Bernadette La Hengst - La Beat - Cover
Große Ansicht

Bernadette La Hengst La Beat


  • Label: Trikont/INDIGO
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Bernadette La Hengst ist stets unterwegs und bereiste politische wie musikalische Felder, um diese zu kombinieren und trotzdem ohne naive Parolen auszukommen. Sie ist feministische Aktivistin auf dem Nährboden der Kunst und schuf in den Neunzigern mit ihrer Band Die Braut Haut Ins Auge so manche Pop-Punk Großtat. Im Jahr 2002 erschien ihr Solodebüt „Der Beste Augenblick In Deinem Leben“ mit elektronisch verfeinerten Chansons und jeder Menge Herzblut. In der Zwischenzeit bis zu ihrem nun vorliegenden, zweiten Solowerk „La Beat“ organisierte sie mit 50 anderen Künstlerinnen das feministische Ladyfest Hamburg und war Dozentin des Mädchenband-Coaching Projekts „Sistars“. Als Lohn für ihre Aktionen in der Musik und der Politik wurde Bernadette 2003 für ihr bisheriges Gesamtwerk mit dem Künstlerinnen-Preis NRW ausgezeichnet. Zudem siedelte sie in das umtriebige Berlin um und ist seit vorigem Jahr Mutter einer Tochter.

Es ist fast unnötig zu sagen, dass Bernadette La Hengst die verschiedenen Kunstformen konsequent belebt und mit ihren Idealen farbenfrohe Elemente erschafft. Das aktuelle Album „La Beat“ bestätigt zum Teil ihren bisherigen Weg und gibt sich im Schnittpunkt zwischen funkigen Rhythmen und elektronischem Pop. In „Copy Me (I Want To Travel)“ groovt es ungemein mitreißend. Der Beat kommt schleichend um die Ecke, während Bernadette seelenvoll im Stile einer Gospeldiva über den Sounds thront und engagiert den individuellen Freiheitsdrang in den Lyrics hoch hält. Herzlich und berührend vertont sie ihre Mutterliebe in „Rockerbraut & Mutter“. Sie umgeht geschickt den Kitsch, wie er bei einer solchen Thematik schnell lauert. Tiefgehende Elektronik reißt uns mit und erobert mit Leichtigkeit den Soul. Dance-Pop und straighte Beats bietet „Hunger“, eine Ode an das Feuer in der Seele, welches die Leidenschaft zum Leben, hier und jetzt, prägt.

Nach diesen intensiven Momenten wird es in „Wer Hat Das Glück versteckt?“ etwas langatmig und wenig interessant. Die Beats bekommen nicht den Flow, der die vorigen Songs ausgemacht hat. Auch der Text gibt sich ohne Schwung und lässt den Hörer links liegen, da eine klare Linie nur verschwommen zu erkennen ist. Positiver geht es in „Hast Du Jemals Überlegt“ zu. Zeitweilig sind Gitarren im Einsatz, welche die Beats unterstützen. Die Stimmung ist von Endorphinen gesegnet. Immer mehr Sounds werden übereinander gelegt und geben dem Track eine ganze Menge Spannung, obwohl die erhoffte Explosion der Emotionen leider ausbleibt. Die dringliche Atmosphäre greift dann wieder in einigen Songs, wie z. B. „Her Mit Der Utopia“. Obwohl Entspannung vorherrscht, wachsen die politischen Statements auf einem Boden aus behaglichem Groove. So endet „La Beat“ mit gemischten Gefühlen. Man vermisst Konsequenz und den Mut, die tolle Mischung aus Funk und zwingenden Elektrosounds auf Albumlänge durchzuziehen. Das Resultat sind energetische Hymnen und biedere Momente der Trägheit.

Anspieltipps:

  • Hunger
  • Wissen Was
  • Copy Me (I Want To Travel)
Neue Kritiken im Genre „Electro“
Diskutiere über „Bernadette La Hengst“
comments powered by Disqus