt man ja schon in Teilen vom „Tonfilm“-Album (1999). Für „Dreimal zehn Jahre“ ist dieses Konzept noch radikaler vorangetrieben worden. Deshalb werden besonders die alten Bap-Fans daran zu knabbern haben, was aus den Melodien und Riffs von Ex-Gitarrist Klaus Heuser geworden ist. Oft wirkt es so, als würde sich diese Band selber covern, was natürlich nicht einer gewissen Spannung entbehrt. So wirkt ein zu Tode gedudelter Titel wie „Verdamp lang her“ plötzlich wieder interessant, weil Rapper Thomas D. von den Fantastischen Vier mit glasklarem Hochdeutsch durch das nuschelige Kölsch Wolfgang Niedeckens fährt. Sicher, gefallen wird das nicht jedem, aber der Spannung tut dies gut. Genau wie H-Blockx-Shouter Henning Wehland in „Widderlich“ wieder mal beweist, dass er gar nicht singen kann oder wie Xavier Naidoo selbst bei Fremdkompositionen wie „Dir allein“ den Prediger heraushängen lässt.

Meret Becker liefert bei „Paar Daach fröher“ eine einfühlsame Gesangsleistung ab und in „Lena“ wird eine Doors-Orgel mit der zurückgenommenen Performance von Marta Jandová (Die Happy) gekreuzt. Eigentlich gar nicht schlecht, wenn auch mitunter etwas gewöhnungsbedürftig. Auf jeden Fall ist „Dreimal zehn Jahre“ eine abwechslungsreiche und durchweg spannende Art, ein 30-jähriges Bandjubiläum zu begehen. Und wer kann das heute noch behaupten, in Zeiten des schnellen Abkassierens?

Anspieltipps:

  • Lena
  • Jraaduss
  • Aff un zu
  • Ahnunfürsich
  • Paar Daach fröher
  • Helfe kann dir keiner
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