Opeth - Ghost Reveries - Cover
Große Ansicht

Opeth Ghost Reveries


  • Label: Roadrunner/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 67 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Was „Ghost Reveries“ trotz aller Kompositionskunst fehlt, sind die wirklich überraschenden und einprägsamen Momente.

Nach der von Erfolg gekrönten Prog-Death-Rebellion aus desillusionierten deutschen Landen, machen sich Opeth nun daran, den Thron zurückzuerobern. Mit „Ghost Reveries“ gelingt ihnen die überzeugende Symbiose aus den beiden ureigensten Elementen, die auf den letzten Studioalben noch separiert waren – und damit die Rückbesinnung auf vergangene Tage, als die Band noch im „Blackwater Park“ ihr Unwesen trieb. Und so klingt der Opener „Ghost of perdition“ wie eine aufgemöbelte Version von „The leper affinity“, die ihre fast nahtlose Fortsetzung in „The baying of the hounds“ findet. Anfangs noch einer der härteren, gegrowlteren Titel des Albums, zeigt sich das Lied im Lauf der Zeit von seiner immer ruhigeren und melodischeren Seite, bevor es zum Schluss ein weiteres Mal die Kurve kriegt.

Von orientalischen Klängen getragen, sorgt „Beneath the mire“ für ein gesundes Maß an Verwunderung, die nur zwischenzeitlich von alt vertrauten Opeth-Trademarks unterbrochen wird, um schließlich psychedelisch in das nun folgende „Atonement“ überzuleiten, welches mit beinah schüchterner, abermals orientalisch angehauchter Instrumentierung und Akerfeldts sehr zurückhaltendem, ja gehauchtem Gesang an die Frühwerke der Band seines Freundes und Mentors Steven Wilson (Porcupine Tree) erinnert. Ein für Opeth-Verhältnisse sehr atypisches Lied, das sich wohltuend vom restlichen Material abhebt.

Im längsten und besten Song des Albums paaren sich Eingängigkeit mit Melodie und Aggressivität. Herausragend an „Reverie/Harlequin forest“ ist vor Allem der Gesang. So gut hat man Mikael Akerfeldt nicht mal auf „Ayreon – The human equation“ singen hören. Man glaubt gar nicht, dass dieser Mann auch zum Grunzen fähig ist. Ähnliches gilt für „Hours of wealth“, das sich noch gediegener als „Atonement“ gibt. Ungeheuer atmosphärisch geht es mit „The grand conjuration“ zu. Das Lied entspricht wohl am meisten der Stimmung, die das unheimliche Album-Cover suggeriert. Das zehnminütige Düster-Epos wäre aus rein musikalischer Sicht zwar der gelungenere Abschluss der Gruseltragödie, aber auf das schöne „Isolation years“ würde man dann doch nicht verzichten wollen.

Was „Ghost Reveries“ trotz aller Kompositionskunst fehlt, sind die wirklich überraschenden und einprägsamen Momente. Wann immer in den längeren Liedern eine ruhige Passage mit cleanem Gesang dominiert, kann man sich so gut wie sicher sein, dass diese in aggressivem Growling und Death-Geprügel mündet. Das Werk mag in sich geschlossener wirken, doch weist es nicht die eindrucksvolle Nachhaltigkeit von „Disillusion – Back to times of splendor“ auf. Wenn jenes Werk ein Hurrikan ist, dann ist dieses nur ein Tornado.

Anspieltipps:

  • Atonement
  • Beneath the mire
  • Ghost of Perdition
  • The grand conjuration
  • Reverie/Harlequin forest
Neue Kritiken im Genre „Progressive Metal“
Diskutiere über „Opeth“
comments powered by Disqus