Calexico - In The Reins - Featuring Iron And Wine - Cover
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Calexico In The Reins - Featuring Iron And Wine


  • Label: Touch & Go/SOULFOOD
  • Laufzeit: 28 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „In The Reins“ kommt nun ein neues Album zwei großartiger Gruppen heraus.

Die große Koalition. Ein Ausweg oder der Stillstand? Bringt sie Fortschritt oder bleiben wir beim Status Quo? Zumindest wissen wir, dass sie nur dann in Erwägung gezogen wird, wenn wirklich keine andere ideologisch-vertretbare Konstellation möglich ist. Zum Glück sind Politik und Musik zwei sehr unterschiedliche Gebiete, denn wenn es in der Musik große Koalitionen gibt, dann sind sich alle ziemlich einig, dass man Großes erwarten kann. David Bowie & Mick Jagger, Eric Clapton & B.B. King und nicht zu vergessen: die G3-Konzerte von Steve Vai.

Mit „In The Reins“ kommt nun ein neues Album zwei großartiger Gruppen heraus. Zwar sind weder Iron And Wine noch Calexico mit einer übermäßig großen Publikumszahl beschenkt, aber Musik sollte man immer qualitativ, nicht quantitativ, betrachten! Von daher kann man von einer weiteren großen Koalition sprechen.

Iron And Wine kennen hierzulande vermutlich die wenigsten. Erst durch „Such great heights” von „Garden State“-Soundtrack erlangte Iron And Wine, hinter dem hauptsächlich Sam Beam steckt, etwas Aufmerksamkeit. Calexico sind dagegen schon bekannter. Eine gut besuchte Tour zu dem Meisterwerk „Feast Of Wire” vollzogen die Amerikaner im Jahr 2003. Ihr Mix aus Country, Folk, Rock, Latin-Jazz und Western-Sound begeistert die Kritiker weltweit. Dieses Jahr folgte die großartive Live-DVD „World Drifts In”. Und eben „In The Reins”, das eigentlich schon vor drei Jahren erscheinen sollte. Doch als Sam Beam endlich Zeit hatte, um mit seine langjährigen Freunden Joey Burns (Sänger, Gitarrist, Songwriter von Calexico) und John Convertino (Schlagzeuger und Multiinstrumentalist von Calexico) die Idee dieses Albums zu realisieren, waren Calexico mit den Arbeiten an „Feast Of Wire” beschäftigt und so trafen sich die beiden Acts erst Ende des Jahres 2004 und spielten sieben Lieder von Sam Beam ein.

Zum ersten Mal können sich Calexico zusammenreißen und feuern kein Stilmix-Inferno auf das Publikum ab. Stattdessen bleiben sie dem Stil von Iron And Wine sehr treu und versüßen die Musik mit sehr dezent eingearbeiteten Stilelementen verschiedenen Ursprungs. Der Opener „He lays in the reins“ ist von der Instrumentierung ein typischer Song von Burns. Die Atmosphäre ist dagegen wie in einem Beam-Song. Und so bewegen sich alle Songs fort, jeder Song ist anders, aber alle klingen dennoch irgendwie gleich. Und da ist auch schon das Problem, denn wenn zwei großartige Gruppen ein gemeinsames Album ankündigen, erwartet man etwas, das sowohl großartig, als auch ungewöhnlich ist. Ungewöhnlich an „In The Reins“ ist dennoch gar nichts. Für Calexico wäre es eine nette EP, die vor sich hin schwimmt, aber wohl eher Stillstand bedeuten würde, und für Iron And Wine ist es der nächste Schritt in der Weiterentwicklung, indem er seine Songs intensiver mit Bläsern und Drums besetzt und diese dadurch offensiv wirken und nicht so defensiv, wie es bis jetzt der Fall war.

Dennoch ist es ein gutes Album geworden. Die Bläser in „History of lover“ wirken typisch für Calexico, wie eine Offenbarung und verfehlen auch in „Burn that broken bed“ nicht ihre Wirkung. Das wunderbare „Dead man’s will“ ist mit seinem mehrstimmigen Gesang ein zauberhaftes, verträumtes Lied, das man gar nicht mehr loslassen möchte. Zum ersten Mal hat man insgesamt das Gefühl, dass man einen Iron-And-Wine-Song hört und er passt dennoch wunderbar in den Gesamtsound des Albums, ohne konträr zu wirken. Der sanfte Background-Gesang von Natalie Wyants lässt „16, maybe less“ in höheren Sphären schweben, während die nach Country- und Western klingenden Gitarren in „Red dust“ mit dem gelungenen Gitarrenriff sehr gut in den Iron-And-Wine-Song passen, so dass man sich erhofft, dass die beiden Bands bald wieder gemeinsam ins Studio gehen. Nein, das wollen wir aber eigentlich nicht. „In The Reins“ ist ein gelungenes Album, aber wer möchte den typischen Iron-And-Wine-Sound vermissen. Jetzt, wo man ihn doch gerade erst entdeckt hat.

Anspieltipps:

  • He lays in the reins
  • History of lovers
  • 16, maybe less
  • Dead man’s wil
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