Bullet For My Valentine - The Poison - Cover
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Bullet For My Valentine The Poison


  • Label: Gun Records/SonyBMG
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Kurz und schmerzlos. Genauso könnte man die Musik der aus Wales stammenden Jungs nennen.

Anfang des Jahres 2005 erschien von My Chemical Romance das zweite Album „Three Cheers For Sweet Revenge“, das mit einem Genremix aus Emocore, Nu-Metal und Garagenrock aufwartete. Die Texte handelten von Sehnsucht, Verlangen, extremen Liebesbezeugungen und Gedanken an das Jenseits. Auf dem Cover blickten sich eine Frau und ein Mann mit blutbespritzten Gesichtern an. Es herrscht Verzweiflung, das sieht man ihnen an. Man glaubte dennoch an ein glückliches Ende für die Zwei, irgendwie wird es schon gehen. Die Nuancen und die Farbgebung im düsteren Artwork von My Chemical Romance erinnern nun unweigerlich an das Debüt von Bullet For My Valentine. Der kleine Unterschied ist, dass es hier wohl zu keinem Happy End kommen wird. Am Boden liegt eine Frau mit einer Kugel im Kopf, ein Mann steht in der Tür, man sieht lediglich seinen Schatten. Es wird erst gar nicht versucht die große Liebe zu retten, Wunden zu kitten, Fehler auszumerzen, sein Leid in Worte zu fassen. Man setzt dem Ganzen kurz und schmerzlos ein Ende.

Kurz und schmerzlos. Genauso könnte man die Musik der aus Wales stammenden Jungs Matthew „Matt“ Tuck (Gesang), Michael „Padge“ Padget (Gitarre), Jason „Jay“ James (Bass) und Michael „Moose“ Thomas (Schlagzeug) nennen. Nicht dass wir uns falsch verstehen. Die 13 Songs auf „The Poison“ sind durchschnittlich vier Minuten lang, aber das Tempo, das vorgelegt wird, lässt Song um Song in Windeseile an einem vorbeizischen, und ehe man sich versieht, beginnt schon der nächste, bevor man „Metalcore“ sagen kann. Damit hätten wir auch schon das nächste Stichwort. Bullet For My Valentine mischen gekonnt schnelle Gitarrenriffs mit der Ästhetik von Matthew Tucks mal schreiender dann wieder gefühlsbetonter Stimme. Dass das nicht von ungefähr kommt, kann man sich wahrscheinlich schon denken. Das Quartett gibt an, Iron Maiden, Metallica und Testament als Jugendidole vergöttert zu haben und ging, seitdem sich ihre EP „Hand Of Blood“ wie warme Semmeln verkaufte, mit Chimaira auf Tour, machte Zwischenstops bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ und heimste den „Welsh Music Award“ ein. Produziert hat das Ganze Colin Richardson, der schon für Fear Factory und Machine Head bereit stand. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass gleich ums Eck Funeral For A Friend und die Lostprophets ihren Ursprung hatten und fertig ist die Definition von Metalcore in allen Facetten für BFMV.

Anders als ihre walisischen Nachbarn halten sie sich aber nicht allzu lange damit auf, dem Hörer Verschnaufpausen oder schmerzerfüllte Passagen rein stimmlicher Natur zu geben, sondern brettern einfach drauf los. Doch bevor es soweit ist, gibt es erst mal ein hübsches Intro mit Apocalyptica, die es sich natürlich nicht nehmen lassen, dem Stück ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Und dann, kurz bevor man sich von der sphärischen Melodie treiben lässt, kommt der Knall: „Aaaaaaaaaaaah.........“ meint Sänger Tuck kurz und prägnant und lässt sich auf das um in herum tobende Riffbrett fallen. „These are my final words to you“ erklärt er in „Her voice resides”. Jeder, der während des Intros die Lautstärke um einige Dezibel erhöht hat, weiß, was er damit meint. „4 Words to choke upon“ schlägt in dieselbe Kerbe und macht Platz für „Tears don´t fall“. Hier werden sie mit einem flotten, stimmigen Gitarrensolo ihren großen Metal-Vorbildern gerecht und liefern einen der Höhepunkte ab.

Danach wird zum ersten Mal klar woran es bei BFMV hapert: Abwechslung. „Suffocating under words of sorrow“ klingt wie eine Mischung aus Stück zwei und drei. Bei „Hit the floor“ fehlt einfach die gewisse Inspiration. Dafür macht „All these things I hate“ wieder einiges gut, wenn sich leidenschaftliches Akustikgitarrenspiel mit einem harten Refrain abwechselt und genau von diesem Gegensatz lebt und gedeiht. Überhaupt ist das die große Stärke, von denen die meisten Tracks ihre Daseinsberechtigung beziehen. Denn die härteren Stücke sind in der Regel recht monoton und ohne geschickte Pausen vergessenswert. Dazu ist zu sagen, dass das auch nicht immer funktioniert oder stimmig ist, sondern künstlich wirkt. Nichtsdestotrotz ist mit der Halbballade „The end“ noch ein gelungener Abschluss anzuführen, der sich auch im Kopf festsetzt und hoffen lässt, dass sich BFMV für ihren zweiten Output weniger auf das Gedresche ihrer Instrumente konzentrieren, sondern auf einen stimmigen Aufbau ihrer Songs.

Anspieltipps:

  • All These Things I Hate
  • Tears Don´t Fall
  • Cries In Vain
  • The End
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