Kevin Devine - Split The Country, Split The Streets - Cover
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Kevin Devine Split The Country, Split The Streets


  • Label: Defiance Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein starkes Singer/Songwriter-Werk, das die Fans sehr verzücken dürfte.

Schenkt man dem Info-Blättchen des Labels Glauben, hat Singer/Songwriter Kevin Devine im letzten Jahr satte 300 Shows gespielt. Darunter Support-Gigs für Bob Mould, Bright Eyes und Dashboard Confessional. Offenbar hat der Mann in seinem Leben nichts anderes zu tun. Essen, trinken, schlafen – wer braucht das schon! Aber wann bleibt da noch Zeit zum Songschreiben? Vor allem, wenn es sich um 13 gnadenlos gute Perlen handelt, wie auf dem dritten Album des Ex-„Miracle Of 86“-Kopfes.

Lange gedauert hat es jedenfalls nicht, bis der Nachfolger von „Circle Gets The Square” (2002) und „Make The Clocks Move” (2003) fertig war. „Split The Country, Split The Streets” entstand in nur neun Tagen zwischen November und Dezember 2004 in den Headgear Studios in Brooklyn mit den Ex-„Miracle Of 86“-Mitgliedern Mike Skinner (Drums), Chris Bracco (Bass) und Mike Robertson (Gitarre) sowie Amy Bracco (Piano), Margaret White (Violine), Russell Smith (Gitarre) und Kevin Kolankowski (Percussion).

Nein, diese Platte mit dem seltsam verwaschenen Cover spricht einen auf den ersten Blick überhaupt nicht an. Kein Name, kein Titel, nur irgend so ein komischer Slacker in den Häuserschluchten von New York – was wird der uns schon zu erzählen haben? Eine ganze Menge! Der 25jährige Kevin Devine aus Brooklyn, New York ist ein einfühlsamer Geschichtenerzähler, dem man gerne zuhört. Er hat dieses typisch weinerliche eines Songwriters, der seine kleinen und großen persönlichen Katastrophen verarbeitet. Er kann aber auch verdammt laut rocken! Sein Gesang ist fast immer am emotionalen Anschlag. Er leidet, protestiert, gibt den Kampf nicht auf.

Im Opener „Cotton crush“ schleicht sich Devine leise an den Hörer heran. Die E-Gitarre plänkelt eine Zeit lang verdächtig im Hintergrund herum, bis sich eine Wall of Sound aus harten Gitarren, deftigen Drums und einer energischen Stimme entlädt. Willkommen zu einem mitreißenden Album, das von seinen Gegensätzen lebt. Denn neben akustischen Emo-Popsongs wie „Afterparty“, „Haircut“ und „No time flat“, der sich ganz unverblümt gegen die Politik der amerikanischen Regierung richtet, baut Devine immer wieder forsch rockende Tracks ein. „No one else’s problem“ ist so ein Song, bei dem die scharfen E-Gitarrenriffs aufheulen und den Song nach vorne treiben.

Das genaue Gegenteil ist „Keep ringing your bell“, eine tragische Geschichte über einen Typen, der jede Nacht um 24:00 Uhr an der Tür einer Prostituierten klingelt, verpackt in eine bittersüße Ballade. „Probably“ behandelt vergebene Chancen, eine Beziehung einzugehen, in „Alabama acres“ trifft Kevin Devine seinen toten Vater im Traum wieder, „Lord, I know we don’t talk“ ist ein Zwiegespräch mit Gott und „You are the daybreak“ ist eine wunderschöne Liebeserklärung. Dass „Buried by the buzz“ dabei verdammt an Soul Asylums „Somebody to shove“ erinnert – egal! Ist ja kein schlechter Song. Diese findet man auf dieser Platte übrigens überhaupt nicht, denn „Split The Country, Split The Streets” ist ein starkes Singer/Songwriter-Werk, das Fans oben genannter Acts sehr verzücken dürfte.

Anspieltipps:

  • Haircut
  • Cotton crush
  • Yr damned ol’ dad
  • Buried by the buzz
  • You are the daybreak
  • No one else’s problem
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