Superpunk - Können Sie Das Groß Machen, Bitte - Cover
Große Ansicht

Superpunk Können Sie Das Groß Machen, Bitte


  • Label: L'Age d'Or/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 65 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die „Top Old Boys“ mit den Wurzeln in Hamburg und München gibt es mittlerweile 10 Jahre, wobei die Anfänge im Jahr 1995 doch eher als just-for-fun Projekt gewertet werden sollten. In einer Zeitschriftannonce liest Sänger Carsten Friedrichs von einer Band, die mit der Bezeichnung „die neuen Superpunks“ um einen Menschen am Mikrophon buhlt. Spontan ist sein Interesse geweckt und er startet mit vier jungen Männern (einer von ihnen ist Jan Müller von Tocotronic) die Band Superpunk. Musiker kommen und gehen, so dass Ende 1996 mehr als 14 Leute behaupten können, einmal bei besagter Gruppe mitgewirkt zu haben. Dennoch sind Lars Bulnheim (Gitarre), Thorsten Wegner (Schlagzeug) und Carsten Friedrichs (Gesang, Gitarre) aus der damaligen Erstbesetzung dabei geblieben und formen mit Tim Jürgens (Bass) sowie Thies Mynther (Keyboard) die heutige, mittlerweile stark zusammen gewachsene Band. Nach drei Alben und unzähligen Liveauftritten liegt nun ein interessanter Rückblick in Form eines Konzertmitschnitts auf Audio-CD vor, der durch eine umfassende DVD inkl. Musikvideos, Liveaufnahmen und jeder Menge Backstage-Impressionen vervollständigt wird.

Ein wunderbar direkt eingefangener Mitschnitt, aufgenommen im Januar 2005 in Köln, Oberhausen und Bielefeld, zeigt den unwiderstehlichen Sound Superpunks mit seiner gnadenloser Energie. Beinahe sämtliche Spielarten der Rockmusik finden in Songs wie „Ich Weigere Mich, Aufzugeben“, „Ich Bin Kein Ignorant, Ich Bin Kein Idiot“ und „Matula, Hau Mich Raus“ Gehör und verwandeln das heimische Wohnzimmer in einen verrauchten, vom Schweiß der tanzenden Menschen benetzten Club. Da rockt der Roll, tänzelt die Orgel und nimmt die ursprüngliche Energie von Punk keine Gefangenen. Charmant geben sich die fünf Gesellen von Superpunk der seelenvollen Spielfreude hin und schaffen in jeder Sekunde das, wovon so manche Liveaufnahme nur träumen kann: Ein Konzert ungeschliffen und direkt auf einen Tonträger zu bannen. Filigrane Soundspielereien auf höchstmusikalischer Basis dürfen allerdings nicht erwartet werden, denn hier steht der Spaß und nicht das Können im Vordergrund. Der Reiz liegt im Proberaum-Flair und in der Gewissheit, dass auch Deine Freunde da oben auf der Bühne stehen könnten und energisch den Saal zum Toben bringen.

Die DVD bildet eine gelungene Momentaufnahme einer erfrischend unprofessionellen Band. Fünf Promovideos zeigen Superpunk in allen möglichen und auch unmöglichen Situationen und geben sich bildtechnisch altmodisch, jedoch auf einer munteren Basis. Neben Ausschnitten von Konzerten und einem humoristisch geprägten Einblick in das Tourleben verzückt besonders das Interview mit Bernd Begemann, der sich über die Anfänge von Superpunk auslässt und über seine Produktion des Debüts „A Bisserl Was Geht Immer“ plaudert. Somit ist diese Veröffentlichung ein wirklich schickes Päckchen für jeden Fan und Sympathisanten verschrobener, punkiger Beatmusik. Wer allerdings mit schrägem Gesang und Garagen-Flair gar nichts anfangen kann, wird erschreckt zurückweichen und denjenigen den Vorrang lassen, der einen gewissen Dilettantismus im Rock´n´Roll nicht missen möchte.

Anspieltipps:

  • Ich Mag Den Mann Nicht, Der Ich Bin
  • Neue Zähne Für Meinen Bruder Und Mich
  • Matula, Hau Mich Raus
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Superpunk“
comments powered by Disqus