New Model Army - Carnival - Cover
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New Model Army Carnival


  • Label: Attack Attack/Rough Trade
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ungezügelt geben sich New Model Army auf „Carnival“ vertracktem Rock und Northern Soul hin.

Es ist keine Übertreibung, wenn man New Model Army zu den wichtigsten und beständigsten Rockformationen zählt, die immer soziale Missstände und politische Irrfahrten in ihren Texten offen gelegt haben, ohne in Weltverbesserungs-Attitüden unterzugehen. 25 Jahre und 8 Studioalben haben die Recken um Justin Sullivan hinter sich. Doch ein Ende ist zum Glück nicht abzusehen. Das beweist ihr neuntes Album „Carnival“, welches von Chris Tsandagrides und der Band aus Bradford produziert wurde. Norhern Soul und Punk-Wurzeln vereinen sich mit Folk sowie Rock in der typischen New Model Army-Mischung. Zum ersten Mal greift Tastemann Dean White zur Gitarre, die im Zweiergespann mit Leadgitarrist Dave Blomberg eine neue, druckvolle Kraft in die Umlaufbahn befördert.

Das lauernde Drumming im Opener „Water“ mündet im hymnischen Refrain, den Justin Sullivan wie gewohnt entschlossen zelebriert. Die Stimme und die Rhythmussektion machen nach wie vor den New Model Army-Sound aus, wie es schon beim ersten Track deutlich herüberkommt. Ein mystischer Break erhält die Spannung, die nachfolgend in Gitarrenwänden entladen wird. „BD3“ kommt mit Sprechgesang und einer gewissen Hip Hop-Ästhetik daher, die im Refrain allerdings schnell verflogen ist und melodischeren Momenten, besonders hervorgehoben durch grandiose Gitarren, Raum lässt. Rasend duelliert sich Justin Sullivan mit den Backing Vocals. Die Wut ist harmonisch einwandfrei verpackt und gibt sich in den Texten traditionell intelligent. Wo andere Bands Parolen schmettern, lesen New Model Army zwischen den Zeilen und analysieren, um dann doch zielgerichtet ihre Kritik zu präsentieren.

Nach einem wütenden Anfang, gibt sich „Carlisle Road“ in der Tradition eines „Green And Grey“. Ruhig Songstrukturen wandern in Richtung Melancholie, die allein vom Drumming, zarten Gitarren und Justins Gesang getragen wird. Eine gewisse Wut wohnt allerdings auch in diesem Stück inne, denn partiell eingesetzte Gitarrenwände lassen uns aus dem Traum erwachen. So direkt und manchmal sogar noisig haben wir New Model Army lange nicht mehr gesehen. Die letzten Jahre haben die Band aus Bradford wieder erstarken lassen. Wie sollte es auch anders sein, denn mehr als noch vor wenigen Jahren ist die Notwendigkeit für politische Musik wieder enorm präsent. Der raue Sound und die unpolierten Passagen sind sicherlich auch auf die sich zuspitzende Weltpolitik zurückzuführen.

Menschliche Schicksale, hervorgerufen durch politische Regime, werden in „Another Imperial Day“ verarbeitet. Textpassagen wie „Oil is free to move, jobs are free to move, money is free to move, but not people“ sprechen eine deutliche Sprache. Unnachahmlich persönlich singt Justin, während ein starker Bandsound druckvoll die Texte untermauert und selbst orientalische Klänge ihren Weg in das Gefüge finden. Ein ausgeklügeltes Songwriting unterstützt den Rockfaktor und lässt diesen Song zu einem echten Hit werden.

Diese Hits sind nicht flächendeckend auf dem Album verteilt, aber das sollte man von dieser renommierten Band auch nicht erwarten. Ungezügelt geben sich New Model Army auf „Carnival“ vertracktem Rock und Northern Soul hin. Eine Mixtur, die besonders durch ein frisches und teils krachiges Fundament aufhorchen lässt und uns beweist, dass die Herren erneut vollkommen authentisch ihre Visionen und Anklagen in die Welt tragen und dabei nicht auf solide bis hitverdächtige Songs verzichten müssen.

Anspieltipps:

  • Carlisle Road
  • Too Close To The Sun
  • Another Imperial Day
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