Julia Hummer And Too Many Boys - Downtown Cocoluccia - Cover
Große Ansicht

Julia Hummer And Too Many Boys Downtown Cocoluccia


  • Label: Strange Ways/INDIGO
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Julia Hummer ist Schauspielerin, womit wieder die zwecklose Diskussion anfängt, ob Schauspieler(innen) auch singen dürfen. Traurigerweise (oder zum Glück) ist dieses medienwirksame Instrument bei Julia Hummer nicht der Fall. Still und leise bringt sie ihr Debütalbum auf den Markt, hingegen wirken die Veröffentlichungen von Kollegen wie Robert Stadlober als wären es Feuerwerke. Womöglich, weil Hummer noch nicht zu der Sorte Jungschauspieler gehört, die durch bloße Anwesenheit Aufmerksamkeit erzielen.

Dass die Schauspielerin eine interessante Songwriterin ist, durfte sie schon im Film „99 Euro Films“ zeigen. 2004 wurde die Berlinerin von dem irischen Label Earsugar unter Vertrag genommen und veröffentlichte die Vinyl-Single „Boxy, where are the spangles? / Bowling in Woodstock“, die bald von der BBC als gut empfunden, aber in den deutschen Medien konsequent ignoriert wurde. Ebenso bei der Single „Our empire is“, die im Mai 2005 erschien. Erst das nun endlich erscheinende Album der Nachwuchsschauspielerin hat vereinzelt den Weg in die Medien gefunden, das aber zurecht, denn Julia Hummer präsentiert kantigen Folk-Pop auf hohen Songwriterniveau mit Lo-Fi-Produktion.

Das Album beginnt mit „True & innocent & untouched“ erfreulicherweise so, wie kein Album heutzutage mehr beginnt: Akkordeon, Schlagzeug, dann bläst Hummer dylaneske in die Mundharmonika und singt einen Text, der auch aus Connor Obersts Kopf entflogen sein könnte. Das großartige „Boxy, where are the spangles?“ kommt gewohnt und unverändert und wird durch das dezent im Hintergrund gehaltene Klavier nach vorne getrieben. Auch die anderen Songs, die bereits veröffentlicht wurden, sind unverändert aufs Album gekommen. Bei dem langsamen „Bowling in Woodstock“ offenbart sich auch gleich die größte Schwäche der Künstlerin: Hummers nasaler Gesang, der so rotzig rüberkommt, dass man ihr ein Taschentuch anbieten möchte. Aber sieht man mal von der gewöhnungsbedürftigen Stimme ab, ist „Downtown Cocoluccia“ ein schönes Album.

Wo dieser Ort liegt, der für den Namen herhalten muss, weiß wahrscheinlich nur Frau Hummer. Naheliegend wäre ein Fleckchen Erde in Berlin, das für das Artwork der CD hinhalten musste. Auf dem Cover ist die attraktive Schauspielerin mit einer unästhetischen Pilzkopf-Frisur zu sehen. Daneben ihr Name und der Albumtitel in der hässlichsten Schrift, die der Graphiker finden konnte. Der Namenszusatz „Too Many Boys“ bezieht sich weniger auf den gleichnamigen Song, als viel mehr auf die Band, die für die Musik zuständig ist. Heißt es zumindest. Tatsächlich hatten Julia Hummer und ihr Produzent Christopher Uhe nur einige unregelmäßig vorkommenden Gastmusiker, was dem Album aber nicht schadet. Im Gegenteil, es wirkt intim und es ist deutlich spürbar, dass hier nicht zu viele Köche am Werk waren.

Highlight ist, neben den bereits genannten Songs, das Lied „What they want“, das ebenfalls von Bright Eyes kommen könnte. Mit Gitarren, einem leisen Klavier und Backgroundgesang plädiert das Stück für Selbstbewusstsein und gestaltet damit einen sehr schönen Ausklang des Albums. Der Rest fließt in dieselbe Richtung, ohne großartig zu überraschen, sondern einfach zum Berieseln lassen und erfüllt damit genau die Erwartungen, die man an Julia Hummer gestellt hat, als man zum ersten Mal ihre Musik gehört hat.

Anspieltipps:

  • Our empire is
  • What they want
  • True & innocent & untouched
  • Boxy, where are the spangles?
Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
8/10

The Days Of Never Coming Back And Never Getting Nowhere
  • 2017    
Diskutiere über „Julia Hummer And Too Many Boys“
comments powered by Disqus