Morning Runner - Wilderness Is Paradise Now - Cover
Große Ansicht

Morning Runner Wilderness Is Paradise Now


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Manchmal kann Marketing so einfach und kostengünstig sein: Da lässt Chris Martin von Coldplay in einem Nebensatz fallen, dass die Newcomer von Morning Runner total knorke sind und irgendwie die Nachfolger seiner eigenen Band sein könnten und schon läuft die Maschinerie. Aus dem Indie-Plattenvertrag mit Faith & Hope Records wird ein Majordeal mit Parlophone/EMI, wo auch Coldplay unter Vertrag sind. Aus Tingeleien über Englands Dörfer werden Support Shows von Bloc Party, Ian Brown, The Magic Numbers, Athlete und, natürlich, Coldplay.

Bis dahin gibt es zwar noch kein Album, aber auch das lässt nicht lange auf sich warten. Mit John Cornfield (Supergrass, Razorlight, Athlete) entstand über einen Zeitraum von neun Monaten das Debütalbum „Wilderness Is Paradise Now“, das Matthew Greener (Gesang, Gitarre), Tom Derrett (Bass), Chris Wheatcroft (Keyboards) und Ali Clewer (Drums) in eine Reihe mit den Chef-Melancholikern von Starsailor, Keane und, na klar, Coldplay stellt. Ein bisschen verspätet vielleicht, denn der Melancholie-Boom ist auch nicht mehr das, was er noch vor zwei, drei Jahren war. Aber für gute Musik ist es eigentlich nie zu spät.

Warum Chris Martin schon Monate vor der Album-Veröffentlichung so sehr über Mastermind Matthew Greener und Morning Runner geschwärmt hat, bedarf auf „Wilderness Is Paradise Now“ eine Anlaufzeit von drei Songs, denn blüht mit „Burning benches“ ein bombastischer Coldplay-Epigone am BritPop-Himmelszelt auf, der den Hörer auf einen Schlag verstehen lässt. Die Jungs aus Reading, Berkshire, dort wo alljährlich eines der größten Rock-Festivals steigt, platzieren die Noten genau zwischen „Clocks“ und „Yellow“ und empfehlen sich damit ebenfalls als eine Band für die großen Gesten. Sie spicken ihre Lieder mit Streichern und wunderbaren Piano-Arrangements und heulen sich so richtig aus.

Die Texte sind zwar nicht frei von Phrasen, gehen aber sehr schön auf die persönlichen Befindlichkeiten von Matthew Greener ein bzw. schildern kleine Alltagsbeobachtungen im Umfeld des Sängers, dargeboten in federleichten, halbakustischen Nummern mit theatralischen Eruptionen („The great escape“), verpackt in hymnische Melodien („Be all you want me to be“, „Punching walls“, „Best for you“) und mit einer minimalen Prise Rockmusik gewürzt („Work“). Das ist verhältnismäßig gut für ein Debüt. Okay, gewiss nicht so genial wie Coldplay auf „Parachutes“ oder „A Rush Of Blood To The Head“ und nicht so melodietrunken wie Keane auf „Hopes And Fears“, aber wir hatten ja bereits festgestellt, dass Morning Runner einfach etwas zu spät dran sind.

Anspieltipps:

  • Oceans
  • Punching walls
  • Burning benches
  • Gone up in flames
  • Be all you want me to be
Neue Kritiken im Genre „BritPop“
8/10

Urban Hymns (20th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Morning Runner“
comments powered by Disqus