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Diverse SZ Diskothek: 1959


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Schuld war nur der Bossa nova!“. Ein neuer Beat schüttelt die ganze Welt durch. Ausgehend von Brasilien wird der Bossa nova irgendwann so populär, dass die Amerikaner glauben, sie hätten den neuen Rhythmus erfunden. Doch das Copyright für die subtropische Antwort auf Frank Sinatra gehörte keinem anderen als Joáo Juveniano des Oliveira – oder kurz: Joáo Gilberto. Er stammte aus einem Dorf Juazeiro in Bahia. Er erfand einen Gitarrenbeat, aber auch einen Gesangsstil, eine neue Art des Umgangs mit Harmonien – ein musikalisches Gesamtkonzept, das über Brasilien kam, als wäre es vom Himmel gefallen.

In den Apartments euphorisierter Mittelklasse-Kids fanden haschumwölkte Happenings statt, auf denen sich die Jugendlichen nächtelang den neuen Klängen hingaben. Im August 1958 war Joáo Gilbertos erste Single „Chega de saudade“ erschienen. Das Stück war zuerst kein besonderer Erfolg. Was waren das für merkwürdig dissonante Akkorde? Und der Gesang: soft, völlig ohne Vibrato. Antonio Carlos Jobim verwendete das Stück dennoch für den Soundtrack zum Film „Orfeu Negro“, der ein Hit wurde und die Goldene Palme von Cannes und einen Oscar gewann. In diesem Sog wurde auch „Chega de saudade“ zu einem Riesenhit. Mit der zweiten Single „Desafinado“ wurde dann die ganze Welt vom Bossa nova infiziert.

Bevor die Musik nach Europa und Nordamerika kam, hatte niemand auch nur eine vage Vorstellung von dem, was in Brasilien abging. Doch plötzlich war aus dem Land der Ort der Verheißung geworden. Die Augen der Welt richteten sich auf einen Staat im Aufbruch und der Bossa nova lieferte den Soundtrack zu dieser Veränderung.

In den USA bekommt die US-Flagge einen neuen Stern. Hawaii wird am 12. März der 50. Bundesstaat. In der DDR zieren dagegen seit dem 1. Oktober Hammer und Zirkel die neue Flagge. In New York wird das futuristische Guggenheim Museum eröffnet, während in Deutschland ein gewisser Peter Kraus zum Ersatz-Elvis mutiert. Franz Josef Strauß posiert vor der Wunderwaffe „Starfighter“, die sich als „Erdnagel“, „Witwenmacher“ und „Fliegender Sarg“ keinen guten Namen in der Luftfahrt macht. In Kuba wird Fidel Castro Staatschef und der Schah von Persien heiratet. Im Fundstück der vorliegenden Ausgabe wir ein Interview mit Elvis Presley vom 5. März 1959 aus der Wochenend-Sonntagspost präsentiert.

Die einstündige CD der SZ-Diskothek des Jahres 1959 wartet u.a. mit Tracks von George Jones („White lightning“), Dalida („Am Tag als der Regen kam“), The Drifters („There goes my baby“), Ronnie Hawkins & The Hawks („Forty days“), The Staple Singers („Uncloudy day“) und The Wailers („Tall cool one“) auf.

Anspieltipps:

  • Bo Diddley – Say man
  • The Isley Brothers – Shout
  • The Clovers – Love potion no. 9
  • The Drifters – There goes my baby
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