Helgi Jonsson - Gloandi - Cover
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Helgi Jonsson Gloandi


  • Label: Material Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Er hat schon mit Björk oder Sigur Ròs zusammengearbeitet und das aus gutem Grund. Geboren 1979 in Reykjavik, Island, interessierte er sich schon in frühen Jahren für die Musik, sein erstes Instrument war die Posaune. Es folgen Beteiligungen an diversen musikalischen Gruppierungen wie zum Beispiel „Bossanova“, die Jazz mit lateinamerikanischer Musik paaren, bis zu einem Abschluss am Reykjavik College of Music mit 19. Danach studierte er an der Kunst-Universität in Graz, begann beim „Iceland Symphony Orchestra“ zu spielen und bereiste als Mitglied der „Voices of Europe“ diverse europäische Kulturhauptstädte. Also ein mehr als ereignisreiches Leben in musikalischer Hinsicht. Im Zuge dessen kam es dann zu Kollaborationen mit den oben genannten wohl bekanntesten Musikexporten Islands. Auf seinem Debüt „Gloandi“ (bedeutet soviel wie „glühen“ oder „leuchten“) unterbreitet Helgi Jonsson zehn gefühlvolle, emotionsbetonte Singer/Songwriter-Popsongs mit einer gelungenen Abwechslung aus fragilen, leichtfüßigen Downtempotracks und rockigeren, flotteren Stücken.

Wenn man nochmals einen Blick auf Jonssons rege Entwicklung wirft, fragt man sich in welcher Sprache das Ganze denn lyrisch versehen ist – Deutsch, Englisch oder gar Isländisch? Nun ja, der Großteil der Songs ist in Englisch gehalten, lediglich der Titeltrack „Gloandi“ und „1993“ sind in seiner Heimatsprache, was dem Hörgenuss aber keinen Abbruch bietet, sondern zum Träumen und Entspannen anregt. Den Auftakt macht die erste Single „Make me fall“, die nicht nur die stimmlichen Qualitäten von Helgi Jonsson hervorhebt, sondern auch als radiotauglich gewertet werden darf. In die gleiche Sparte kann man „Lighting up for good“, das wohl rockigste Stück, das „Gloandi“ zu bieten hat, geben. BritPop-Anleihen Marke Travis oder Athlete gibt es in „Hali Hali“ zu hören, bei dem sich Jonssons Stimme in Matthew-Bellamy-Sphären (Muse) steigert. Isländische Schwermut ist dann das Stichwort bei den übrigen Tracks. Vor allem die beiden in isländisch gehaltenen Songs bieten dem Mann aus dem hohen Norden die beste Plattform um sich musikalisch auszudrücken. Keiner der anderen Songs bietet mehr Melancholie und düstere Momente wie „1993“ oder „Gloandi“. Streicher, Trompete, große Gefühle – einfach schön und doch so traurig. Souverän folgen „Orbital“, „Circles ashore“ und „Turnaround“ sind aber nicht die Offenbarung, wenn man sieht, zu was der Herr sonst im Stande ist.

Bevor die Platte den Ausklang („Outlines“) findet, wird das Tempo noch mal kurz mit „Water“, ein Kniefall vor dem kostbaren Segen vom Himmel, angezogen. Der Schlusstrack drosselt das Tempo dann wieder schnell und fährt mit schwerem elegischem Geschütz in Form von Jonssons Stimme und dezenten Instrumenten (Klavier, Gitarre) auf. Das ist wohl der einzige Track, der seinen isländischen Brüdern das Wasser reichen kann.

Quer durch „Gloandi“ hat man nie das Gefühl, künstlerisch oder mit langweiligen Parts allein gelassen zu werden, Helgi Jonsson versteht sein Handwerk, was die Platte beweist. Allerdings fehlt manchen Stücken das sprichwörtliche „gewisse Etwas“ um sich von genreähnlichen Produktionen abzuheben. Damit kratzt er mit seinem Debüt nur an den höheren Rängen, wohlwissend, dass er mit seinem nächsten Output garantiert auch in den Olymp aufzusteigen vermag.

Anspieltipps:

  • Gloandi
  • Outlines
  • Hali Hali
  • Make Me Fall
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