David Gray - Life In Slow Motion - Cover
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David Gray Life In Slow Motion


  • Label: EastWest/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Trotz des großen künstlerischen Mutes, ist nicht alles auf „Life In Slow Motion“ gut.

Wenn man als 35jähriger Musiker bereits acht CDs veröffentlicht hat, stellt man sich zurecht die Frage, warum dieser Mensch immer noch Musik macht. Hat er nicht schon alles gesagt und ist er kreativ nicht bereits ausgelaugt? Wenn man den Opener von David Grays neuem Albums „Life In Slow Motion“ hört, muss man zweifelnd den Kopf schütteln, wenn Streicher, Drums und Gesang eine Symphonie der Popmusik bilden. „Alibi“ ist nicht abgedroschen, sondern einfach nur bezaubernd. David Gray, kommen Sie rein, hier sind Sie zuhause!

Gray klingt immer noch leicht nach Elton John und das wird durch die Pianoballade „Alibi“ nicht gerade reduziert. Die Gitarre hat der Engländer vornehm zur Seite gestellt und bedient sich den großen Arrangements mit Streichern und Bläsern. Die Zeiten mit Notebook und Gitarre sind vorbei. Ebenso die Loops und das Soundbasteln, wegen dem das 2002er Album „New Day At Midnight“ etwas gelitten hat, obwohl das Konzept beim vorigen Album „White Ladder“ (1999) noch aufregend war.

Die authentische Musik tut dem Mann mit dieser unglaublich kraftvollen Stimme wirklich gut! Dennoch kommt er nicht ganz ohne aus. Das schöne „Lately“ kommt wieder nur mit Gitarre, schönen Melodien und kleinen Effekten herum und man möchte das kleine Lied nicht so schnell wieder loslassen. Dazu kommt das großartige Songwriting, wenn er singt „Taste the broken hearts / in the vacant lots / See the fruit that rots on the trees / Try to turn my head / Leave it all for dead / But ist in my mind always / Honey latetly I’ve been way down / A load on my mind“. Nahezu jedes Lied auf dem neuen Album kommt nicht ohne großes Finale aus, sei es durch einfachste Dynamik, Backgroundgesang oder einsetzende Instrumente. Dazu kommt, dass die Anfänge sind sehr viel verhaltender sind. Gray lässt sich Zeit, um den Hörer in eine ganz eigene Welt zu geleiten („Slow motion“). Auch wenn das Einsteigen in manche Lieder etwas schwierig ist („Ain’t no love“), bekommt der Herr am Flügel dennoch die Kurve. Im Vers von „Ain’t no love“ klingt er sogar wie Nick Cave, nur wesentlich heller.

David Gray fand sehr spät zur Musik. Erst während seines Studiums begann er mit Punkmusik, hat sich dann aber schnell in ruhigere Gewässer begeben. Mit seinem Debüt „A Century Ends“ gelang ihm 1993 ein Achtungserfolg in England und auf dem europäischen Festland, während ihm in Irland sofort der große Durchbruch gelang. Erst 1999 wurde auch der Mainstream von David Gray erobert. „White Ladder“ verkaufte sich über eine Million Mal und gilt immer noch als eines der Standardwerke für die neue Generation des Folk, die sich mit Drum-Loops aus dem Notebook selbst bedienen.

Trotz des großen Mutes, ist nicht alles auf „Life In Slow Motion“ gut. Aber für „Nos da cariad“ und „From here you can almost see the sea“ gibt es ja eine Skip-Taste und nach einiger Zeit wächst einem sogar „Hospital food“ ans Herz. Den Abschluss macht „Disappearing world, ein Track zum gepflegten Zurücklehen. Man schließe die Augen und lasse die Augen über die Stadt, in der man lebt, wandern. Das Rauschen lässt dich tatsächlich glauben, dass du fliegen würdest und die kleinen Effekte sind die leisen Geräusche einer großen Stadt. Das zerstörende Finale lässt deine Stadt so schnell verschwinden, wie sie für dich aufgebaut wurde und zurück bleibt nur der Gedanke, dass dir dieser wunderbare Mann noch viele solcher großartigen Illusionen verschaffen kann.

Anspieltipps:

  • Alibi
  • Latley
  • Slow motion
  • Disappearing world
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