CocoRosie - Noah´s Ark - Cover
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CocoRosie Noah´s Ark


  • Label: Touch & Go/SOULFOOD
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Glaubt man dem Presseinfo, so fanden die Casady-Schwester Bianca und Sierra nach einer getrennten Kindheit erst wieder im Jahre 2003 zusammen. Sie bilden das Duo CocoRosie und sind seitdem unzertrennlich in der Musik vereint. Das verschrobene Debüt „La Maison De Mon Reve“ war das Resultat der neu entdeckten Schwesternliebe. Irgendwie gleicht bei CocoRosie alles einem verzwickten und verworrenen Märchen. Verstörende Texte und Pressefotos, auf denen die beiden auch schon mal zusammen mit ihrer Mutter im Hare Krishna-Look erstrahlen, sind nicht jedermanns Sache und sollen es auch gar nicht sein. CocoRosie schaffen sich ihren ganz eigenen Kosmos, der einen ohne Chance auf Rückkehr mitnimmt und in einem verqueren Märchenland wieder aussetzt.

„K-Hole“ lässt das Piano wie einen Abgesang auf diese uns bekannte Welt erklingen. Elektronische Soundscapes bilden einen schwankenden Teppich, dessen Bodenhaftung nicht gewährleistet wird. Eine kindliche Stimme bildet teils unverständliche Worte, deren Zusammenhang einem auch anhand der mitgelieferten Texte verschlossen bleibt. Antony von Antony & The Johnsons gehört zu CocoRosies Freunden, die sich in New York zu einer neuen Welle von musikalischer Avantgarde formen. Seine, mit den Geschlechterrollen spielende, Tonart erfreut uns wahrhaft in „Beautiful Boyz“. Klaviertupfer und der Mut zum direkteren Song lassen Antony traumhaft mit den Schwestern harmonieren. Überhaupt entstehen die Melodien hintergründig und müssen unter den höchst individuellen Songstrukturen erst einmal erkannt werden. „South 2nd” gibt sich beschwingt und ist mit einer kindlichen, sanften Rebellion gesegnet. Es mündet mit Hilfe von Pferdewiehern und Katzengejammer in „Bear Hides And Buffalo“, einem schleichenden Fragment von Song. Auf bezaubernde Weise fügen sich noisige Soundscapes zu einem schlüssigen Ergebnis und werden von einem Xylophon zusammengehalten. Einfacher zugänglich wird uns „Tekno Love Song“ offeriert. Spärlich instrumentiert wird, trotz der schrägen Stimmlage und den seltsamen Aufnahmen der Vocals, die Stimmung sehnsuchtsvoll und anheimelnd.

Obwohl es einem dieser Longplayer nun wirklich nicht leicht macht und man manchmal ob der dick aufgetragenen Avantgarde die Lust zur Entdeckung verliert, sind es immer wieder song-orientierte Momente, die aufhorchen lassen. So hat „Armageddon“ mit seinem Chor das bestimmte Lagerfeuer-Flair und „Bisounours“ den Flow des französischen MCs Spleen, welcher sich erhaben und doch liebevoll gibt. Entspannt trägt auch die französische Sprache zum Wohlklang bei.

Wohlklang enthält „Noah´s Ark“ in mäßigem bis viel versprechendem Ausmaß. Wahre Perlen blinzeln hervor, wenn wir sie an uns heran lassen und die allzu verstörende Geräuschkulisse für einen Moment ausblenden. Zerrissenheit gehört zu CocoRosie und bildet einen großen Teil ihrer Liebe zur Musik. Ohne Ausdauer und Toleranz gegenüber aufgebrochenen Songstrukturen entfacht sich diese Liebe beim Hörer allerdings nur schwerlich.

Anspieltipps:

  • Beautiful Boyz
  • Tekno Love Song
  • Bisounours
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