Jem - Finally Woken - Cover
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Jem Finally Woken


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Für viele wird die erste Single „They“ von Jems vorliegendem Debütalbum dieselbe Überraschung hervorgerufen haben, wie damals, als „Enter sandman“ von Metallicas legendärem Black Album im Radio Airplay erhielt. Was bei der Metal-Abteilung mit Neuem aus dem Hause Black Sabbath assoziiert wurde, ist in Popgefilden sofort mit Dido in Verbindung gebracht worden. Und das nicht zu Unrecht. Schließlich ähnelt Jemma Griffiths (so ihr bürgerlicher Name) Gesang stark dem der kleinen Schwester Rollos (Faithless). Ja, selbst der eine oder andere Vergleich in der Soundkulisse ist nicht von der Hand zu weisen. Dennoch gibt es kleine, aber feine Unterschiede zwischen dem Gesamtwerk von Fräulein Armstrong und einem Frischling wie Jem.

Ein Blick auf die Vergangenheit Griffiths legt offen, warum die Dame viel lieber einen kräftigen Bass als Begleitung nimmt, als herzhafte Streicher und Samples. Ihre musikalische Karriere begann sie als Mitarbeiterin in diversen Promotionagenturen, kam viel mit DJs in Kontakt und schaute sich mit der Zeit einige Techniken ab, um diese für ihren Traum, selbst ein Star zu werden, zu verwenden. Als sie es für geeignet empfand, sich ausschließlich der Produktion von eigenem Material zu widmen, kündigte sie und begann an ihrer Karriere zu basteln. Sie brachte vier Demos heraus und machte sich auf, in London ihr Glück zu suchen. Tatsächlich arbeitete sie nach einiger Zeit mit Guy Sigsworth (Björk, Frou Frou) zusammen, der den Song „Nothing fails“ aufnahm, der 2003 auf Madonnas Album „American Life“ erschien. Im selben Jahr kam Jems erste EP mit dem bedeutungsschwangeren Titel „It All Starts Here“ auf den Markt. Mit der Hilfe des US-Radiosenders KCRW, der im Großraum Los Angeles über eine große Anhängerschaft verfügt, gelangten ihre ersten Songs an eine breitere Öffentlichkeit. Eine neue Pop-Hoffnung war geboren. Ein Album war unabdinglich.

Da Jem nun endlich am Ziel angelangt war, wurde ihre erste LP als logische Schlussfolgerung „Finally Woken“ (2004) betitelt und vorerst nur in Amerika veröffentlicht. Auf dem Debüt befinden sich elf schöne Popsongs, die weder Breakbeats noch Samples scheuen, aber teilweise an der jeweiligen Idee hinter den Tracks ersticken. „Come on closer“, „Save me“ oder „Wish I“ beinhalten allesamt eine ergreifende Melodie, werden aber nicht konsequent weitergeführt. Dadurch fehlt ihnen der nötige Biss, um die Stücke über die ganze Länge überzeugend rüberzubringen. Etwas mehr als ein paar sehr klug arrangierte Samples wären erforderlich gewesen, um wirklich einzuschlagen und Kollegin Dido blass aussehen zu lassen.

Man muss Miss Griffith schon wirklich vergöttern, um manche Stücke bis zum Schluss zu hören, da sie sich ab der Hälfte immer wiederholen. Bemüht ist Jem auf jeden Fall. Das zeigt ihr scheinbar unerschöpfliches Repertoire an verwendeten Samples, die sie gekonnt einbaut. Klassisches (Johann Sebastian Bach „Prelude in F Minor“ – „They“), Indisches (Shankar Jaikishan/Hasrat Jaipuri „Baharon Phool Barsao“ – „Come on closer“) und Klassiker (Dottie & Bonnie „Dearest“ – „Wish I“) werden perfekt in Szene gesetzt und strahlen in den schönsten Farben ihres neuen Gewandes. Dass der Großteil der Vocals z.B. in Jems Schlafzimmer aufgenommen wurden, soll nur am Rande erwähnt werden.

Etwas mehr Abwechslung im Gesamtwerk und eine hervorragende Wertung wäre drin gewesen, leider reicht es so nur für ein „Okay“. Noch ein gut gemeinter Ratschlag zum Schluss: Um die Namensgebung für ihre Outputs konsequent durchzusetzen, sollte die nächste Veröffentlichung, falls „Finally Woken“ hierzulande floppt, in Richtung „Second Chance“ betitelt werden. Verdient hätte sie es sich.

Anspieltipps:

  • 24
  • They
  • Missing You
  • Falling For You
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