Neil Young - Prairie Wind - Cover
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Neil Young Prairie Wind


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Aufbauend auf seinen brüchigen Vocals, die von Gospel-Parts begleitet werden, singt der Kanadier die vertrauten Geschichten, wegen denen wir immer wieder die Platten des komischen Kauzes kaufen.

Der große alte Meister der Country-, Folk- und Rockmusik vollendet sein Werk. Nach schwerer Krankheit im vergangenen Jahr, ist „Prairie Wind“ der Abschluss einer Album-Trilogie, deren erster Teil bereits 33 Jahre auf dem Buckel hat („Harvest“ und deren Mittelpart auch schon vor 13 Jahren auf den Markt kam („Harvest Moon“. Gut Ding will also durchaus Weile haben.

Zudem schließt sich auch auf andere Weise ein Kreis. Bei der Produktion von „Harvest“ (1972) musste Young am Rücken operiert werden und bei „Harvest Moon“ (1992) wurde er wegen einer Netzhauterkrankung behandelt Im vergangenen Jahr, während der Aufnahmen zu „Prairie Wind“ in Nashville, musste sich Neil Young wegen eines Hirn-Aneurysmas einer gefährlichen Operation unterziehen. Bei dem Eingriff in New York gab es eine Komplikation, so dass er die Operation gleich zweimal überstehen musste.

Inzwischen ist Young wieder okay und kann seiner liebsten Beschäftigung nachgehen: dem Songschreiben. Dies tut er auf eine ganz besondere Art. Denn wie schon beim Vorgänger „Greendale“ (2003), ist die Reihenfolge der Songs auf „Prairie Wind“ streng chronologisch angeordnet – eben so, wie sie im Studio entstanden sind. In der Tat ein sehr ungewöhnlicher Arbeitsprozess. Trotzdem waren die letzten Werke des Altmeisters keine herausragenden Leistungen. „Are You Passionate?” war eine etwas misslungene Aufarbeitung von 9/11, während „Greendale” als ambitioniertes Konzeptalbum über das amerikanische Kleinstadtleben weder auf Platte noch auf der Bühne richtig funktioniert hat. Klar, ein Neil Young muss nichts mehr zu beweisen. Trotzdem ist es schade, dass auch auf „Prairie Wind“ die ganz großen Momente fehlen.

Dabei waren auch heuer wieder nur die besten Leute mit Young im Studio. Spooner Oldham an Orgel und Keyboards, Ben Keith an der Pedal-Steel, Chad Chromwell an den Drums, Karl Himmel an den Percussions und Rick Rosas am Bass. Diese Truppe sorgte für einen entspannten Country- & Folk-Sound, der in Sachen Sentimentalität und Klang durchaus als Fortsetzung von „Harvest“ und „Harvest Moon“ durchgeht. Leider ist ausgerechnet der Titelsong der größte Langweiler des neuen Albums, dem noch so einige dahinplätschernde Stücke – trotz zum Teil wunderschöner Instrumentierung – nacheifern („Falling off the face of the earth“, „This old guitar“). Doch dazwischen präsentiert Young wieder ein paar gewohnt gute Songs, wie das mit furioser Mundharmonikabegleitung rollende „Far from home“ oder die sehr schönen Balladen „Here for you“ und „It’s a dream“.

Aufbauend auf seinen brüchigen Vocals, die von Gospel-Parts begleitet werden, singt der Kanadier von Streichern und Bläsern eingerahmt, die vertrauten Geschichten, wegen denen wir immer wieder die Platten des komischen Kauzes kaufen. Geschichten wie in „The painter“, der ersten Singleauskopplung, oder „He was the king“, in dem es natürlich um Elvis Presley geht. Geschichten, die sich mit dem Tod seines Vaters beschäftigen („Prairie wind“) oder eine Ode an die erste Gitarre darstellen („This old guitar“). Das alles ist uns wohlbekannt und bedient sich gewiss bei dem einen oder anderen Klischee. Doch das machen die Rolling Stones auch nicht anders. Deshalb gibt es hier wie da knappe, aber verdiente 7 Punkte.

Anspieltipps:

  • No wonder
  • The painter
  • Here for you
  • Far from home
  • He was the king
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