DJ Tomekk - Numma Eyns - Cover
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DJ Tomekk Numma Eyns


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 56 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Holla, was ist denn hier los? Mal eben bei den Vercheckern von Amazon nach der neuen Single von DJ Tomekk geschaut („Jump, jump – DJ Tomekk kommt – Feat. Fler & G-Hot“) und aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Bei den Kundenbewertungen laufen die Leute Sturm und beschweren sich über die angeblich so grottenschlechte Coverversion des ´92er Kriss-Kross-Tracks. Na so was, was geht ab?! Der gute Herrn Kuklicz alias DJ Tomekk ist doch Deutschlands erfolgreichster DJ und HipHop-Produzent. Der Song stieg von null auf drei in die Charts ein. Was ist passiert? Haben seine Fans den 30-Jährigen plötzlich nicht mehr lieb? Darüber kann nur das neue Album „Numma Eyns“ Auskunft geben, das nach einer zweijährigen Pause des gebürtigen Krakauers im September erscheint.

DJ Tomekk hat nach einer perspektivlosen Jugend in Polen und nach seiner Ausreise nach Deutschland mit 15 Jahren – wo er im Kinderheim lebte – eine erstaunliche Karriere als HipHop-Künstler hingelegt. Mit 16 Jahren hatte er seinen ersten Plattenvertrag, er gewann als Graffittisprayer mehrere Wettbewerbe und bekam auf dem Berliner Radiosender Kiss FM seine eigene Radiosendung „Boogie down Berlin“. 2001 debütierte er mit dem Album „Return Of HipHop“ und entwickelte sich damit zu einer Art deutschem Puffy Daddy, indem er sich Heerscharen internationaler Gäste wie Krs-One, Missy Elliott, Coolio und Tony Touch ins Studio holte. 2002 folgt „Beat Of Life“. Auch hier quillt die Gästeliste förmlich über. Ice-T, Lil’ Kim, Kurupt, Fatman Scoop und Shaquille O'Neal (!), um nur ein paar zu nennen, geben sich das Mikro in die Hand. Dass seine Sounds etwas uninspiriert klingen, die Texte mitunter schlimmstes Niveau haben und die Beats schon mal bei der Konkurrenz geklaut werden, fällt angesichts erfolgreicher Singles wie „Kimnotyze“ nicht ins Gewicht.

Jetzt meldet sich Tomekk zurück und wieder sorgt die Gästeliste für gehörigen Respekt: Das Bo, Sido & Harris, N.O.R.E., Xzibit, Truth Hurts, MC Lyte, B-Tight und so weiter sind ganz schöne Hausnummern. Doch auch wenn sich Tomekk jetzt ein paar Aggro-Berlin-Leute ins Studio holt geholt hat, wird er mit den 14 Tracks auf „Numma Eyns“ keinen Boden in HipHop-Kreisen gutmachen. Dazu sind seine Pseudo-Aggro-Gangsta-Raps einfach zu sehr auf „Top of the Pops“-Konsumenten und Co. zugeschnitten. Was auch überhaupt nicht cool rüberkommt: Im Booklet ist ein Zeugnis von Tomasz Kuklicz aka DJ Tomekk aus der Lessing-Oberschule in Berlin-Wedding abgedruckt. Die Zensuren sind durch die Bank katastrophal und lassen durchaus Schlüsse auf Tomekks Texte zu. Diese gehören zu den peinlichsten Ergüssen im deutschsprachigen Rap/HipHop („... Frauen, die mich sehen, sind sofort geil... Ich will nur ficken und keine Romanzen. Wenn du gut bist, kriegst du ein Näschen Kokain...“).

Witzlose Schweinereien wie im „Badesong“ oder prollige Selbstbeweihräucherungen wie „T.O.M.E.K.K.“ oder „Da hinten, da hinten“ sind einfach unterstes Niveau und eine Strafe für jeden HipHop-Fan. Schwachbrüstige Pussy-Raps („Partyverlauf“), einfallslose Coverversionen („Jump, jump“) und müde Club-Tracks („Salam Alajkum“) sind Kindergarten-Aggro, den keiner braucht. Einziges Highlight ist die kommende Singleauskopplung „Numma Eyns“ mit dem herausragenden Das Bo im Schlepptau. Hier zeigt die Hamburger Schule den Jungs aus Berlin, was ne Harke ist! Sei’s drum. Am Ende können auch Megastars wie Xzibit („Pimp my Ride“) und Kult-Rapper wie Das Bo nichts mehr retten.

Ebenfalls peinlich: Auf dem Backcover wurde eine falsche Web-Adresse abgedruckt, die nicht auf die Seite von DJ Tomekk führt, sondern zu einem Versicherungsmakler aus München. Mannomann! Vielleicht führt dieser ja eine Versicherung gegen schlechte Beats und dümmliche Lyrics. Fazit: Ganz schwach, Herr Kuklicz. Setzen. Sechs!

Anspieltipps:

  • Jamila – Feat. Said & Harris
  • Eey yo (Eyns) – Feat. Das Bo
  • Wherever you go – Feat. Monie Love
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